In Aussicht stehende Milliardenausgaben für Verteidigung und die Infrastruktur – den deutschen Aktienindex Dax trieb das zuletzt neun Handelstage am Stück ins Plus. Auch am Dienstag waren zunächst Kursgewinne erwartet worden. Doch dann wurde Friedrich Merz (CDU) im ersten Wahlgang im Bundestag überraschend nicht zum neuen Bundeskanzler gewählt. Ein Kursrutsch war die Folge.

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Der Dax zeigte sich kurzzeitig verschnupft, fing sich dann und notierte gegen Mittag nur noch mit gut einem Prozent im Minus. Ein Rückgang, der zu verschmerzen ist, kommentierte der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, gegenüber unserer Redaktion. Langfristig aber sei die Pleite für Merz im ersten Wahlgang kein gutes Zeichen.

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„Die Abstimmungspanne ruft in Erinnerung, dass sich eine künftige schwarz-rote Bundesregierung nur auf eine äußerst knappe Mehrheit stützen könnte. Das ist ein schwieriges Umfeld für wirtschaftspolitische Reformen“, sagte Krämer. Und weiter: „Wir erwarten weiter keinen echten Neustart in der Wirtschaftspolitik, der nach der langjährigen Erosion der Standortqualität notwendig wäre.“

Historische Pleite: Das Merz-Debakel in Bildern

Geschafft: Friedrich Merz (rechts) lässt sich nach der Wahl von künftigen Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) drücken.
Geschafft: Friedrich Merz (rechts) lässt sich nach der Wahl von künftigen Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) drücken.© AFP | Tobias Schwarz
Der Bundeskanzler nimmt Glückwünsche von SPD-Parteichefin Saskia Esken entgegen.
Der Bundeskanzler nimmt Glückwünsche von SPD-Parteichefin Saskia Esken entgegen.© AFP | ODD ANDERSEN
Auch die beiden AfD-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla kommen zum Gratulieren.
Auch die beiden AfD-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla kommen zum Gratulieren.© AFP | Tobias Schwarz
Ex-Kanzler Olaf Scholz (SPD) gratuliert seinem Nachfolger.
Ex-Kanzler Olaf Scholz (SPD) gratuliert seinem Nachfolger.© AFP | Ralf Hirschberger
Friedrich Merz fiel im ersten Durchgang durch, erreichte nicht de nötigen 316 Stimmen.
Friedrich Merz fiel im ersten Durchgang durch, erreichte nicht de nötigen 316 Stimmen.© AFP | Tobias Schwarz
Bundestag - Kanzlerwahl
CDU-Fraktionschef Jens Spahn hätte sich den heutigen Tag sicher auch anders vorgestellt.© Hannes P. Albert/dpa | Hannes P Albert
Charlotte Merz (Zweie von rechts) mit ihren Töchtern Carola Clüsener und Constanze Merz (ganz links)
Charlotte Merz (Zweie von rechts) mit ihren Töchtern Carola Clüsener und Constanze Merz (ganz links)© AFP | Ralf Hirschberger
Da war die Stimmung noch gut: Friedrich Merz (CDU) im Gespräch mit dem designierten Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD).
Da war die Stimmung noch gut: Friedrich Merz (CDU) im Gespräch mit dem designierten Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD).© AFP | Tobias Schwarz
Bundestag - Kanzlerwahl
Auch Merz‘ voraussichtliche Vorvorgängerin Angela Merkel (CDU) war im Plenarsaal anwesend.© Kay Nietfeld/dpa | Kay Nietfeld
Bundestag - Kanzlerwahl
Auch andere Prominenz wie etwa Astronaut Alexander Gerst waren im Bundestag auf den Tribünen dabei.© Kay Nietfeld/dpa | Kay Nietfeld
Bundestag - Kanzlerwahl
Hier ahnt Olaf Scholz (SPD) wohl noch nicht, das seine Kanzlerschaft unerwartet in die Verlängerung geht.© Sebastian Gollnow/dpa | Sebastian Gollnow
New German Government Is Sworn In
Der Schockmoment: Bundestagspräsidentin Julia Klöckner verliest das Ergebnis. Merz hat nur 310 Ja-Stimmen erhalten und damit seschs weniger als benötigt.© Getty Images | Maja Hitij
Bundestag - Kanzlerwahl
Bei Merz und den Unions-Spitzen ist das Entsetzen nach Merz‘ Scheitern im ersten Wahlgang groß.© Michael Kappeler/dpa | Michael Kappeler
Bei der AfD ist die Freude dagegen groß. Parteichefin Alice Weidel forderte schon kurz nach Merz‘ Niederlage Neuwahlen.
Bei der AfD ist die Freude dagegen groß. Parteichefin Alice Weidel forderte schon kurz nach Merz‘ Niederlage Neuwahlen.© AFP | Ralf Hirschberger
Bundestag - Kanzlerwahl
Nach der Schlappe zog sich Merz mit seinen Vertrauten wie etwa Unions-Fraktionschef Jens Spahn (CDU) in sein Büro zurück.© Michael Kappeler/dpa | Michael Kappeler
Bundestag - Kanzlerwahl
Nun gibt es Krisengespräche zwischen den Koalitionspartnern: Hier kehrt Lars Klingbeil von einem Gespräch in Merz‘ Büro zurück.© Kay Nietfeld/dpa | Kay Nietfeld
Bundestag - Kanzlerwahl
Der designierte Außenminister Johann Wadephul (CDU) hat bereits mit Noch-Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) gesprochen, die nun auch länger als erwartet im Amt bleibt.© Michael Kappeler/dpa | Michael Kappeler
Regierungswechsel - Ernennung des Bundeskanzlers
Nach seiner Wahl soll Merz in Schloss Bellevue von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zum Kanzler ernannt werden.© Bernd von Jutrczenka/dpa | Bernd von Jutrczenka
Frankfurter Börse
Börse: Kanzlerwahl bringt die Rallye an der Börse zum Ende. © Arne Dedert/dpa | Arne Dedert

