Das große Ja zur Elektromobilität fällt vorerst klein aus. Zumindest wenn man das Sondierungspapier von CDU, CSU und SPD liest. In dem elfseitigen Papier nimmt der Absatz zur Automobilbranche gerade einmal sechs Zeilen ein, die Elektromobilität wird erst in den letzten beiden Sätzen genannt.

Donnerstag

Wirtschaft in Berlin

Abonnieren Sie kostenlos den Wirtschafts-Newsletter der Berliner Morgenpost

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Im Sondierungspapier bekräftigen die baldigen Koalitionspartner, dass sie die Elektromobilität durch Kaufanreize fördern und die Zulieferer bei der Bewältigung des Umbaus unterstützen wollen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Union und SPD die Stromsteuer schmälern, die Übertragungsnetzentgelte halbieren und damit den Strompreis um mindestens fünf Cent pro Kilowattstunde senken wollen. Wie der Kaufanreiz mit Blick auf E-Autos letztlich aussehen soll, ist noch unklar.

Auch interessant

Förderung endet: Rückgang der E-Auto-Verkäufe 2024

Ein Beispiel für einen möglichen Kaufanreiz für E-Autos zeigt ein Blick in das Jahr 2016. Die damalige schwarz-rote Bundesregierung unter der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte laut ADAC gemeinsam mit den Autoherstellern den Umweltbonus ins Leben gerufen. Ziel war es, den Kaufpreis für E-Fahrzeuge zu senken.

Die Prämie bestand aus einem Herstelleranteil, der direkt mit dem Kaufpreis verrechnet wurde, und einem Bundesanteil, der eine Innovationsprämie beinhaltete. Der Bundesanteil konnte nach der Zulassung des Elektroautos beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) beantragt werden.

Nur die Prämie allein ist langweilig. Das Geld kann man sich sparen.

Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Car-Instituts der Universität Duisburg-Essen

Von 2016 bis 2023 wurden laut einer Statistik des ADAC durch den Umweltbonus 2,23 Millionen E-Fahrzeuge gefördert. Im Dezember 2023 kündigte die Ampelregierung an, die Prämie vorzeitig auslaufen zu lassen. Grund für das plötzliche Aus war ein Milliardenloch im Haushalt. Nach dem Auslaufen dieser Prämie ist die Kaufkraft deutlich gesunken. Während im Jahr 2023 noch 524.219 Elektroautos in Deutschland verkauft wurden, waren es 2024 nur noch 380.609. Das zeigt: Eine E-Auto-Förderung kann die Elektromobilität in Deutschland ankurbeln.

Auch interessant

Prämie allein reicht nicht für Marktumkehr

Ähnlich sieht es Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer: Der Umweltbonus sei erfolgreich gewesen, sagt er dieser Redaktion. Deshalb sei eine einfache Prämie nachvollziehbar, die den Aufpreis von Elektroautos gegenüber Verbrennern berücksichtigt. Derzeit betrage der Preisunterschied rund 5000 Euro. Zudem müsse zwischen batterieelektrischen Fahrzeugen und Plug-in-Hybriden unterschieden werden. Denn Plug-in-Hybride sind deutlich teurer, hier läge der Aufpreis bei rund 13.000 Euro.

Autobranchenexperte Ferdinand Dudenhöffer beim Genfer Autosalon. (Archiv)
Autobranchenexperte Ferdinand Dudenhöffer beim Genfer Autosalon. (Archiv)© dpa | Nicolas Blandin

Doch eine Prämie allein bewirke kein Umdrehen des Marktes, gibt der Leiter des Car-Instituts der Universität Duisburg-Essen zu bedenken. „Die Kunden sind sehr zurückhaltend.“ Das Problem sei grundsätzlicher Natur: Es gebe zu wenig Sicherheit seitens der Politik, dass Elektromobilität wirklich gewollt sei. „Ich kann nicht irgendwo Geld reinschütten und gleichzeitig den Leuten sagen: ‚Wie es später aussieht, das wissen wir nicht.‘ Nur die Prämie allein ist langweilig. Das Geld kann man sich sparen“, sagt er.

Langfristige Strategie statt kurzfristiger Anreize

Von der Politik wünscht sich Dudenhöffer eine langfristige Strategie: „Wie sieht es in zehn oder 15 Jahren aus?“ Wichtiger als finanzielle Anreize ist dem Experten vor allem eines: Glaubwürdigkeit. Denn Glaubwürdigkeit sei heute das große Problem, sagt er mit Blick auf das 500-Milliarden-Sondervermögen, das der Bundestag am 18. März mit der Mehrheit von CDU/CSU, SPD und Grünen beschlossen hat. Neben Glaubwürdigkeit und Langfristigkeit ist für den Experten ein dritter Faktor entscheidend: die Konzentration auf die großen Themen und nicht auf Fußnoten.

Die Leute kaufen kein Elektroauto, weil in der Fußnote steht, dass sie ein bisschen sparen.

Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Car-Instituts der Universität Duisburg-Essen

Dudenhöffer fordert deshalb ein Gesamtkonzept. Ohne ein solches Konzept sei der Gesetzgeber unglaubwürdig. Einzelaktionen seien nicht zielführend. Dies gelte unter anderem für die Pläne von Union und SPD, die Stromsteuer und die Übertragungsnetzentgelte zu senken. Der Ansatz, den Strompreis billiger zu machen, sei zwar gut, die entscheidende Frage sei aber, wie lange es billiger werde und welche Investitionen in die Stromleitungen getätigt würden.

Dudenhöffer: Kaufanreize direkt im Preis nötig

Auch die Pläne aus den Wahlprogrammen der Koalitionsparteien sieht Dudenhöffer kritisch: So plant die SPD eine befristete Steuerermäßigung für den Kauf eines in Deutschland produzierten E-Autos sowie bessere Abschreibungsbedingungen und Änderungen bei der Dienstwagenbesteuerung. Die Kfz-Steuerbefreiung für E-Autos soll bis 2035 verlängert werden.

201582_1325_201582_cover.jpg
#11 Armin Laschet über Corona-Fehler, Merz als Kanzler – und seinen Doppelgänger
Meine schwerste Entscheidung
 

Dies sei zwar ein möglicher Ansatz, doch die Signale müssten direkt im Kaufpreis enthalten sein, denn: „Die Leute kaufen kein Elektroauto, weil in der Fußnote steht, dass sie ein bisschen sparen“.

Kritisch sieht der Experte auch die Pläne der Klima-Union zur Förderung von E-Fahrzeugen: Sie schlägt vor, dass bis 2030 zinsgünstige KfW-Kredite an Autohändler bei Neufahrzeugen die Kaufpreisdifferenz zwischen E-Pkw und Lkw und vergleichbaren Verbrenner-Modellen abdecken. „Nicht die Autohändler sind das Ziel, sondern die Kunden und die Elektromobilität.“