Studie

Zukunftsbranchen schaffen in Berlin 270.000 Jobs

Durch die digitale Transformation können in Berlin bis zum Jahr 2030 insgesamt 270.000 neue Stellen geschaffen werden.

Die Digitalisierung der Berliner Wirtschaft ermöglicht eine zusätzliche Wertschöpfung von 109 Milliarden Euro in den nächsten 15 Jahre

Die Digitalisierung der Berliner Wirtschaft ermöglicht eine zusätzliche Wertschöpfung von 109 Milliarden Euro in den nächsten 15 Jahre

Foto: Getty Images / Vetta/Getty Images

Berlin.  Die Hauptstadt gilt als eines der wichtigsten Biotope in Europa, in denen junge Unternehmen vor allem in der digitalen Wirtschaft gedeihen. Insgesamt 270.000 neue Jobs könnten in den nächsten 15 Jahren entstehen, rechnet eine neue Studie der Investitionsbank Berlin (IBB) vor. Voraussetzung ist allerdings, dass die digitale Transformation der Wirtschaft gelingt.

Bereits seit einigen Jahren ist in Berlin ein Wachstumstrend spürbar: Die Zahl der Beschäftigten ist seit dem Jahr 2008 um knapp 170.000 Jobs gestiegen. Daran haben die so genannten Zukunftsbranchen mit einem Plus von 93.000 den größten Anteil (plus 55 Prozent). Als Jobmotoren erwiesen sich – wenn auch auf niedrigerem Niveau – ferner die Kreativ- (39.000) und die Gesundheitswirtschaft (38.000).

Jeder dritte Erwerbstätige bei Zukunftsbranchen

Als Zukunftsbranchen gelten vier Wirtschaftsbereiche. Neben Unternehmen, die Geschäftsmodelle in den Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) betreiben, handelt es sich um Firmen, die Konzepte für nachhaltige Energiewirtschaft, gesundes Leben und umweltfreundliche Mobilität entwickeln.

Die Zukunftsbranchen haben sich in den vergangenen Jahren zum Treiber der Berliner Wirtschaft entwickelt. Ein Drittel (627.937) aller Erwerbstätigen in der Hauptstadt arbeiten hier. Davon entfallen 244.190 Erwerbstätige (das sind 14 Prozent aller Berliner Erwerbstätigen) auf den personalintensiven Bereich Gesundheit, 228.964 (13 Prozent) auf IKT und Kreativwirtschaft, 113.621 (sechs Prozent) auf Verkehr und 41.162 (zwei Prozent ) auf Energie.

Wertschöpfung steigt um 13 Prozent

Der wohl wichtigste Indikator für die Wirtschaftskraft der Zukunftsbranchen ist ihre Wertschöpfung. Darunter wird der Wert aller hergestellten Waren und Dienstleistungen abzüglich der Vorleistungen verstanden: Sie legte gegenüber dem Vorjahr um 2,9 Prozent zu – mehr als die Berliner Wirtschaft insgesamt (2,1 Prozent). Dabei war der Anstieg der Wertschöpfungsgewinne in Verkehrsunternehmen mit vier Prozent am größten. Noch deutlicher wird dieser Trend beim Betrachten des Zeitraumes seit 2008: Die Bruttowertschöpfung im IKT- und Kreativbereich stieg um insgesamt 13 Prozent auf fast 14Milliarden Euro.

Die Autoren der Studie schöpfen den Optimismus für ihre Modellrechnung unter anderem aus der Zahl der Gründungen: Gut ein Viertel aller Gründungen fand in den Zukunftsfeldern statt. Als weiteren Faktor benennen sie den Anstieg der Erwerbstätigkeit, die mit 2,7 Prozent doppelt so stark gewachsen ist wie in der Berliner Wirtschaft insgesamt. Ein dritter Faktor ist die Bruttowertschöpfung, die in den Zukunftsbranchen mit 1,8 Prozent pro Jahr doppelt so hoch wie in den restlichen Wirtschaftsbereichen gestiegen ist.

109 Milliarden Euro Mehrumsatz erwartet

Die IBB-Volkswirte Hartmut Mertens, Claus Pretzell und Florian Seyfert berechnen in ihrem Szenario für die Zukunftsbranchen ein Wachstum der Bruttowertschöpfung von 5,2 Prozent jährlich. Für alle übrigen Beanchen wird dagegen nur ein jährliches Wachstum von 1,1 Prozent vorhergesagt. Legt man diese Annahmen zugrunde, kann somit für ganz Berlin bis zum Jahr 2030 ein Wachstum von durchschnittlich 2,5 Prozent pro Jahr erreicht werden.

In absoluten Zahlen soll die Bruttowertschöpfung in den nächsten 15 Jahren um insgesamt 109 Milliarden Euro steigen, wie IBB-Vorstandschef Jürgen Allerkamp betont. Das sei die zusätzlichen Wirtschaftsleistung eines ganzen Jahres. „Das entspricht in unserer Modellrechnung einem Zuwachs an 270.000 Arbeitsplätzen“, sagt Pretzell.

Demografischer Wandel bremst Wachstum

Dieser Effekt funktioniert aber nur dann, wenn der demografische Wandel mit einem ab 2026 erwarteten Rückgang der Erwerbsfähigen keinen Strich durch die Rechnung macht. Trotz Zuzügen und sinkender Arbeitslosigkeit müsse „ab 2020 mit einem tendenziell sinkenden Wirtschaftswachstum gerechnet werden“.

Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) hofft, dass „Berlin in die Spitzengruppe einer global ausgerichteten digitalen Wirtschaft vorstoßen“ wird. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) sieht sich durch die IBB-Studie bestärkt. „Die Digitalisierung bietet große Chancen – für den Berliner Arbeitsmarkt, die Qualität der Daseinsvorsorge und des Zusammenlebens in der Smart City und für die Profilierung des Wirtschaftsstandorts Berlin“, sagt der IHK-Branchenexperte Florian Koch.