Energieversorgung

Benzinpreis steigt wegen Libyen auf 1,53 Euro

Der Öl-Produktionsstopp in Libyen verteuert nicht nur das Rohöl. Auch der Spritpreis kennt derzeit nur eine Richtung: Nach oben.

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Die Kämpfe in Libyen führen zu immer höheren Preisen für Benzin, Diesel und Heizöl in Deutschland. In der Bundesrepublik kostete Superbenzin in vielen Regionen bereits 1,53 Euro, Diesel kam auf 1,43 Euro pro Liter, jeweils drei Cent mehr als am Vortag. Die EU ist in Sorge, weil sich die Inflation nun beschleunigen könnte.

Der letzte verfügbare Durchschnittspreis der Mineralölindustrie vom Mittwochabend lag bei 1,51 Euro für Super und 1,41 für Diesel. Auch der Heizölpreis stieg mitten in der Februar-Kältewelle weiter, nachdem Ende voriger Woche schon teure 81 Cent pro Liter erreicht worden waren. Die Ölproduktion in Libyen wurde nach der Flucht zahlreicher Ölarbeiter weitgehend gestoppt.

Ein Barrel (159 Liter) der für Europa wichtigsten Öl-Sorte Brent notierte in London zeitweise bei fast 117 Dollar, ehe der Preis wieder auf 114 Dollar nachgab. Das ist immer noch der höchste Stand seit September 2008. An der New Yorker Rohstoffbörse stieg der Preis für ein Barrel Rohöl der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) um 3,55 Dollar auf 101,65 Dollar. Innerhalb einer Woche wurde Öl um 20 Prozent teurer.

Viele internationale Ölkonzerne haben ihr Personal aus Libyen abgezogen und die Förderung eingestellt. Die Energiekonzerne Eni und Repsol hatten ihre Quellen geschlossen, die deutsche BASF-Tochter Wintershall kurz danach, auch die französische Total dreht den Hahn zu. Die italienische Eni ist mit 244.000 Barrel für ein Viertel der libyschen Ölexporte zuständig, Wintershall kommt auf 100.000 Barrel pro Tag, Total auf 55.000.

Libyen ist einer der größten Erdölproduzenten der Welt und hat mit 5,7 Milliarden Tonnen die größten Reserven in Afrika. Libysches Öl gilt als sehr hochwertig, viel davon wird nach Europa exportiert. Libyen ist der fünftwichtigste Lieferant von Rohöl für Deutschland. 2010 flossen 6,6 Millionen Tonnen von dort in die Bundesrepublik. Größter Lieferant war Russland mit über 35 Millionen Tonnen.

Händler begründeten den drastischen Anstieg auch mit der Sorge, die Proteste könnten auf weitere wichtige Öl-Lieferanten im Nahen Osten übergreifen. Allerdings bestehe selbst bei einem Totalausfall Libyens nicht die Gefahr von Lieferengpässen. Der größte Produzent der Region, Saudi-Arabien, hat nach eigenen Angaben noch große freie Förderreserven und könnte jederzeit mehr Öl pumpen.

Die Explosion des Ölpreises beunruhigt die EU-Kommission. Die Krise könne so die ohnehin steigende Inflation weiter anheizen, die vor allem auf höhere Energiepreise zurückgehe. Die Ölpreisentwicklung „kann einen negativen Effekt haben„, sagte ein Sprecher von EU-Finanzkommissar Olli Rehn am Donnerstag in Brüssel. „Wir sind besorgt.„

Zu etwaigen Auswirkung auf die Wirtschaftsentwicklung in Europa äußerte sich der Sprecher nicht. Er verwies darauf, dass die EU am Dienstag ihre Frühjahrs-Konjunkturprognose vorlegen werde.