Diese Frühschicht dürfte den Angestellten zahlreicher französischer Supermärkte in Erinnerung bleiben. Ein Cyberangriff hat die Kühlanlagen in hunderten Geschäften im Land lahmgelegt. Zum Teil heizten die Geräte auf 50 Grad hoch. Große Teile der gekühlten und gefrorenen Waren mussten anschließend entsorgt werden.

Donnerstag

Wirtschaft in Berlin

Abonnieren Sie kostenlos den Wirtschafts-Newsletter der Berliner Morgenpost

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Bis zu 200 Filialen der Supermarktkette Intermarché und knapp 100 Geschäfte der Coopérative U sind betroffen, wie beide Unternehmen der Nachrichtenagentur AFP bestätigten. Hacker hätten „aus der Ferne das Abtauen der Kühlanlagen ausgelöst“, erklärte ein Sprecher von Intermarché.

Cyberangriff auf Supermärkte in Frankreich: Hacker legen Kühlsysteme lahm

Die Staatsanwaltschaft sprach von einem „groß angelegten Cyberangriff auf die vernetzten Kühlsysteme mehrerer großer Lebensmittelmärkte im ganzen Land“. Den Ermittlern zufolge brachen in einigen betroffenen Supermärkten als Folge der Attacke Feuer aus. Eine auf Cyberkriminalität spezialisierte Einheit übernahm die Ermittlungen. Die Untersuchung soll es ermöglichen, „die Opfer zu erfassen und einen Zusammenhang mit den von ihnen gemeldeten Schäden“ herzustellen, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Auch interessant

Laut Medienberichten sind auch Supermärkte der Unternehmen E.Lerclerc, Monoprix und Carrefour betroffen. Die Hacker hätten Kühlanlagen des dänischen Herstellers Danfoss angegriffen, berichtete der Sender BFM. Danfoss teilte mit, dass man über die Vorfälle in Frankreich informiert sei, von der „eine begrenzte Anzahl Kühlsysteme“ betroffen seien. Bei „der überwiegenden Mehrheit“ handele es sich um ältere Produkte. Man nehme die Situation ernst.

Millionenschäden drohen – Versicherungen zahlen nicht

Intermarché verwies darauf, dass derartige Vorfälle nicht durch Versicherungen abgedeckt seien. Das Ausmaß der Schäden könnte laut Medienberichten mehrere Millionen Euro betragen.

Viele Produkte müssten nun entsorgt werden, teilte ein Sprecher der Handelsgruppe Les Mousquetaires, zu der die Supermärkte Intermarché und Netto gehören, mit. Derartige Vorfälle seien nicht durch Versicherungen abgedeckt. Die Höhe des Schadens sei noch nicht absehbar. Laut dem Chef von Coopérative U arbeiteten die Teams des Unternehmens mit Kältetechnikern daran, die Situation so schnell wie möglich wiederherzustellen.

Danfoss-Kühlsysteme: Veraltete Technik erhält keine Updates mehr

Nach Angaben von „Bloomberg“ handelt es sich bei den meisten betroffenen Geräten um ältere Technik, darunter die Kühlsysteme AK-SM 800 und AK-SC 355. Für diese Modelle gebe es keine Software- oder Sicherheitsupdates mehr, sagte ein Sprecher des dänischen Kältetechnik-Unternehmens Danfoss. Er erklärte: „Danfoss rät seinen Kunden schon seit Langem, unterstützte Systeme mit der neuesten Firmware auf dem aktuellen Stand zu halten und ältere Systeme auf Lösungen der aktuellen Generation umzustellen.“

Auch interessant

Hintergrund ist ein Bericht der Cybersicherheitsfirma Claroty von Anfang August. Darin hatten die Experten mehrere Schwachstellen in Danfoss-Steuerungsgeräten aufgedeckt, die Kühlanlagen in Supermärkten und anderen Kühllagern regeln. Unter anderem fanden sie einen versteckten Authentifizierungsmechanismus, über den sich der Betrieb der Kühlsysteme manipulieren ließe. Danfoss reagierte darauf mit einem Update für seine Systeme.

afp/dpa/jcst