• Die EU plant weitere gezielte Maßnahmen gegen US-Zölle
  • Das könnte zu höheren Preisen auch in Deutschland führen
  • Diese Produkte könnten bald deutlich teurer werden

Jetzt bekommen Verbraucher in Deutschland den Zollkrieg direkt zu spüren: Beliebte US-Produkte wie Kosmetikartikel, Jeans, Motorräder dürften in der gesamten Europäischen Union bald teurer werden – aber auch die Preise für Kekse oder Marzipan könnten steigen. Denn für die Einfuhr auf zahlreiche Waren aus den USA sind in Kürze Vergeltungszölle von 10 bis 25 Prozent fällig. Vertreter der EU-Staaten haben das am Mittwoch in Brüssel als erste Gegenmaßnahme für die von Präsident Donald Trump durchgesetzten neuen US-Strafzölle beschlossen. Die EU-Zölle werden in zwei Stufen am 15. April und 16. Mai eingeführt, für einige Waren auch erst später.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Wichtig: Die Entscheidung steht auch nach der überraschenden Wende von Trump, der am Abend eine 90-Tage-Zollpause für eine Reihe von Ländern angekündigt hatte, die bisher noch keine Vergeltungsmaßnahmen beschlossen hatten. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte kurz nach Trumps Erklärung, die beschlossenen EU-Gegenzölle sollten – wie geplant - am 15. April in Kraft treten. „Diese Gegenmaßnahmen können jederzeit ausgesetzt werden, wenn die USA einem fairen und ausgewogenen Verhandlungsergebnis zustimmen“, erklärte von der Leyen.  Welche bekannten Produkte betroffen sind, warum die Beschlüsse einen Haken haben:  

Motorräder: Es trifft Harley-Davidson

Die Motorräder von Harley-Davidson sind ein Symbol des amerikanischen „Way of Life“, ab nächster Woche gilt für solche Maschinen – und ebenso für die von Indian – in der EU ein zusätzlicher Strafzoll von 25 Prozent. In Deutschland werden Harleys zu Preisen zwischen 15.000 und 50.000 Euro verkauft, sie werden sich also um ein paar tausend Euro verteuern.

European Union Hits Back On Trump Tariffs With Tariffs On Many U.S. Imports
Modelle des US-Herstellers Harley Davidson sind in einem Showroom in Berlin ausgestellt. © Getty Images | Carsten Koall

Hergestellt werden die Harleys in den USA in York (Pennsylvania) und Kansas City (Missouri), doch hat der Konzern Teile der Produktion längst ausgelagert, nach Thailand, Brasilien und Indien. Der Europäische Gerichtshof entschied aber 2024, dass jede Harley über 500 Kubikzentimeter Hubraum weiter als US-Harley gilt, egal wo sie gebaut wird. Voriges Jahr wurden hierzulande etwa 8.700 Harleys neu zugelassen.

Textilien: Werden Jeans-Kultmarken teurer?

Die Hosen von US-Kultmarken wie Levi's, Lee und Wrangler haben in Deutschland schon mehrere Generationen schätzen gelernt. Ab 15. April wird für US-Importe von Jeans ein Sonderzoll fällig. Allerdings: Die Jeans gelten zwar als uramerikanisch. Doch lassen die großen Jeans-Hersteller seit Längerem vorwiegend im Ausland nähen – etwa in Vietnam, Indien, Bangladesch oder China. Levi's etwa produziert nach eigenen Angaben in 28 Ländern und lässt aus 20 dieser Länder auch in die USA liefern. Auf dem deutschen Markt spielen Jeans „Made in America“ daher kaum eine Rolle. Das Statistische Bundesamt beziffert den Einfuhrwert für Jeans, die in den USA hergestellt wurden, auf zuletzt drei Millionen Euro im Jahr.

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Extrazoll auf Lippenstift und Eyeliner

Auf die Einfuhr von Lippenstift wird in der EU zehn Prozent Extra-Zoll fällig, auf Eyeliner sogar 25 Prozent. Das könnte auch beliebte US-Marken wie L’Oréal, Covergirl, Revlon, Maybelline New York, Estée Lauder und Elf treffen – allerdings geht es voraussichtlich eher um einzelne Produkte, denn Unternehmen wie L’Oréal stellen Teile ihres Sortiments regional her, auch in Europa.

Extrazoll auf Erdnußbutter

Paste oder Aufstrich aus gemahlenen, trocken gerösteten Erdnüssen wurde zuerst in den USA zu einem beliebten Genussmittel, die Staaten sind ein führender Exporteur des Frühstücksklassikers. Auf die Einfuhr in die EU wird nun ein Extrazoll erhoben. In Deutschland ist der Kreis der Liebhaber allerdings überschaubar – laut Statistischem Bundesamt liegt der durchschnittliche Erdnussbutter-Verbrauch der Bundesbürger bei 60 Gramm pro Jahr. Und der Großteil dieser Produkte stammt von Herstellern außerhalb der USA.

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Mandel-Zoll: Wird Süßes bald teurer?

