Libyen

Gaddafis Ende befeuert Wetten auf Ölsorten

Auf die Konflikte in Nordafrika reagierten die Märkte mit hohen Energiepreisen. Angesichts der lage in Libyen hoffen Anleger auf Entspannung bei den Öl-Papieren.

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Der Bürgerkrieg in Libyen scheint entschieden. Alles deutet darauf hin, dass die Tage des Gaddafi-Regimes gezählt sind. Mit dem nahenden Ende des Krieges im größten afrikanischen Öl-Land, steigt auch die Hoffnung auf eine Entspannung bei den Energiepreisen.

Sie waren in Reaktion auf die Konflikte in Nordafrika und Nahost spürbar angezogen und hatten dabei zu einem ungewöhnlichen Auseinanderdriften der Rohöl-Notierungen in Europa und den USA geführt.

Seit Jahresbeginn weitet sich die Preisdifferenz zwischen den sonst meist parallel verlaufenden Preiskurven des europäischen Nordseeöls Brent und des amerikanischen Leichtöls WTI auf bis zu 26 Dollar aus, wobei nach Einschätzung von Analysten der Lieferausfall des hochwertigen libyschen Öls maßgeblichen Anteil an der Verteuerung der Preise in Europa hatte.

Die nun in absehbarer Zeit zu erwartende Wiederaufnahme der Ölförderung in Libyen könnte somit zumindest beim europäischen Brent-Öl zu nachgebenden Notierungen, vor allem aber zu einer Normalisierung der Preiskonstellation zwischen Brent und WTI führen.

Die Rohstoff-Analysten der Commerzbank rechnen damit, dass Brent-Öl schon bald wieder bis auf 100 Dollar fallen könnte, während die Preisprognose für WTI-Öl unverändert bei rund 85 Dollar liegt.

Anleger können auf zwei unterschiedlichen Wegen auf ein Eintreten dieses Szenarios setzen. Neben einfachen Spekulationen auf fallende Brent-Preise über klassische Put- oder Short-Papiere, kann mit speziellen „Spread-Scheinen“ auch gezielt auf eine Einengung des Abstands zwischen WTI und Brent gesetzt werden. Vorteil: Ob die Ölpreise dabei insgesamt steigen oder fallen ist unerheblich, da bei diesen Papieren nur die Preisdifferenz der beiden Ölsorten zählt.

Die hierfür maßgeblichen Preise sind allerdings nicht die üblicherweise betrachteten Spot-Kurse für die sofortige Lieferung, sondern die im März fälligen Terminkontrakten an der US-Börse Nymex (WTI) und der europäischen Terminbörse ICE (Brent). Sie liegen bereits etwas enger zusammen, weisen aber nach wie vor eine Differenz von 21,80 Dollar zugunsten von Brent auf.

Der Ausgangspunkt bei den von Goldman Sachs angebotenen Hebel-Papieren auf den Öl-Spread ist ein Abstand von 15,80 Dollar, sodass die Papiere derzeit deutlich unter dem Gegenwert von 100 Dollar notieren. Ein fünffach gehebeltes Papier notiert derzeit bei etwa 50 Euro, was einem Gegenwert von rund 70 Dollar entspricht (WKN: GS5VXW).

Der Abschlag gegenüber dem Nominalwert folgt damit ziemlich exakt der fünffachen Differenz zwischen der aktuellen Preisdifferenz (21,80) und dem Startwert (15,80). Bei einem nur zweifach gehebelten Papier liegt der Kurs derzeit bei etwa 60 Euro (WKN: GS5VXX). Für beide gilt: Die Laufzeit endet gut einen Monat vor Fälligkeit der März-Kontrakte im Februar. Außerdem gilt in beiden Fällen ein Knock-Out-Risiko sobald der Preisabstand von Brent zu irgendeinem Zeitpunkt auf 30 Dollar steigt