Börsen-Bericht

Unruhen in Libyen machen die Anleger nervös

Am deutschen Aktienmarkt haben die Proteste in Libyen für Verluste gesorgt. Die Anleger befürchten Probleme bei der Ölversorgung.

Die sich zuspitzende Lage in Libyen hat die Aktien europäischer Ölkonzerne und des Chemieriesen BASF belastet. Zugleich zog der Ölpreis steil an – diese Gemengelage drückte die Aktienmärkte: Der Euro-Stoxx50 sank um 1,9 Prozent auf 3010 Zähler, der Dax schloss 1,4 Prozent schwächer bei 7321 Punkten. Die Papiere der im deutschen Leitindex schwer gewichteten BASF beendeten den Handel 2,7 Prozent im Minus. Händler verwiesen auf das Engagement der Konzerntochter Wintershall in Libyen, die ihre dortige Produktion der acht Ölfelder wegen der Proteste drosseln muss.

Wintershall produziert in Libyen pro Tag bis zu 100.000 Barrel Öl, BASF benötigt den Rohstoff zur Herstellung vieler Chemikalien. Auch die Aktien der Deutschen Bank, die mit einem Abschlag von 3,2 Prozent als größter Dax-Verlierer schlossen, litten laut Händlern unter der Furcht vor weiterer Instabilität in der arabischen Welt. Die Titel der italienischen Großbank Unicredit büßten 5,8 Prozent ein. Der libysche Staat hält 7,5 Prozent an dem Finanzinstitut. Der europäische Stoxx-Bankenindex verlor 2,7 Prozent.

Die Massenproteste gegen den libyschen Machthaber Muammar Gaddafi haben sich inzwischen auf die Hauptstadt Tripolis ausgeweitet. Auch aus Ras Lanuf, wo eine wichtige Ölraffinerie steht, wurden Unruhen gemeldet. Angesichts dieser Entwicklungen stieg der Preis für ein Barrel der Nordsee-Ölsorte Brent auf ein Zweieinhalb-Jahres-Hoch von 104,93 Dollar. Die Anteilsscheine der in Libyen tätigen Ölfirmen Eni und OMV büßten fünf beziehungsweise vier Prozent ein. Neben Wintershall haben auch Konzerne wie BP inzwischen ihre Aktivitäten in dem nordafrikanischen Land zurückgefahren.

Die Aktien des britischen Ölkonzerns schlossen 0,3 Prozent im Minus, nachdem BP Investitionen von 7,2 Milliarden Dollar in das indische Konglomerat Reliance Industries bekanntgegeben hatte. Am Morgen hatten neue Rekordhochs beim Ifo-Geschäftsklimaindex und dem Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe noch für Schwung gesorgt und den Dax immerhin um 0,2 Prozent auf 7441 Punkte gehievt, den höchsten Stand seit drei Jahren. Händlern zufolge fehlten aber auch die Investoren aus den USA, um dem deutschen Leitindex im Laufe des Handelstages wieder auf die Beine zu helfen. In den USA blieben die Börsen wegen eines Feiertages geschlossen.

„Die große Frage für den Aktienmarkt ist, wie geht es mit der Konjunktur weiter“, sagte Aktienstratege Jörg Rahn vom Vermögensverwalter Marcard, Stein & Co. Und da sei ein weiter steigender Ölpreis tendenziell negativ. Im Moment kämen aber sowohl von den Makrodaten als auch von den Unternehmensbilanzen weiter optimistische Signale. „Man kann davon ausgehen, dass bei den Bilanzen in diesem Quartal noch sehr viel Dynamik drin ist, nicht zuletzt stützen auch die Zahlen von Merck diese Einschätzung.“Der Darmstädter Konzern überzeugte die Anleger vor allem mit seinem Ausblick auf die kommenden Monate. Die Investoren trieben die Aktien um 4,5 Prozent an die Spitze der kurzen Dax-Gewinnerliste.

Ebenfalls gefragt blieben die Titel von MAN mit einem Plus von bis zu 4,2 Prozent. Der Lkw-Hersteller hat die Veröffentlichung seiner Jahresbilanz und auch seine Hauptversammlung nach hinten verschoben. „Das heizt nun Fusionsspekulationen an“, sagte ein Händler. Großaktionär VW will, dass MAN mit dem schwedischen Konkurrenten Scania zusammengeht. Zuvor muss allerdings der endgültige Ausstieg bei der einstigen Tochter Ferrostaal gelingen. Noch hält MAN 30 Prozent an dem Industriedienstleister. „Die Leute hoffen, dass die Verschiebung der Bilanzvorlage auch mit den entsprechenden Verhandlungen zu tun haben könnte“, sagte der Händler. Der Gewinn der MAN-Aktie schrumpfte im Handelsverlauf aber auf 0,6 Prozent zusammen.