Digitaler Wandel

Wenn selbstfahrende Autos am EU-Schlagbaum stoppen müssen

Welche Chancen hat der digitale Wandel für Europa? Antworten auf diese Frage suchen Experten aus Politik und Wirtschaft bei einer Konferenz in Berlin.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel eröffnete in Berlin die Konferenz zu „Digitaler Wandel in der Kreativwirtschaft, Handel und Mobilität“

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel eröffnete in Berlin die Konferenz zu „Digitaler Wandel in der Kreativwirtschaft, Handel und Mobilität“

Foto: Michael Kappeler / dpa

Berlin.  „Wir sehen nicht aus wie Revolutionäre. Aber wir stecken mitten in einer Revolution“, sagte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) bei der Eröffnung der Konferenz „Digitaler Wandel“ in Berlin.

Experten aus Politik und Wirtschaft debattierten über Chancen und Gestaltungsmöglichkeiten für die Kreativwirtschaft, Handel und Mobilität. Die Digitalisierung müsse im Bewusstsein der mittelständischen Wirtschaft ankommen. Diese sei zu sehr mit ihren Produkten beschäftigt. Die Digitalisierung biete auch für den Mittelstand neue Wertschöpfungsketten auf Online-Plattformen.

Daten als globale Leitwährung

Aufmerksamkeit verdiene die Datenökonomie. Daten seien die globale Leitwährung geworden. „Wir müssen die Daten beherrschen und die Plattformen nicht anderen überlassen“, sagte er in Richtung Google und Facebook, die als Gegenleistung für ihre Gratisdienste die Hoheit über Nutzerdaten nach eigenen Regeln beanspruchen.

Zum Ausbau der digitalen Infrastruktur räumte der Minister ein, Internet-Bandbreiten von 50 MBit/Sekunde reichten heute nicht mehr aus. 500 Millionen Euro müssten in das europäische Datennetz investiert werden.

Martin Schulz (SPD), der Präsident des Europäischen Parlaments, stellte den digitalen Wandel in den aktuellen Kontext der Flüchtlingskrise. Am Tag des IT-Gipfels würden in Europa Zäune und Mauern errichtet, sagte er. Es könne nicht sein, dass im Europa der Zukunft selbstfahrende Autos an nationalen Grenzen anhalten müssen.

EU will Web-Monopole aufbrechen

Die EU müsse nicht nur als größter Binnenmarkt der Welt sondern auch als Kulturraum, kreativer und Innovationsraum eine digitale Infrastruktur schaffen. Dafür werde man mehr als die von Gabriel genannte halbe Milliarde Euro brauchen. Auch dürften nicht 80 Prozent des EU-Etats in die Regionalförderung und Landwirtschaft fließen.

„Wir müssen Sorge dafür tragen, dass die Digitalisierung möglichst vielen Menschen nutzt“, sagte Schulz. Ferner müsse die EU Verbrauchern Rechtssicherheit geben. Das gelte für den digitalen Handel ebenso wie für die Kreativwirtschaft. „Kreative Leistungen müssen auch im Copy&Paste-Zeitalter angemessen vergütet werden.“ Eine Herausforderung sei, Monopolstrukturen der Web-Giganten aufzubrechen. „Ein europäischer Datenschutz könnte dagegen ein Wettbewerbsvorteil werden“.

Vernetztes Auto bietet mehr Sicherheit

Audi-Chef Rupert Stadler will das Internet ins Auto bringen („Dafür brauchen wir Highspeed-Internet“) und das Auto ins Internet der Dinge. „Das bedeutet mehr Sicherheit, weniger Staus, weniger Stress und mehr Komfort.“ Seine Vision sind Fahrzeuge, die miteinander kommunizieren, sich vor Stau und Glatteis warnen und automatisch den Weg zum letzten freien Platz im Parkhaus finden. Er mahnte einen Diskurs über die Ethik der künstlichen Intelligenz an und forderte rechtliche Grundlagen für das autonome Fahren.

Alain Caparros, Vorstandschef des Handelskonzerns Rewe, hofft auf den Bestand des Offline-Handels. „Supermärkte haben soziale Funktion, Kunden suchen dort Kontakt und Gespräch.“ Es setzt auf Synergien beider Welten: Rewe als Kombichannel von Offline- und Onlinehandel. Caparros räumte ein, der Handel müsse sich „warm anziehen“.