Automobilindustrie

VW-Skandal: Elf Millionen Volkswagen betroffen

Volkswagen hat eingeräumt, massive Abgasmanipulationen begangen zu haben. Nun heißt es von VW, elf Millionen Fahrzeuge seien betroffen.

In den USA dürfen die VW-Diesel ohne die Zulassung nicht auf die Straße

In den USA dürfen die VW-Diesel ohne die Zulassung nicht auf die Straße

Foto: LUCY NICHOLSON / REUTERS

Volkswagen geht davon aus, dass weltweit insgesamt rund elf Millionen Fahrzeuge von der Abgas-Affäre betroffen sind. Bei einem bestimmten Motortyp sei "eine auffällige Abweichung zwischen Prüfungswerten und realem Fahrbetrieb" festgestellt worden. Das Unternehmen stehe dazu in Kontakt mit den zuständigen Behörden und deutschen Kraftfahrtbundesamt.

Seinen Ausgang hatte die Affäre in den USA. Die dortige Umweltschutzbehörde EPA verdächtigt VW, bei zahlreichen Diesel-Fahrzeugen die Abgasvorschriften vorsätzlich umgangen zu haben. Es geht dort um fast eine halbe Million Autos. Für Volkswagen könnte dies nach Angaben der Behörde eine Strafe von bis zu 18 Milliarden Dollar nach sich ziehen.

Der VW-Konzern hatte daraufhin zugegeben, in den USA massive Abgasmanipulationen begangen zu haben. "Wir haben das gegenüber der Behörde eingeräumt. Der Sachverhalt trifft zu", sagte ein Firmensprecher. "Wir arbeiten aktiv mit der Behörde zusammen."

VW teilte nun in einer Gewinnwarnung mit, das Unternehmen lege rund 6,5 Milliarden Euro zur Seite. Dadurch werde das Ergebnis im laufenden Jahr geschmälert, kündigte der Konzern am Dienstag mit. Die Ergebnisziele würden entsprechend angepasst.

VW zieht Aktienwerte anderer Unternehmen runter

Nachdem VW eingeräumt hatte, dass elf Millionen Diesel-Autos betroffen sein dürften, stürzte die VW-Vorzugsaktie um weitere 17 Prozent ab. In dem Sog stürzten auch die Papiere von Daimler und BMW um jeweils rund 6 Prozent in die Tiefe.

Gegen Mittag stand der Dax 2,63 Prozent im Minus bei 9687,18 Punkten. Er steht damit so tief wie zuletzt vor einem Monat. Alle 30 Werte notierten im roten Bereich.

„Die bisherigen Tragsäulen der Aufwärtsbewegung brechen langsam weg“, sagte Aktienhändler Andreas Lipkow vom Vermögensverwalter Kliegel & Hafner. Zu den seit längerem schwachen Energiewerten gesellten sich nun auch noch die Automobiltitel hinzu. Die Unterstützung für den Dax werde in dem Umfeld immer geringer, sagte Lipkow.

Der MDax der mittelgroßen Aktienwerte büßte am Dienstag 1,73 Prozent auf 19 299,72 Punkte ein. Der Technologiewerte-Index TecDax gab um 1,57 Prozent auf 1719,52 Punkte nach. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 weitete seine Verluste auf minus 2,65 Prozent aus und stand bei 3100,17 Punkten.

Umweltbundesamt wirft VW Gesundheitsgefährdung vor

Das Umweltbundesamt (UBA) warf dem Volkswagen-Konzern vor, die Gesundheit von Menschen zu gefährden. Eine solche „Abgas-Betrügerei“ täusche nicht nur die Kunden, sondern führe auch zu deutlich schlechterer Luft, erklärte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger in Dessau-Roßlau. Sie forderte schärfere Kontrollen.

Europa müsse im Blick auf Schadstoffmengen von Pkw nachbessern und neue Testmethoden einführen. Dabei gehe es nicht nur um Fahrzeuge, die neu auf den Markt kommen. Auch bei den Autos im Bestand müsse das Einhalten der Grenzwerte sichergestellt werden.

Das UBA weise bereits seit mehr als 15 Jahren darauf hin, dass auch in Deutschland der reale Schadstoffausstoß von Autos höher sei als die Werte, die auf dem Rollenprüfstand ermittelt werden. Ein erheblicher Anteil der schädlichen Emissionen im Straßenverkehr entfällt laut Krautzberger auf Diesel-Fahrzeuge. „Damit muss Schluss sein.“