Rund 92 Prozent der in die EU eingeführten Mandeln kommen aus Kalifornien, die europäische Landwirtschaft deckt lediglich rund ein Drittel des heimischen Bedarfs. Jetzt wird ein Sonderzoll auch für Nüsse und für Mandeln (ab 1. Dezember) eingeführt. Wegen der absehbaren Verteuerung schlägt der Verband der Deutschen Süßwarenindustrie Alarm: „Mandeln aus den USA können nicht ersetzt werden.“

Ein Mann entnimmt einige Mandeln und Nüsse aus einem Glas.
Die EU führt Mandeln vor allem aus Kalifornien. Ein Vergeltungszoll macht die Einfuhr von Mandeln bald teurer, Süßwarenhersteller sind alarmiert. © iStock | herstockart

„Mandeln werden in vielen Süßwaren wie Marzipan, Keksen und Schokolade verarbeitet, aber auch zum Beispiel als Mandelstifte, geraspelt oder als ganze Kerne in der heimischen Küche verwendet“, sagt Verbands-Hauptgeschäftsführer Carsten Bernoth. Die Hersteller seien in hohem Maße auf den Import weiterer Rohstoffe aus den USA wie Pistazien, Walnüssen und Cranberries angewiesen.

Soja, Nüsse und O-Saft:

Für US-Agrarprodukte wie Sojabohnen (ab 1. Dezember), Geflügel, Rindfleisch, bestimmte Meeresfrüchte, Reis, Mais, Eier, Orangensaft, Zucker und Gemüse werden bei der Einfuhr in die EU Zusatzzölle von bis zu 25 Prozent fällig. Das fällt ins Gewicht, die EU importierte zuletzt Agrarprodukte im Wert von 11,7 Milliarden Euro jährlich. Allein Deutschland führte voriges Jahr US-Agrargüter im Wert von drei Milliarden Euro ein, vor allem Sojabohnen als Futtermittel sowie Trockenfrüchte. Ein knappes Drittel der EU-Sojabohnen-Importe stammt aus den Vereinigten Staaten.

The corn plant in the field
Auch auf die Einfuhr von US-Mais erhebt die EU einen Sonderzoll.© Getty Images | feellife

Rindfleisch aus den USA wird hierzulande in hochpreisiger Premiumqualität angeboten. Das größere Problem der US-Hersteller sind aber strikte Auflagen für fast alle Lebensmitteleinfuhren in die EU: So ist in Europa der Import von Fleisch, das mit Wachstumshormonen behandelt oder mit chlorhaltigen Stoffen gereinigt wurde, untersagt – das führte zum Streit um die legendären „Chlorhühnchen“ aus Amerika. „Die EU nimmt keine Hähnchen aus Amerika“, klagte US-Handelsminister Howard Lutnick kürzlich. „Sie hassen unser Rindfleisch, weil unser Rindfleisch schön ist und das ihre schwach ist.“

Auch Industrieprodukte sind betroffen

Auf ausgewählte Stahl- und Aluminiumprodukte, Lederwaren, Haushaltsgeräte, Werkzeuge, Kunststoffe, Boote und Holz werden ebenfalls Zusatzzölle eingeführt. Die Auswirkungen für Verbraucher sind überschaubar. Beispiel Boote: Da handelt es sich um einen Nadelstich in einem Nischenmarkt. 2022 wurden aus dem gesamten Ausland etwa tausend Segelboote und tausend Motorboote nach Deutschland importiert. Die US-Bootsbauer kämpfen allerdings mit massiven Absatzrückgängen, da ist jede zusätzliche Belastung schmerzhaft.

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Warum wurden die Produkte ausgewählt?

Die betroffenen Produkte machen nur einen kleinen Teil der US-Importe in die EU aus – Öl, Gas, Maschinen und Autos dominieren, bleiben zunächst ausgespart. In der EU-Kommission heißt es, die Zölle sollten US-Prestigeprodukte treffen und solche Waren, die vor allem in von Republikanern dominierten Bundesstaaten wie Texas, Nebraska, Kansas oder Florida hergestellt werden. Der Chef des Handelsausschusses im EU-Parlament, Bernd Lange (SPD), versichert, die EU wolle mit den Zöllen den USA nicht mehr Schaden zufügen, als die USA umgekehrt in Europa verursachen. Es seien auch nur Produkte ausgewählt, für die es Alternativen in Europa gebe, um die Verbraucher möglichst wenig zu belasten.

Nach Angaben der EU-Kommission sind US-Warenexporte von zunächst bis zu 26 Milliarden Euro betroffen. Zum Vergleich: Von den US-Zöllen sind EU-Exporte im Wert von 380 Milliarden Euro erfasst, 70 Prozent der Gesamtausfuhr in die USA, rechnet EU-Handelskommissar Maros Sefcovic vor. Anders als ursprünglich geplant stehen auf der Brüsseler Strafliste keine alkoholischen Produkte wie Bourbon-Whiskey. Dagegen hatten sich Frankreich und Italien gestemmt, weil sie fürchten, Trump werde den Whiskey-Zoll wie angedroht mit einem Importzoll von 200 Prozent auf europäischen Wein und Champagner beantworten.

Warum diese Zölle erst der Anfang sind

Diese ersten Zölle sind nur das Vorspiel, eine Reaktion auf die von Trump bereits eingeführten Importzölle für europäische Stahl- und Aluminiumprodukte. Die Aufschläge sollen gar nicht richtig wehtun, denn Europa setzt auf Verhandlungen mit der US-Regierung. Die Antwort auf den pauschalen Zusatz-Zoll von 20 Prozent auf alle EU-Importe, der am 9. April in Kraft getreten ist, wird noch erarbeitet. Die Pläne für diese „zweite Phase“ von Gegenmaßnahmen seien Anfang nächster Woche zu erwarten, erklärte die EU-Kommission. Weitere Reaktionen der EU würden ruhig, sorgfältig und gezielt vorbereitet. Dazu könnten dann auch gezielte Abgaben für US-Internetkonzerne wie Meta, Google oder Apple gehören, etwa als Digitalsteuer oder Gebühr auf Digital-Dienstleistungen. Als letztes Mittel erwägt die EU auch die Beschränkung des Marktzugangs für US-Unternehmen.