Schock in Bayern: In einem Supermarkt in Reisbach (Landkreis Dingolfing-Landau) sind am Montag die Kühlanlagen in Folge eines Hackerangriffs ausgefallen – oder vielmehr von „kühlen“ auf „heizen“ umgestellt worden. Der Betreiber des Ladens äußerte sich nun auf der Facebook-Seite des Geschäfts – und prangerte die damit verbundene Lebensmittelverschwendung an.

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Laut dem Posting mussten „Unmengen an Lebensmitteln in die Tonne“, hieß es. Die Kühlanlagen hätten über Nacht auf 50 Grad hochgeheizt. „Wir setzen uns tagtäglich dafür ein, Lebensmittelverschwendung zu vermeiden. Wir planen, reduzieren Preise, retten Lebensmittel und versuchen, jedes einzelne Produkt sinnvoll zu verwerten. Und dann kommen Menschen auf die Idee, mutwillig solche Mengen an Lebensmitteln zu vernichten?“, klagte der Betreiber der Edeka-Filiale. Mehr zum Thema: Neue Cyberangriffe auf Kühlschränke: Auch Markt in Deutschland betroffen
Kühlanlagen in bayerischem Edeka: Geräte nach Sicherheitsbedenken vom Netz genommen
Besonders ärgerlich dabei: Eigentlich sei die smarte Vernetzung der Kühlanlagen dafür da, eine Verschwendung von Lebensmitteln zu vermeiden. In der Vergangenheit seien dadurch Defekte frühzeitig erkannt und gemeldet worden. Nun habe man die betroffenen Geräte vom Internet entkoppelt, bis alle Sicherheitsfragen vollständig geklärt seien.
Immerhin: Im konkreten Fall konnte ein Verfall aller gekühlten Lebensmittel vermieden werden. „Foodsharing hat kurzfristig alles abgeholt, was noch irgendwie zu retten war“, so der Supermarkt aus Reisbach, schränkte dann aber ein: „Ein Großteil der Ware musste leider entsorgt werden.“
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Auch in einem Supermarkt in Volmarstein (Nordrhein-Westfalen) funktionierte die Kühlung am Montagmorgen nicht richtig – im Kühlhaus zeigte die Anzeige plus zehn Grad, wie diese Redaktion berichtete. Mitarbeiter räumten daraufhin Käse, Milch, Joghurt, Fleisch und Backwaren-Rohlinge aus den Regalen und entsorgten sie. Demnach waren Regalflächen von mehr als zehn Metern Länge von den Angriffen betroffen. Medienberichten zufolge sollen weitere Supermärkte in Wuppertal und im Münsterland betroffen sein. Von der Polizei gab es dazu zunächst keine Informationen.
Zuvor waren in mehreren Ländern in Europa Cyberangriffe auf Gefrier- und Kühlanlagen in Supermärkten gemeldet worden. Neben Schweden, Belgien, Estland, Finnland und Luxemburg gaben am Montag auch Italien, Irland, die Niederlande und Portugal Attacken bekannt, welche die Kühlfunktionen ausschalteten und die Temperaturen in der Folge ansteigen ließen. Vor drei Wochen hatte es bereits einen massiven Cyberangriff auf Kühlanlagen von Supermärkten in Frankreich gegeben. Die EU-Kommission zeigte sich besorgt. Lesen Sie auch: Supermärkte im Visier: Wir müssen auch unser Hack vor Hackern schützen
Hinweise auf die Täter und deren Motive wurden zunächst nicht bekannt. Viele Märkte mussten große Mengen Lebensmittel entsorgen. Eine Filiale der schwedischen Supermarktkette Ica in Sjöbo schrieb im Onlinedienst Facebook, ihre Kühl- und Gefrierschränke seien gehackt und die Temperatur auf 50 Grad Celsius gestellt worden.
Supermarktketten in Europa betroffen: EU-Agrarkommissar zutiefst besorgt
In Belgien waren Gefrier- und Kühlanlagen der Supermarktketten Delhaize, Carrefour, Colruyt, Intermarche und Spar betroffen. Wie die belgische Nachrichtenagentur Belga berichtete, handelte es sich um dasselbe Vorgehen wie bei dem Cyberangriff auf Hunderte Supermärkte in Frankreich vor drei Wochen.
Am 12. Oktober waren dort in Hunderten Filialen der Supermarktketten Intermarché und Coopérative U die Kühlanlagen lahmgelegt worden. Sämtliche gekühlten und gefrorenen Waren mussten vernichtet werden. Zu den Attacken bekannte sich niemand.
EU-Agrarkommissar Christophe Hansen sprach mit Blick auf die Vorfälle von einem „bewussten Versuch, unsere Lebensmittelkette zu unterbrechen und das Vertrauen der Verbraucher in sie zu untergraben“. Das wiederholte Auftreten dieser Cyberangriffe sei „zutiefst besorgniserregend“. Die Angriffe würden „sehr ernst“ genommen, erklärte Hansen weiter. Gleichwohl sei die Lebensmittelsicherheit in Europa derzeit nicht gefährdet.
mit afp






