Menschen, die Bahn-Mitarbeiter angreifen, müssen künftig mit härteren Strafen rechnen. Das sieht ein neuer Gesetzentwurf vor, wie diese Redaktion aus Kreisen des Justizministeriums erfuhr. Demnach sollen Zugbegleiter, aber auch Polizisten, Ärzte und Gerichtsvollzieher, unter besonderen Schutz gestellt werden. Wer sie angreift, muss künftig mit einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten rechnen, in besonders schweren Fällen sogar mit mindestens einem Jahr. Bisher wurden Angreifer mit mindestens drei beziehungsweise sechs Monaten bestraft.

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„Wenn Fahrgäste ihre Aggressionen an Zugbegleiterinnen und Zugbegleitern, Lokführerinnen und Lokführern auslassen, dann müssen wir dieser Verrohung etwas entgegensetzen“, sagte Justizministerin Stefanie Hubig dieser Redaktion. Die SPD-Politikerin kommt damit einer Forderung, ja fast schon Drohung der Bahngewerkschaft EVG nach. Diese hatte Ende August angekündigt, deutschlandweit den Regionalverkehr ab Januar zu bestreiken, sollte die Bundesregierung das Strafmaß bei Angriffen auf Zugbegleiter nicht bald verschärfen.
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„Das versprochene Gesetz für härtere Strafen bei Angriffen auf Zugpersonal muss noch in diesem Jahr in den Bundestag, sonst legen wir im Januar den Betrieb lahm“, sagte der Gewerkschaftschef Martin Burkert damals. Nun reagiert Hubig: Die Justizministerin kündigte an, den entsprechenden Gesetzentwurf schon „in den nächsten Wochen ins Kabinett“ einbringen zu wollen. „Mit der Überarbeitung des Strafrechts stärken wir den Schutz der Beschäftigten im öffentlichen Personenverkehr“, sagte auch Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU). „Angriffe auf Bahnpersonal sind nicht hinnehmbar. Wer im Dienst unserer Gesellschaft arbeitet, darf nicht zum Ziel von Gewalt werden. Täter müssen zukünftig mit härteren Strafen rechnen.“
Deutsche Bahn: Im Schnitt acht Übergriffe gegen Mitarbeiter pro Tag
Tatsächlich: Die Anzahl der Übergriffe gegen Mitarbeiter der Deutschen Bahn ist alarmierend. Allein in den Nahverkehrszügen sind im ersten Halbjahr 989 Übergriffe auf Mitarbeitende erfasst worden. Darunter fallen 781 Fälle von leichter Körperverletzung – zum Beispiel wurden Zugbegleiter oder Servicepersonal geschubst und bespuckt, wie die Bahntochter DB Regio Mitte August mitteilte. 22 Mitarbeitende wurden demnach Opfer von schwerer Körperverletzung, beispielsweise durch Faustschläge. In 185 Fällen sei es zu versuchter Körperverletzung gekommen.
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Insgesamt wurden in den ersten sechs Monaten 1630 Beschäftigte der Bahn Opfer von Drohungen, Beleidigungen oder körperlichen Angriffen. Das sind im Durchschnitt acht Übergriffe am Tag. Laut polizeilicher Eingangsstatistik kam es demnach zwischen Januar und Ende Mai in 662 Fällen zu Körperverletzung sowie 175 Mal zu gefährlicher Körperverletzung und zu 661 Bedrohungen.
Hubig über Tod von Zugbegleiter: „Deshalb schärfen wir das Strafrecht nach“
In besonders trauriger Erinnerung ist der Fall des Schaffners Serkan Calar aus Ludwigshafen, einem alleinerziehenden Vater von zwei Söhnen. Ein Fahrgast geriet im Februar 2026 im Zuge einer Fahrkartenkontrolle dermaßen in Rage, dass er brutal auf den 36‑jährigen Zugbegleiter einschlug. Dieser erlag zwei Tage später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Der Täter wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu zehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.
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„Der tödliche Angriff auf den Zugbegleiter Serkan Çalar hat unser Land erschüttert“, sagte nun die Bundesjustizministerin. „Deshalb schärfen wir das Strafrecht nach.“ Man dürfe als Gesellschaft nicht hinnehmen, dass ausgerechnet diejenigen zur Zielscheibe werden, die das Land am Laufen halten. Neben Beschäftigten der Bahn nannte Hubig ausdrücklich noch Polizisten, Gerichtsvollzieher, Feuerwehrleute, Rettungskräfte, medizinisches Personal sowie Beschäftigte anderer Unternehmen des öffentlichen Personenverkehrs. „Starker Einsatz verdient starken Schutz – auch und gerade mit den Mitteln des Strafrechts.“
Übergriffe und Gewalt: So schützt die Bahn ihre Mitarbeiter
Die DB reagierte in der Vergangenheit bereits selbst auf die Gewalttaten gegen ihre Mitarbeiter mit zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen, zum Beispiel mehr Personal in Zügen und im Kundenservice. So sollen die Kontrollen im Zug künftig von sechs bis acht Mitarbeitenden durchgeführt werden, wie es weiter hieß. Diese sollen Schutzkleidung wie stichsichere Westen erhalten. Mobile Unterstützungsgruppen sollen mit Helmen ausgestattet werden.
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Bis Ende des Jahres werden außerdem alle Beschäftigten mit Kundenkontakt in den Zügen sowie an den Bahnhöfen auf freiwilliger Basis mit Bodycams ausgestattet sein. Das soll neben dem Regionalverkehr, bei dem Bahnmitarbeiter schon jetzt Bodycams tragen können, auch für den Fernverkehr gelten. Zudem soll der bereits jetzt vorhandene Hilferuf-Knopf weiterentwickelt werden. Mit diesem können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Gefahrensituationen unauffällig die Leitstelle informieren, sodass diese die Polizei oder Rettungskräfte am nächsten Bahnhof alarmieren kann.
Seit März liegt es außerdem im Ermessen des Zugpersonals, ob der Ausweis eines Passagiers im Rahmen der Ticketkontrolle kontrolliert wird. So sollen Situationen mit hohem Eskalationspotenzial vermieden werden. Zudem will die Bahn 200 zusätzliche Beschäftigte im Sicherheitsdienst einstellen, diese mit besserer Schutzausrüstung ausstatten und mehr Verhaltens- und Deeskalationskurse für Mitarbeitende anbieten. Zuletzt hatte die Bahn zudem angekündigt, dass ab Mitte Oktober das Trinken von Alkohol in allen 5400 Bahnhöfen deutschlandweit verboten wird.










