Börsen-Bericht

Libyen-Krise hält Anleger in Atem – Dax im Minus

Die Proteste im Ölexportland Libyen halten die Anleger am deutschen Aktienmarkt weiter in Atem. Der Dax verlor bis zum Mittag 0,4 Prozent auf 7287 Punkte.

„Die bangen Blicke auf die Entwicklung in Libyen und die restliche arabische Welt werden uns noch eine zeitlang verfolgen“, sagte ein Händler. „Unsicherheit ist das Gift jeder Hausse.“

Die Anleger fürchten, dass die Unruhen die Lieferungen der Ölförderstaaten beeinträchtigen und damit für weiter steigende Ölpreise sorgen könnten. „Dies wäre ein schwerer Schlag für die sich gerade erst erholende Weltwirtschaft,“ sagte ein Börsianer. Die Revolte gegen den libyschen Machthaber Muammar Gaddafi trieb den Preis für das US-Öl WTI mit 96,25 Dollar je Fass am Mittwoch auf den höchsten Stand seit Oktober 2008. Das Nordsee-Öl Brent hielt sich mit bis zu 107,50 Dollar in Reichweite seines am Montag erzielten Zweieinhalb-Jahres-Hochs von 108,70 Dollar.

Auch die nach Einschätzung von Händlern weitgehend positiven Geschäftszahlen zahlreicher Unternehmen aus der ersten und zweiten Reihe konnten die Gesamtstimmung am deutschen Aktienmarkt nicht heben. Gebremst wurde der Dax vor allem von den Autowerten. Volkswagen, BMW und Daimler verloren jeweils zwischen 2,3 und 1,2 Prozent. „Gerade in solch unsicheren Zeiten, lassen Anleger von konjunktursensiblen Werten lieber die Finger“, sagte ein Börsianer.

Zu den größten Gewinnern zählten nach einem anfänglichen Durchhänger die Aktien des Dialyse-Konzerns FMC. Die Titel stiegen um bis zu drei Prozent auf ein Rekordhoch von 48,89 Euro, nachdem sie zunächst um 1,2 Prozent abgesackt waren. „Die Ergebnisse des vierten Quartals untermauern das solide Geschäftsmodell von FMC“, lobte LBBW-Analyst Karl-Heinz Scheunemann. Auf Platz zwei der Dax-Bestenliste rangierte die Muttergesellschaft Fresenius SE mit einem Plus von 0,5 Prozent auf 63,33 Euro. Das erneute Rekordergebnis und der positive Ausblick sollten das Vertrauen in das Geschäftsmodell und die guten Wachstumsaussichten des Gesundheitskonzerns weiter stärken, schrieb DZ-Bank Analystin Christa Bähr.

Anfänglich ebenfalls Gewinne verbuchen konnte die Commerzbank: Anleger quittierten die Vorlage der Geschäftszahlen in der Spitze mit einem Plus von 3,6 Prozent - bis zum Mittag notierten die Aktien allerdings 0,8 Prozent im Minus. Die Commerzbank habe zwar die Erwartungen übertroffen, schrieb DZ-Bank-Analyst Matthias Dürr in einem Kommentar. Die Qualität des Gesamtjahres-Ergebnisses sei aber gering, da die positive Überraschung vor allem auf den hohen Einnahmen im Investment-Geschäft basiere.

Nicht geschmeckt haben den Anlegern die Bilanzzahlen des Münchener Triebwerksbauers MTU. Börsianer äußerten sich enttäuscht über den Gesamtjahresgewinn von 142,2 Millionen Euro, der hinter den Markterwartungen zurückgeblieben war. Die Aktien rutschten im MDax zeitweise um mehr als neun Prozent auf 45,70 Euro ab und waren damit so billig wie seit knapp drei Monaten nicht mehr.

Nachlassende Fusionsfantasien machte laut Händlern dagegen Demag Cranes zu schaffen. Sie verloren 5,5 Prozent auf 34,43 Euro. Der Großaktionär Centaurus Capital hatte das Management des Düsseldorfer Kranherstellers jüngst gedrängt, sofort eine Fusion mit dem finnischen Konkurrenten Konecranes oder einem anderen Partner zu prüfen. Demag lehnte dies, wie bereits im Oktober, ab.