Börsen-Bericht

Dax trotzt der Libyen-Krise, andere Börsen verlieren

Die eskalierende Gewalt im Ölstaat Libyen hat die Aktienmärkte belastet. Nur der Dax trotzt der Krise – dank der Gewinne von Autohersteller-Aktien.

Investoren griffen daraufhin bei Gold und Bundesanleihen zu, die als sichere Anlagehäfen gelten. „Man macht sich Sorgen über die Öllieferungen aus Libyen und dass der Funke der Unruhen auf die arabische Halbinsel übergreift, wo es ohnehin bereits gärt“, sagte ein Börsianer. „Beim größten Ölproduzenten Saudi-Arabien ist es zwar noch ruhig, aber falls sich dies ändern würde, wäre dies fatal für den Ölpreis. Solche eine Entwicklung würde nicht nur zu Inflation führen, sondern ein globales Wachstumsrisiko darstellen.“

Der EuroStoxx50 für die Euro-Zone gab 0,9 Prozent auf 2983 Zähler nach. Auch die US-Börsen lagen im frühen Geschäft im Minus. Der Dax schloss dagegen - wegen fester Autowerte – nahezu unverändert bei 7318 Punkten.

Der libysche Machthaber Muammar Gaddafi zerstörte am frühen Abend Hoffnungen, er werde sein Land verlassen. Zudem drohte er seinen Gegnern damit Gewalt anzuwenden. Bei dem Aufstand in den nordafrikanischen Land sind offenbar mehrere hundert Menschen ums Leben gekommen, die Regierung verlor zunehmend die Kontrolle. Die Spekulation auf mögliche Engpässe bei der Ölversorgung trieb den Preis für den Schmierstoff der Weltwirtschaft auf ein Zweieinhalbjahres-Hoch. Das Fass US-Öl der Sorte WTI kostete bis zu 94,49 Dollar, Nordseeöl der Sorte Brent bis zu 108,57 Dollar. Wie die Internationale Energieagentur (IEA) warnte, könne sich die Wirtschaftskrise des Jahres 2008 wiederholen, sollte der Ölpreis das ganze Jahr über der Marke von 100 Dollar bleiben.

Die Verunsicherung vieler Investoren schlug sich in einem Anstieg des Goldpreises nieder. Die Feinunze des Edelmetalls verteuerte sich auf bis zu 1410,65 Dollar. Der für den europäischen Rentenmarkt richtungweisende Bund-Future legte bis zu 61 Ticks auf 124,36 Zähler zu.

Am Aktienmarkt wirkte sich der Preissprung beim Öl vor allem bei Papieren von Fluggesellschaften aus. „Die Verteuerung des Rohöls spüren die Airlines natürlich als erstes. Deren Kosten steigen über den Ölpreis deutlich“, sagte ein Händler. Die Aktien von Air France-KLM und der aus dem Zusammenschluss von British Airways und Iberia hervorgegangenen International Consolidated Airlines Group verloren drei beziehungsweise 0,5 Prozent. Lufthansa-Papier erholten sich im Verlauf größtenteils von einem bis zu vierprozentigen Kursverlust und schlossen 0,5 Prozent tiefer.

Auch die Aktien von Ölkonzernen standen lange unter Druck. Grundlegende politische Veränderungen gefährden nach Einschätzung von Börsianern bestehende Lizenz- und Versorgungsvereinbarungen. Allerdings könnten die Unternehmen auch vom teuren Öl profitieren. Die Aktien der beiden Schwergewichte BP und Shell drehten im Verlauf ins Plus und schlossen 0,2 beziehungsweise 0,9 Prozent höher. Dagegen fielen die Aktien der österreichischen OMV um zwei Prozent, die Papiere der stark in Libyen tätigen italienischen Eni sanken um 0,9 Prozent. In Frankfurt verloren die Aktien des Dax-Schwergewichtes BASF 0,7 Prozent. Die Tochter Wintershall fördert in dem nordafrikanischen Land Öl.

Trotz des teueren Öls standen deutsche Autowerte bei Anlegern hoch im Kurs. An der Dax-Spitze lagen VW mit einem Plus von knapp drei Prozent. Die Titel profitierten laut Händlern von einem Bericht der Fachzeitschrift „Automotive News Europe“, die Wolfsburger könnten ihren Rivalen Toyota früher als geplant von der Weltspitze drängen. Im Sog von VW verteuerten sich Daimler um 1,6 Prozent, BMW um 0,2 Prozent. MAN-Aktien wurden von anhaltenden Spekulationen auf eine Übernahme durch Scania auf Touren gebracht. Sie gewannen 2,5 Prozent. Commerzbank-Aktien kletterten am Tag vor der mit Spannung erwarteten Bilanzvorlage um 2,2 Prozent. „Die Titel haben im Vergleich zu anderen Finanzwerten noch Nachholbedarf“, sagte ein Händler.

In New York straften Anleger den anhaltenden Absatzrückgang bei Wal-Mart ab. Die Aktien des weltgrößten Einzelhändlers fielen um 3,4 Prozent.