Neues Quartier

Bremens Überseestadt ist Europas größtes Bauprojekt

Noch bis 2025 wird an der Weser ein neues Quartier zum Arbeiten, Leben und Erholen gebaut. Das Mega-Projekt soll Milliarden kosten.

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An die 300 Hektar, 16.000 Arbeitsplätze und Gesamtinvestitionen von mehr als 2,3 Milliarden Euro: Direkt an der Weser wächst in den alten Bremer Hafenrevieren mit der „Überseestadt“ ein völlig neues Quartier heran. Der Wandel des Areals rund um den zugeschütteten ehemaligen Überseehafen ist eines der größten städtebaulichen Projekte in Europa.

Die Wasserlage, eine optimale Verkehrsanbindung, die Nähe zur Bremer Innenstadt und moderne Bürolofts in restaurierten Speichern – das sind einige der Vorzüge des neuen Stadtteils, der den Bestand an alten Gebäuden und alteingesessenen Unternehmen mit neuen Immobilienprojekten und Nutzungskonzepten kombiniert. Mit der „Überseestadt“ reiht sich Bremen ein in viele weitere große Stadtentwicklungsprojekte in alten Hafenarealen europäischer Metropolen. Herausragende Beispiele sind die Hamburger „HafenCity“ oder die „Docklands“ in London. Als „Standort der Möglichkeit“ bewirbt die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) die „Überseestadt“.

Das Gebiet, dreimal so groß wie die Bremer Innenstadt, biete eine optimale Mischung aus Dienstleistung, Büros, Hafenwirtschaft, Logistik, Freizeit, Wohnen und Kultur, sagt WFB-Geschäftsführer Andreas Heyer.

Zahlreiche Firmen und Einrichtungen haben sich bereits von der Aussicht auf Leben und Arbeiten mit Blick auf die Weser anziehen lassen, seit die Entwicklung des Quartiers im Jahr 2000 begann. Insgesamt mehr als 300 Millionen Euro steckt die öffentliche Hand in Infrastrukturmaßnahmen für das Projekt, und private Investoren steuern zwei Milliarden Euro bei.

Das Bremer Konzept kombiniert Arbeiten mit Freizeit und Wohnen. Ein Beispiel ist die Entwicklung am „Europa-Hafen“, die bisher maßgeblich von der Projektgesellschaft Justus Grosse betrieben wird.

Am Europa-Hafen entsteht maritime Meile

So ist der restaurierte ehemalige „Speicher I“ mit seinem Angebot an Bürolofts und Gastronomie unter einem Dach vollständig an Dienstleister und Unternehmen vermietet, die auf den rund 36.000 Quadratmetern ausreichend Raum für mehr als 600 Arbeitsplätze haben. Das Unternehmen hat zudem den „Schuppen 2“ saniert, vier so genannte Port-Gebäude errichtet und die Immobilien „Newport“ und „Portland“ fertiggestellt, die allesamt ebenfalls Bürolofts sowie Gewerbe- und Ladenflächen direkt am Wasser bieten.

Die maritime Meile am „Europa-Hafen“ wird zudem durch eine Marina sowie Grün- und Freiflächen ergänzt. Zudem ist im „Schuppen 1“ ein Gewerbezentrum unter dem Motto „Faszination Auto“ geplant. Neben Werkstätten, Showrooms, Gastronomie- und Eventflächen entstehen im ersten Obergeschoss d er Immobilien Büro- und Wohnlofts inklusive Einstellplätzen für PKW – man kann also quasi mit dem Auto bis vors Bett fahren.

Spektakulär ist auch das Entree zu den alten Hafenrevieren: Unter der Leitung der Projektentwicklungsgesellschaft H. Siedentopf, die mit dem amerikanischen Stararchitekten Helmut Jahn aufwartete, entstand mit dem „Weser Tower“ das mit rund 82 Metern höchste Haus Bremens. Das weithin sichtbare 22-stöckige Bürogebäude, das über eine Bruttogeschossfläche von 18.500 Quadratmetern verfügt, wurde im vergangenen Jahr fertiggestellt. Hauptmieter ist der Oldenburger Energieversorger EWE.

