Weltbank-Report

Das sind die firmenfreundlichsten Länder der Welt

In Griechenland ist es zwar leichter geworden, eine Firma zu gründen. Dennoch ist das Land in der neuen Weltbank-Rangliste weit abgeschlagen, die ein Stadtstaat anführt.

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Die krisengeschüttelten Staaten an der europäischen Peripherie sind im vergangenen Jahr unternehmensfreundlicher geworden. Allerdings landen Italien und Griechenland im internationalen Vergleich immer noch weit hinten. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Weltbank.

Für den jährlichen Report „Doing Business“ untersucht die Organisation, wie stark Gesetze und Bürokratie weltweit die Tätigkeit von Firmen erschweren. Griechenland schneidet bei der Untersuchung nicht besonders gut ab : Unter den 183 analysierten Ländern liegt es auf Platz 100. Vor zwei Jahren hatte Griechenland noch Rang 97 erreicht.

Die Ergebnisse des Reports illustrieren, dass die Krisenstaaten sich bemühen, die Grundlagen für künftiges Wirtschaftswachstum zu schaffen, dass aber teilweise noch viel zu tun ist. Athen hat es im vergangenen Jahr einfacher gemacht eine Firma zu gründen; dank einer neuen Internetplattform können Gründer die entsprechenden Daten gleich an sieben Behörden übermitteln. Zudem hat die griechische Regierung Steuersätze für Unternehmen gesenkt.

Portugal hat ebenfalls wirtschaftsfreundliche Reformen angepackt: Dort ist es auch leichter geworden, eine Firma zu gründen, weil Gründer dort weniger Eigenkapital brauchen als bisher. Und Bauherren bekommen in Portugal inzwischen schneller und einfacher eine Baugenehmigung. Auch Madrid und Rom haben Reformen durchgesetzt.

Von allen Krisenstaaten hat nur Irland seine Regeln nicht reformiert, allerdings galt das Land ohnehin bereits als sehr wettbewerbsfähig. Das von der Finanzkrise besonders stark getroffene Lettland, dessen Volkswirtschaft nach einem dramatischen Einbruch der Wirtschaftsleistung bereits wieder wächst, gilt der Weltbank als der eifrigste Reformer weltweit im vergangenen Jahr.

Deutschland landet im EU-Vergleich nur auf Platz sechs

Als die drei wirtschaftsfreundlichsten Länder der Welt gelten wie in den vorangegangenen Jahren Singapur, Neuseeland und Hongkong. Südkorea gehört in der Untersuchung erstmals zu den zehn wirtschaftsfreundlichsten Ländern der Welt. Deutschland landet beim Vergleich innerhalb der Europäischen Union auf dem sechsten Platz – nach Großbritannien, Irland und drei nordischen Ländern.

Damit ist Deutschland im europäischen Vergleich um einen Platz nach oben gerutscht, allerdings ohne eigenes Zutun: Hierzulande gab es keinerlei Reformen, die Unternehmen das Leben erleichtert haben. Allerdings hat sich das Umfeld für Firmen in Belgien stark verschlechtert; das Land lag im vergangenen Jahr noch vor Deutschland.

Die Weltbank verweist besonders gerne auf das gute Abschneiden der skandinavischen Länder in dem internationalen Vergleich: Die Untersuchung diene nicht als Argumentation für weniger Regulierung, sondern für effiziente Regulierung. Die Regulierungsdichte in Skandinavien ist im internationalen Vergleich sehr hoch und der Wohlfahrtsstaat gut ausgebaut. Weltweit ist das Klima für Unternehmen am angenehmsten in den reichen Industriestaaten, die sich in der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD zusammengeschlossen haben.

Besonders schwierig ist es dagegen, Geschäfte im südlichen Afrika und in Süd-Asien zu machen. Allerdings waren gerade weniger wohlhabende Volkswirtschaften im vergangenen Jahr sehr bemüht, unternehmensfreundlicher zu werden.

Besonders hervorgetan haben sich dabei Transformationsstaaten des ehemaligen Ostblocks: Die größten Fortschritte im globalen Vergleich hat im vergangenen Jahr das nordafrikanische Marokko erzielt. Dahinter folgen das osteuropäische Moldawien und die ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien.

Ex-Ostblockstaaten sind aktivste Reformer

Auch Lettland und Armenien gehören zu den aktivsten Reformern des vergangenen Jahres. Zu dieser Gruppe gehören auch drei Volkswirtschaften im südlichen Afrika: die Kapverdischen Inseln, die sich bereits in den vergangenen Jahren einen Ruf als reformeifriger Staat erworben haben, außerdem Sierra Leone und Burundi. Allerdings starten viele dieser Staaten von einem niedrigen Niveau. Burundi beispielsweise liegt auf Platz 169 der Weltbank-Rangliste.

Ohnehin sollte die Studie eher als Beschreibung einer Tendenz interpretiert werden; nur auf die Position in der Rangliste zu schauen, kann ein falsches Bild der Situation vor Ort vermitteln. Griechenland beispielsweise liegt in der Rangliste noch hinter dem Jemen, dass politisch im Chaos zu versinken droht.

Die Weltbank analysiert auch, wie sich das Geschäftsklima verändert: In den vergangenen sechs Jahren ist es in 163 Ländern einfacher geworden, Geschäfte zu machen. Zu den 30 Volkswirtschaften, die in dieser Zeit die größten Reformen vorangebracht haben, gehören mit China, Indien und Russland sehr große Volkswirtschaften. Verbesserungen dort, können positiv auf die gesamte Weltwirtschaft ausstrahlen.