Ach, wäre das schön gewesen. Seit 2000 im April jeden Monat 50 Euro anlegen und heute reich sein. Oder zumindest den gesamten Einsatz mehr als verdoppelt haben. Praktisch ohne etwas zu tun. Dank eines bestimmten Wertpapiertyps. Die meisten Deutschen haben diese Chance allerdings verpasst, weil sie von Aktienanlagen an sich und ETF im Besonderen wenig wissen wollten. Zumindest damals.

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Wirtschaft in Berlin
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Vor 25 Jahren startete mit zwei ETFs die wohl erfolgreichste Anlageform der Welt in Europa, genauer in Deutschland. Das Kürzel steht für Exchange Traded Funds, börsengehandelte Fonds. Die Deutsche Börse in Frankfurt bot die Papiere über ihre digitale Handelsplattform Xetra erstmals zum Kauf an. Aufgelegt hatte sie die Investmentbank Merrill Lynch. Beide orientierten sich am Index Stoxx der größten europäischen Aktien und werden heute vom US-Investmenthaus Blackrock verwaltet.
Kontinuierliche Einzahlungen bei ETF bescheren deutliches Plus – trotz aller Krisen
Wer etwa den iShares Core Euro Stoxx Ucits ETF Eur der ersten Stunde gekauft hat und per Sparplan jeden Monat 50 Euro eingezahlt hat, insgesamt also 15.000 Euro, dürfte – bei Wiederanlage der Gewinne und ohne Kosten – im Februar 2025 um die 38.700 Euro auf dem Konto haben – ein sattes Plus trotz Finanzkrise 2008, Euro-Krise, Pandemie und Russlands Einmarsch in der Ukraine. Alles Ereignisse, die die Börsen zunächst belasteten, doch bislang erholten sich die Kurse immer wieder.
Auch die aktuelle Zollpolitik des amtierenden US-Präsidenten Donald Trump, die die Märkte weltweit zunächst abstürzen ließ und nach einem Radikalschwenk seiner Zoll-Politik wieder in die Höhe trieb, schmälerte die Erträge zunächst kräftig und ließ sie danach wieder steigen. Langfristig dürfte aber auch dieser vorübergehende Absturz nur eine Delle sein. Zuletzt hatten sich die Kurse bereits wieder erholt.
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ETFs auf den MSCI sind die beliebtesten in Deutschland – deren Index fällt aktuell wegen der US-Regierung
ETFs bilden meist automatisch einen Index ab. Nicht jeder kann sich leisten, zum Beispiel alle Werte im Dax zu erwerben. Das kann ein solcher Fonds übernehmen. Wer dann von der Wertentwicklung des Deutschen Aktienindex Dax profitieren will, kauft sich einen Anteil am Fonds, der deutlich günstiger ist, als Einzelaktien zu erstehen. Der Clou: Auch der Fonds kann an der Börse einfach gekauft und verkauft werden.
Das Produkt macht Sparen einfach. Vorteile sind vor allem geringe Kosten von 0,1 bis 0,5 Prozent der Anlagesumme. Bei anderen Fonds, die Experten zusammenstellen, können es auch 1,5 und mehr Prozent sein, wie Sven Witt von Finum.Private Finance in Berlin sagt. Ein ETF ist zudem breit gestreut, kann Hunderte oder Tausende Aktien enthalten. Stürzt eine ab, fällt das nicht so sehr ins Gewicht.
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Allerdings gibt es auch Tücken, zum Beispiel Klumpenrisiken. „Viele große Indizes wie der MSCI World sind stark in US-Technologiewerte investiert, wodurch Anleger ungewollt ein hohes Branchenrisiko eingehen“, sagt Witt. Das erleben viele Sparer gerade, ETF auf den MSCI sind die beliebtesten in Deutschland und der Index fällt wegen der Wirtschaftspolitik der US-Regierung.
