Führungspositionen

Dax-Firmen erhöhen Frauenanteil in Chefetagen

Auf bis zu 35 Prozent planen die Dax-Unternehmen ihren Frauenanteil in leitenden Positionen in den nächsten Jahren zu erhöhen. Viele berufstätige Frauen wünschen sich allerdings einer Umfrage zufolge zwar eine Frauenquote, aber keine Chefin.

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Gesetzliche Regelungen lehnen die 30 führenden deutschen börsennotierten Unternehmen entschieden ab.

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Die Dax-Unternehmen wollen den Anteil von Frauen in leitenden Positionen in den nächsten Jahren auf bis zu 35 Prozent steigern. Die Personalvorstände der Konzerne übergaben der Bundesregierung am Montag in Berlin eine Übersicht ihrer verbindlichen Ziele. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) wertete die Zusagen als „besten Beweis“, dass ihre Idee einer flexiblen Frauenquote funktioniere. Sie habe im Vorfeld darauf gewettet, dass sich keines des Unternehmen trotz der Freiwilligkeit eine Quote von unter zehn Prozent zum Ziel setze. Das sei auch nicht der Fall.

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) lobte die Verpflichtung der Unternehmen, drängte jedoch weiter auf eine gesetzlich festgelegte, starre Quote für Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten. Damit stellte sie sich erneut gegen Schröder, die eine Einheitsquote ablehnt.

Die Unternehmen stellten klar, mit der Selbstverpflichtung eine gesetzliche Regelung überflüssig zu machen. Ihre Ziele seien realistisch und messbar, über die Fortschritte solle eine eigens dafür eingerichtete Arbeitsgruppe jährlich informieren. adidas will den Anteil weiblicher Führungskräfte in Deutschland bis 2015 von derzeit 26 Prozent auf 32 bis 35 Prozent erhöhen, Lufthansa hat das Ziel, die Zahl von Frauen in Führungspositionen in Deutschland von aktuell 15,5 Prozent um mindestens 30 Prozent bis Ende 2020 zu steigern.

„Freiheit und Verantwortung“

Schröder erklärte, mit diesen individuellen Zielsetzungen der Konzerne sei ein Teil ihres Stufenplans für mehr Frauen in der Wirtschaft erreicht. Die ihrem Vorhaben zugrunde liegende Philosophie, auf Freiheit und Verantwortung zu setzen, sei die zielführende. Im zurückliegenden halben Jahr habe sich beim Thema Frauen in Führungspositionen „enorm viel bewegt“. Dass sich in der Unternehmenskultur etwas ändere, lasse sich nicht von außen vorschreiben.

Ihr Ministerium arbeite derzeit an einem Gesetzesentwurf zur Einführung einer Flexiquote für Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten, sagte Schröder weiter. Einzelheiten wollte sie nicht nennen. Die Regierung arbeite derzeit noch an einer Positionierung. Am Wochenende hatte der „Spiegel“ bereits aus dem Arbeitspapier zitiert: Verstöße gegen die Flexiquote sollen demnach mit Strafen von bis zu 25.000 Euro geahndet werden können.

„Unterirdische Zahl“

Von der Leyen lobte die Personalvorstände. Sie hätten ein Stück „knochenharte Arbeit“ in ihren Unternehmen geleistet. Enttäuschend sei dennoch, dass eine „gläserne Decke“ Frauen den Weg nach ganz oben versperre. Der Anteil weiblicher Aufsichtsräte liege in den 30 Dax-Unternehmen bei 15 Prozent, der Frauenanteil in den Vorständen bei nur 3,7 Prozent. Das ist eine „unterirdisch Zahl“, sagte von der Leyen.

Die Ministerin pochte erneut auf eine rasche Einführung einer gesetzlich vorgegebenen, festen Quote für Vorstände und Aufsichtsräte. „In diesem Schneckentempo können wir nicht weitermachen.“ Die Unternehmen seien eingeladen, bei einem weiteren Gipfeltreffen von Regierung und Wirtschaft Lösungen für einen höheren Anteil von Frauen in diesen Positionen zu sorgen.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheuser-Schnarrenberger (FDP) begrüßte die Zielsetzungen der Dax-Unternehmen als gute Entwicklung. Entscheidend sei die Transparenz. Eine gesetzliche Verpflichtung lehnte sie erneut ab. Bedenken meldete die FDP-Politikerin auch bei den angedrohten Strafzahlung an.

Kaum eine Frau wünscht sich eine Chefin

Viele berufstätige Frauen wünschen sich einer Umfrage zufolge zwar eine Frauenquote, aber keine Chefin. Mit 55 Prozent forderten mehr als die Hälfte der vom Forsa-Institut befragten weiblichen Fach- und Führungskräfte eine Frauenquote, heißt es in der am Montag verbreiteten repräsentativen Umfrage. Zugleich wünschten sich aber nur 3 Prozent dieser Frauen eine weibliche Vorgesetzte. 27 Prozent bevorzugten einen Mann als Chef. Im Auftrag des Stellenmarktes Jobware aus Paderborn waren im August 507 Männer und Frauen zwischen 18 und 60 Jahren befragt worden. 89 Prozent der Männer war dabei das Geschlecht ihres Vorgesetzten angeblich egal.