Börsen-Bericht

Gewaltwelle in Libyen macht die Anleger nervös

Die anhaltenden Unruhen in Libyen haben den deutschen Aktienmarkt belastet. Der Leitindex Dax startete im Minus in den Handelstag.

Die anhaltende Gewaltwelle im Ölexportland Libyen hat den Dax im Minus starten lassen. Der deutsche Leitindex verlor in den ersten Minuten 0,3 Prozent auf 7296 Zähler. Der MDax der mittelgroßen Werte gab um 0,71 Prozent auf 10230 Punkte nach, der TecDax büßte 0,62 Prozent auf 893 Punkte ein. „Die bangen Blicke auf die Entwicklung in Libyen und die restliche arabische Welt werden uns noch eine zeitlang verfolgen“, sagte ein Händler. „Unsicherheit ist das Gift jeder Hausse.“ Anleger fürchten, dass die Unruhen die Lieferungen der Ölförderstaaten beeinträchtigen und damit für weiter steigende Ölpreise sorgen könnten.

„Dies wäre ein schwerer Schlag für die sich gerade erst erholende Weltwirtschaft,“ sagte ein Börsianer. Größter Verlierer im Dax waren die Aktien von K+S und Infineon, die jeweils mehr als ein Prozent nachgaben. Auf der Gewinnerseite fand sich nach der Vorlage der Geschäftszahlen die Commerzbank wieder. Die Papiere legten 1,2 Prozent zu. Im MDax gingen MTU auf Talfahrt und rutschen um 6,7 Prozent ab. Börsianer äußerten sich enttäuscht über den Gesamtjahresgewinn des Triebwerksbauers, der hinter den Markterwartungen zurückgeblieben war.

Die Unruhen in Libyen haben auch die asiatischen Aktienmärkte belastet. Unter dem Druck steigender Ölpreise scheuten die Anleger das Risiko, so dass die Börsen in Fernost der New Yorker Wall Street ins Minus folgten. Investoren sahen die Erholung der Weltkonjunktur in Gefahr, sollte der Ölpreis wegen der Proteste in Libyen weiter anziehen. Das nordafrikanische Land fördert fast zwei Prozent des weltweiten Rohölbedarfs. Neben Libyen verdarb auch der höhere Yen den Anlegern die Laune. „Doppeltes Pech für den Markt“, resümierte Hiroichi Nishi von Nikko Cordial Securities.

In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 0,8 Prozent im Minus bei 10.579 Zählern. Der breiter gefasste Topix-Index verlor gut ein Prozent auf 946 Punkte. Auch die Börsen in Singapur, Taiwan, Korea, Shanghai und Hongkong mussten Federn lassen. Die Revolte gegen den libyschen Machthaber Muammar Gaddafi ließ den Ölpreis zwischenzeitlich bereits auf den höchsten Wert seit zweieinhalb Jahren steigen. Der Preis für ein Barrel der Sorte Brent übertraf die Marke von 108 Dollar, gab nach beruhigenden Signalen der Opec aber wieder nach auf rund 106 Dollar. Das Erdölkartell will notfalls eingreifen, sollte es zu Versorgungsengpässen kommen.