Studie

In Berlin werden die meisten Firmen gegründet

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Patrick Goldstein und Jürgen Stüber

Nirgends werden in Deutschland so viele Firmen gegründet wie in Berlin. Hier wurden in den letzten drei Jahren 50.000 Jobs geschaffen.

Berlin.  Die Gründerszene und die Computerspielbranche in Berlin wachsen rasant. Das belegen der am Dienstag präsentierte dritte Start-up-Monitor (DSM) des Bundesverbandes Deutsche Start-ups (BDS) und der Unternehmensberatung KPMG sowie der Medienindex des Medienboards Berlin-Brandenburg. Deutsche Start-up-Hauptstadt ist nach wie vor Berlin. Jedes dritte deutsche Unternehmen ist hier ansässig. In Start-ups in Deutschland wurden in den letzten drei Jahren 50.000 Arbeitsplätze geschaffen.

Der Studie zufolge haben 31,1 Prozent der befragten Start-ups ihren Sitz in Berlin (Vorjahr: 39 Prozent). Platz zwei nimmt mit 16,7 Prozent Bayern ein, Platz drei mit 15,1 Prozent Nordrhein-Westfalen. Hamburg belegt mit 8,3 Prozent der Start-ups den vierten Platz. Größere Zuwächse gab es im Vergleich zum Vorjahr in Bayern (plus 5,7 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (plus 6,1 Prozent).

Gründen ist hip

Der Wunsch, ein Unternehmen zu gründen, gehört immer stärker zum Lifestyle der jungen Generation. Gründer sind deutlich zufriedener als andere Arbeitnehmer: Auf einer Skala von eins bis zehn bewerten Gründer ihre Arbeitszufriedenheit mit 8,0. Angestellte geben hier im Durchschnitt einen Wert von 6,8 an. Gründer sind überwiegend optimistisch: 80 Prozent würden selbst im Falle einer Pleite weiterhin einer selbstständigen Tätigkeit nachgehen. Etwa zwei Drittel der Befragten (68,6 Prozent) würden wieder ein Start-up gründen, und 8,4 Prozent würden dann als Freiberufler arbeiten.

Grund der Zufriedenheit und des Optimismus mag das aktuelle Geschäftsklima sein: Gegenwärtig bezeichnen 39,6 Prozent der Gründer die Geschäftslage als gut. Etwa die Hälfte der Befragten (49,8 Prozent) ist zufrieden. Langsam gewinnen auch die unterrepräsentierten Frauen Interesse an der Start-up-Szene und wagen eine Gründung: Ihr Anteil liegt aktuell bei 13 Prozent (2014: 10,7).

Jeder dritte Beschäftigte hat einen nicht deutschen Pass

Die Start-up-Szene ist international. Englisch ist in weiten Teilen des Hipster-Berlin inoffizielle zweite Sprache geworden: Jeder dritte Beschäftigte eines Berliner Start-ups hat einen nicht deutschen Pass. Bundesweit wurde eine Ausländerquote von 22 Prozent gemessen.

Jedes fünfte Start-up erzielt einen Umsatz von mehr als einer Million Euro. Die im DSM befragten Unternehmen haben Fremdfinanzierungen in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro erhalten. Ungefähr den gleichen Betrag benötigen sie nach eigenen Angaben in den nächsten zwölf Monaten.

Indes profiliert sich in Berlin zunehmend die Games-Branche. Die Entwickler, Verleger, Hersteller und Verkäufer von Computerspielen sorgen für einen Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro. Das geht aus dem Medienindex 2015 hervor, den das Medienboard am Dienstag vorstellte. Die Einzelbranche Film sorgte demnach für einen Umsatz von 878 Millionen Euro, der Bereich TV brachte eine Milliarde Euro ein. Der Bericht bezieht sich auf Umsatzzahlen des Jahres 2013. Danach wuchs der Gesamtumsatz der audiovisuellen Medienwirtschaft in Berlin im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent auf 6,3 Milliarden Euro.

Daneben generiert die Branche zunehmend Jobs. Zwischen 2004 und 2014 stieg die Zahl der Beschäftigten um 51 Prozent auf 64.901 Menschen. Die Zahl der Unternehmen stieg zwischen 2004 und 2013 um 55 Prozent von 7222 auf 11.177.