ETFs haben eine breite Masse von klassischen Sparern zu Anlegern gemacht
„ETFs sind zwar leider auch kein automatischer Weg zu Reichtum“, sagt Sven Langenhan vom Münchener Vermögensverwalter HRK Lunis, „aber sie waren im Rückspiegel betrachtet genau die richtige Innovation, um eine noch breitere Masse von klassischen Sparern zu Kapitalmarktanlegern zu machen.“ 2024 gut liefen gut 9,5 Millionen Sparpläne mit ETF in Deutschland.

Gehandelt werden kann in Deutschland nicht nur über Xetra oder Regionalbörsen, sondern auch über verschiedene andere Anbieter. Die bekanntesten sind LS Exchange der Hamburger Börse, Gettex der Bayerischen Börse, Tradegate, hinter der Deutsche Börse und Berliner Börse stehen sowie Quotix der Börse Düsseldorf. Das Angebot ist riesig. Allein bei der Deutschen Börse sind mehr als 2300 solcher Fonds handelbar. Es gibt sie für Aktienindizes, chinesische Staatsanleihen, künstliche Intelligenz, einzelne Länder, Nachhaltigkeit, auf Rendite oder das Metaverse optimiert, jene digitale Welt, die der US-Konzern Meta (Facebook, Instagram) entwickelt.
Aktien-Indizes erklärt
S&P 500 (USA): Index mit 500 führenden US-Unternehmen.
Euro Stoxx 600 (Europa): Umfasst 600 Unternehmen aus 17 europäischen Ländern.
Dax (Deutschland): Enthält die 40 größten börsennotierten deutschen Unternehmen.
Und nicht nur in Deutschland läuft das Geschäft. Mitte 2024 gab es weltweit mehr als 12.000 ETF und ähnliche Produkte, wie das Londoner Beratungshaus ETFGI ermittelt hat. Aufgelegt hatten sie 758 Anbieter aus 63 Ländern. Anleger hatten mehr als 13 Billionen Dollar in solche Papiere investiert. Tendenz stark steigend.
Erfunden wurden die Fonds in den USA: Vorläufer gab es bereits in den 70ern
„Inzwischen gleicht der ETF-Markt einem dichten Dschungel, in dem Anleger mit einer schier endlosen Auswahl an Produkten konfrontiert sind“, sagt Markus Lautenschläger vom Vermögensverwalter BV & P Vermögen. Da könne es sinnvoll sein, professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen oder spezialisierte Plattformen wie JustETF oder ExtraETF zu nutzen. Die Deutschen, scheint es, haben sich ein bisschen in ETF und damit in die Börse verliebt. Sonst gäbe es das Angebot nicht.
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Erfunden wurden die Fonds in den USA. Vorläufer kamen bereits in den 70er Jahren auf den Markt. Als einer der Väter des modernen ETF gilt John C. Bogle, Gründer des US-Anlagehauses Vanguard. Die Idee dahinter: Langfristig wächst der Markt, gleicht extreme Höhen und Tiefen aus. Kurzfristig lässt sich vielleicht mehr gewinnen, wie dieser Tage, wenn man früh auf Rüstung gesetzt hätte, doch derartige Spekulation erfordert besonders viel Kenntnis der Märkte. Und wer anlegt, muss sich praktisch täglich um seine Anlagen kümmern.
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Das versprechen aktiv gemanagte Fonds, bei denen Spezialisten versuchen, so anzulegen, dass sie besser sind als der Markt, für den Sparer also mehr herausholen. „Studien belegen, dass etwa 80 bis 90 Prozent der aktiven Fondsmanager über lange Zeiträume schlechter abschneiden als ihr Vergleichsindex, besonders nach Abzug von Gebühren“, sagt Witt von Finum.Private Finance. „Das bedeutet: ETFs sind kein Zaubermittel, aber eine wissenschaftlich fundierte Strategie für Vermögensaufbau. Wer breit diversifiziert investiert, regelmäßig einzahlt und langfristig denkt, hat sehr gute Chancen, sein Vermögen zu mehren.“