Das Quartier „WeserUfer“ mit insgesamt 30.000 Quadratmetern wurde seit Mitte 2009 ebenfalls von der Projektentwicklungsgesellschaft Justus Grosse realisiert. 13 Gebäude zum Wohnen und Arbeiten errichtete das Unternehmen direkt am Wasser, mit dem „Landmark-Tower“ und zwei „Flusshäusern“ wurden die ersten Wohnungen in der „Überseestadt“ realisiert.

Direkt am Wasser wurden Miet- und Eigentumswohnungen errichtet. Cafés und Ladengeschäfte runden das Angebot ab. Direkt daran schließt sich der „Überseepark“ an. Hier sollen weitere Wohngebäude, Geschäfts- und Bürohäuser, Gewerbeflächen sowie Restaurants und Hotels entstehen.

Um weiteren Interessentengruppen das Wohnen am Wasser in der Überseestadt zu ermöglichen, werden jetzt zudem mit dem Projekt „Green Living“ weitere 45 Wohnungen ausschließlich zur Miete gebaut. Auf Basis höchster energetischer Standards soll hier ein breiter Mix an unterschiedlichen Wohnungstypen angeboten werden. Ab Sommer kommenden Jahres sollen diese Wohnungen dann bezugsfertig sein.

Bis 2025 wird die "Überseestadt" gebaut

Zudem entsteht im Quartier „Überseepark“ eine rund 25.000 Quadratmeter große Parkanlage. In direkter Nachbarschaft zum Quartier „WeserUfer“, wo die ersten Wohnungen in der Überseestadt entstanden sind, soll der Park die Erholungsbedürfnisse der Anwohner und vor allem die Freizeitinteressen von Kindern und Jugendlichen erfüllen. „Sport- und Spielmöglichkeiten bilden die Schwerpunkte des Parks“, sagt WFB-Geschäftsführer Heyer. Baubeginn für einen ersten Abschnitt ist noch im Herbst dieses Jahres, die Fertigstellung ist für Ende 2012 geplant.

Eine Promenade entlang der Weser verbindet den neuen Stadtteil mit der nahen Bremer Innenstadt. Im Zuge der Bauarbeiten wurden zugleich die Deiche erhöht, um den gestiegenen Anforderungen an den Hochwasserschutz gerecht zu werden.

„Das Entwicklungskonzept für die Überseestadt lebt von der Wasserlage“, sagt Martin Günthner (SPD), Wirtschafts- und Häfensenator der Hansestadt. „Die neue Promenade verbindet an der Wasserseite die Entwicklungsgebiete der Überseestadt. Hochwasserschutz und Attraktivitätssteigerung passen hier bestens zusammen.“

Noch bis zum Jahr 2025 wird die „Überseestadt“ weiter ausgebaut. Neben allen Neuerungen prägen aber auch traditionelle Branchen den Charakter des neuen Bremer Stadtteils. So dienen viele Speichergebäude weiterhin der Logistik und Lagerhaltung und die „Roland-Mühle“, Deutschlands einzige Mühle mit einer Seehafenanbindung, hat hier ihren Sitz. Außerdem befindet sich unweit des Holz- und Fabrikenhafens der Großmarkt Bremen sowie weitere Unternehmen der Nahrungs- und Genussmittelbranche wie etwa der deutsche Standort des Cornflakes-Konzerns Kellogs.

Die „Überseestadt“ ist damit auch ein Ort der Kontraste und unkonventionellen Verbindungen, des Neben- und Miteinanders von historischem Hafenambiente und moderner Architektur, traditionellem Gewerbe und jungen Dienstleistungsunternehmen.