Kurserfolg-Analyse

Börsen-Rendite spricht nicht für eine Frauenquote

Eine Analyse zeigt: Der Börsenwert von Firmen ist unabhängig vom Geschlecht der Chefs. Argumente für mehr Frauen gibt es trotzdem.

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Die Frauenquote ist ein Zankapfel, quer durch die Gesellschaft. Beim kommenden Parteitag der CDU in Leipzig wird darum gerungen, Unternehmensberater empfehlen dringend, mehr Frauen an der Spitze einzustellen. Doch die Mehrheit der Deutschen ist nicht überzeugt. Nicht einmal Frauen selbst wünschen sich mehr weibliche Chefs, wie Umfragen immer wieder ergeben.

Dabei steht das vermeintlich schwache Geschlecht für eine bessere Unternehmenskultur: Höhere Vielfalt, unterschiedliche Perspektiven, Empathie fürs Personal und nicht zuletzt Familienfreundlichkeit sollen sich unter dem Strich im wirtschaftlichen Erfolg niederschlagen – und einem steigenden Aktienkurs. Sollten Anleger also ihre Kaufentscheidung künftig nach den Vornamen der Führungsriege auswählen?

Zumindest an der Börse scheint allein das Geschlecht der Top-Entscheider nicht ausschlaggebend zu sein. Das zeigt eine Auswertung von Morgenpost Online. Unternehmen mit hohem Frauenanteil schneiden demnach nicht besser ab als männerdominierte Firmen im gleichen Index.

Grundlage für den Vergleich bilden die 160 größten Börsengesellschaften Deutschlands , für die der Verein „Frauen in die Aufsichtsräte“ diejenigen mit der höchsten Frauenpower ermittelt hat. „Frauenpower“ steht dabei für einen hohen Anteil weiblicher Mitglieder im Aufsichtsrat oder im Vorstand – oder in beidem. In dem einen Gremium wird das operative Geschäft überwacht, in dem anderen werden die wichtigen Entscheidungen gefällt.

Nur wer hier sitzt, kann die Geschicke einer Firma auch positiv beeinflussen. Und in manchen Fällen scheint ihnen das auch zu gelingen. So entwickelte sich die Aktie der GfK mit einem Zuwachs von zehn Prozent auf Jahressicht ganze 21 Prozent besser als der breite Markt. Im Vorstand des Marktforschers sind drei von sechs Mitgliedern weiblich, im zehnköpfigen Aufsichtsrat sind ebenfalls drei Frauen vertreten.

Einen höheren Frauenanteil gibt es in keiner der hierzulande gelisteten Firmen. Doch schon auf den folgenden Rängen der Frauen-Hitliste zeigt sich, dass der Börsenerfolg nicht zwingend weiblich ist. Douglas, Deutz und Q-Cells haben in den vergangenen zwölf Monaten schlechter abgeschnitten als der jeweilige Vergleichsindex. Auch international lässt sich kein Zusammenhang erkennen. Die Bank Vontobel hat ein Zertifikat im Angebot, das die Wertentwicklung von zwölf Unternehmen abbildet, in denen Frauen im Top-Management seit mindestens zwei Jahren die Führungsrolle innehaben.

Seit Marktstart im Juli lag der Aktienkorb mal besser, mal schlechter als die Messlatte MSCI World. Selbst das Paradebeispiel für Unternehmen mit Frauenpower, PepsiCo, kann nicht als Argument für ein Investment nach Quote herhalten. Kurz nach dem Amtsantritt von Indra Nooyi als Firmenchefin hängte Pepsi den Erzrivalen Coca-Cola ab. Inzwischen liegt der Softdrink-Konkurrent aus Atlanta mit Männern an der Spitze wieder vorn.

Frauen gehen geringere Risiken ein

Dabei klingen die Argumente für Frauen im Top-Management aus Anlegersicht durchaus vernünftig. Frauen an Schaltstellen leiden weniger häufig als Männer unter Selbstüberschätzung, sie gehen geringere Risiken ein . Außerdem leiden sie nicht unter Aktionismus, tätigen also weniger Transaktionen und sparen damit Kosten. Sie bringen neue Ideen und Perspektiven, mehr Empathie fürs Personal und eine andere Gesprächskultur.

Am Ende kann sich das in einem höheren Gewinn niederschlagen. In der Vergangenheit gab es immer wieder Versuche, diesen Effekt mit konkreten Zahlen zu belegen. So untersuchte die Unternehmensberatung McKinsey europaweit 89 Firmen mit hohem Frauenanteil und verglich diese mit herkömmlich männergeführten Konkurrenten. Tatsächlich ergab sich im Zeitraum 2003 bis 2005 ein um 48 Prozent höherer operativer Gewinn. Entscheidend dafür waren den Autoren zufolge: ein im Vergleich zu anderen Firmen attraktiveres Arbeitsumfeld, bessere Koordination und Kontrolle und ein angenehmerer Führungsstil.

Doch die Experten selbst räumen ein, dass der Zusammenhang zwischen hohem Frauenanteil und hohem Gewinn kein kausaler sein muss. Mehr Frauen produzieren also nicht zwangsläufig mehr Gewinn. So muss beispielsweise McKinsey zufolge eine bestimmte kritische Zahl an Frauen in Entscheidungsgremien überschritten werden, um Einfluss nehmen zu können.

Und selbst dann noch könnten weiterhin die „falschen“ – männlichen – Manager am Hebel sitzen. Das könnte eine Erklärung sein für die schlechte Performance beispielsweise von Commerzbank, E.on & Co. Wenn einige wenige Männer hohe Risiken ins Portfolio hieven und hinterher hohe Wertberichtigungen fällig werden, können auch noch so viele Frauen nichts dagegen ausrichten.

Und selbst Frauen sind vor solchen Fehlentscheidungen nicht gefeit. Möglicherweise schaffen es gerade diejenigen an die Spitze, die ähnlich risikofreudig sind wie Männer und ebenso Selbstüberschätzung an den Tag legen. Deshalb verwundert es nicht, dass es kaum entsprechende Frauenpower-Produkte für Anleger gibt.

Das Geschlecht ist nicht ausschlaggebend für den Kurserfolg, sondern Fähigkeiten der Top-Manager sowie Kreativität stiftende Vielfalt an den Schaltstellen. Mit diesem Wissen ließe sich auch die Diskussion um die Quote gelassener führen.

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Holger Zschäpitz hat vor allem die weltweite Verschuldung der Staaten im Blick .