Merz: Volkswirt sieht durch Abstimmungsverhalten abschreckende Wirkung

Allerdings: Vielen Börsianern sei das schon vor der Abstimmung im Bundestag klar gewesen, so der Banker weiter. „Insofern hat der Dax nicht stark gelitten. Der Ausgang des Zollstreits bleibt für die Börsen wichtiger“, erklärte Krämer, der damit auf den weiter drohenden Handelskrieg zwischen den USA und der Europäischen Union anspielt.

Reinhard Pfingsten, Chief Investment Officer der apoBank, sagte laut Mitteilung, er gehe von einer zeitnahen Wiederholung der Kanzlerwahl aus und damit auch von einer Kurserholung im Dax. „Allerdings bleibt der Wehrmutstropfen, dass internationales Kapital gerade Deutschland und Europa wiederentdeckt hat – solche Vorgänge schrecken Investoren natürlich ab“, so Pfingsten mit Blick auf die missglückte Abstimmung im Parlament.

Sollte Merz tatsächlich nicht – und auch in möglicherweise folgenden Wahlgängen nicht – zum Kanzler gewählt werden, drohen laut dem Leiter des Wertpapiergeschäfts der Deutschen Kreditbank (DKB), Robert-Martin Welle, auch langfristige Folgen. Er sagte dieser Redaktion: „Eine tatsächliche Nicht-Wahl würde bei deutschen Aktien, insbesondere bei Dax-Unternehmen, zu spüren sein.“ Man sollte aber nicht in Panik verfallen. „Wir raten Anlegerinnen und Anlegern Ruhe zu bewahren und sich vor allem mit Blick auf ETF-Sparpläne langfristig zu orientieren“, so Welle.