Wirtschaft

Ideen für die Zukunft aus Berlin

Bei der Langen Nacht der Start-ups haben Gründer und Kreative ihre Erfindungen präsentiert

Das jüngste Projekt bei der Langen Nacht der Start-ups in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom hatte den besten Platz, direkt am Eingang: Refugees on Rails, eine Gruppe von Menschen, die Flüchtlinge in Programmiersprachen unterrichten will. 160 Jungunternehmer stellten bei der Veranstaltung am Sonnabend ihre Projekte vor. Für Telekom-Chef Tim Höttges eine willkommene Gelegenheit, innovative Ideen kennenzulernen.

Besucher der Veranstaltung spendeten mehr als 20 Laptops – Grundausstattung für die in einem Flüchtlingsheim in Buch geplanten Programmierkurse. Die Aktivisten hatten auf einer Facebook-Seite um Spenden gebeten. Ahmet Acar, Mitgründer der Initiative, ist von der Resonanz begeistert: Innerhalb einer Woche haben mehr als 700 Facebook-Nutzer die Seite der Organisation mit „Gefällt mir“ markiert. Elf Flüchtlinge haben sich bereits zu den Kursen angemeldet, die sowohl offline vor Ort als auch online via Skype angeboten werden sollen.

Einer der Höhepunkte der Veranstaltung war der von der israelischen Botschaft ausgeschriebene Wettbewerb „Start Tel Aviv“. Drei Start-ups hatten sich für die Endrunde qualifiziert, bei der es eine Informationsreise nach Tel Aviv zu gewinnen gab, die direkt am Sonntag begann. Dort soll der Berliner Sieger auf die anderen Gewinner von „Start Tel Aviv“ aus 27 Ländern treffen. Die Kandidaten kamen mit gepackten Koffern zur Langen Nacht und präsentierten ihre Projekte. Sieger wurde LambdaNow des Unternehmens AltusInsight. Das Start-up ermöglicht es Unternehmen oder Organisationen, große Mengen an Handy-Nutzerdaten in Echtzeit zu analysieren und aus diesen Informationen Rückschlüsse zu ziehen.

Die unterschiedlichsten Start-ups waren bei der Langen Nacht vertreten: Zum Beispiel Senic, die einen Controller von der Größe einer Handcremedose erfunden haben, der auf Gesten und Tastendruck reagiert. Damit lassen sich zum Beispiel Audiosysteme steuern oder andere elektrische Geräte im vernetzen Haushalt. Die Gründer haben bei einer Crowdfunding-Kampagne finanzielle Unterstützer gefunden. Ende des Jahres sollen die ersten Controller ausgeliefert werden. Senic nimmt gerade am Acceleratorprogramm ChallengeUp der Deutschen Telekom und der Technologieunternehmen Intel und Cisco teil, das sich auf Erfindungen für das Internet der Dinge spezialisiert hat. An diesem Programm nimmt auch das Start-up ProGlove aus München teil, das einen Arbeitshandschuh erfunden hat, der mit einem eingebauten Scanner unter anderem Barcodes lesen kann. Er soll in der Automobilindustrie oder bei der Gepäckabfertigung auf Flughäfen zum Einsatz kommen. Der Handschuh gibt einen Vibrationsalarm ab, wenn der Benutzer zum Beispiel bei der Montage eine Reihenfolge nicht einhält oder zum falschen Werkstück greift.

Ganz anderen Dingen hat sich das Start-up Exmedio verschrieben: die digitale Nachlassverwaltung. Diese neue Plattform informiert Freunde im Todesfall, kümmert sich um die Kündigung von Verträgen des Verstorbenen und organisiert seinen digitalen Nachlass, indem zu Lebzeiten Vertraute Zugang zu seinen Netzwerken erhalten. Das Start-up verhandelt mit Unternehmen der Versicherungswirtschaft, die eine solche Dienstleistung als Extra zu Lebensversicherungen anbieten könnten.