Unternehmensgründungen

Berlin ist die Metropole der Wagemutigen

Im vergangenen Jahr wurden 41.400 Unternehmen gegründet. Auch die Wirtschaft im Allgemeinen wächst stärker als im Rest der Republik.

Berlin ist eine Stadt der Ideen und der Kreativität, eine Metropole der Wagemutigen. Dieses Bild zeichnet die am Mittwoch vorgelegte Dokumentation „Berliner Wirtschaft in Zahlen“. Das Dossier wurde von der Industrie- und Handelskammer sowie der Handwerkskammer zusammengestellt. Kennzahlen dokumentieren die wirtschaftliche Dynamik der Hauptstadtregion. So wurden im vergangenen Jahr 46.000 Zuzügler gezählt und fast zwölf Millionen Touristen. 2000 Wohngebäude wurden fertiggestellt und 41.400 Unternehmen gegründet. 38.000 Stellen wurden geschaffen.

„Unsere Stadt braucht genau diese Dynamik“, erklärt IHK-Präsident Eric Schweitzer mit Blick auf die immer noch vergleichsweise hohen Arbeitslosenzahlen. 195.823 Männer und Frauen waren im vergangenen August arbeitslos gemeldet, 8219 weniger als vor einem Jahr. Laut Bundesagentur für Arbeit lag die Arbeitslosenquote damit unverändert bei 10,7 Prozent. Das waren 0,4 Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr, aber 4,3 Punkte mehr als im Bundesdurchschnitt. „Hier zeigt sich Berlin von seiner schwierigen Seite, an der wir alle weiterarbeiten müssen“, so Schweitzer.

Berlin behauptet sich zudem weiter als eine internationale Stadt. 16,5 Prozent der Einwohner stammen laut der Statistik nicht aus Deutschland. Das sind deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt (8,9 Prozent). Knapp drei Viertel der nichtdeutschen Berliner stammen aus anderen europäischen Ländern.

Bei der Gründung neuer Unternehmen hängt Berlin alle anderen Bundesländer ab. Bezogen auf 10.000 Einwohner gab es in Berlin 29 neue Gewerbe (Bundesdurchschnitt: vier). Dieser Wert bezieht sich allerdings auf 2013 und dürfte angesichts der Start-up-Aktivitäten in diesem Jahr deutlich höher liegen. Auch in den Berliner Hochschulen wächst der Unternehmergeist: Noch nie gab es so viele Ausgründungen wie im vergangenen Jahr (70).

BIP unter dem Bundesdurchschnitt

Die Leistung der Berliner Wirtschaft (Bruttoinlandsprodukt, BIP) im Ländervergleich ist eher mäßig (31.504 Euro pro Einwohner) und weiter unter dem Bundesdurchschnitt (34.219 Euro). Noch schlechter ist die Lage in Brandenburg, wo das BIP bei 24.231 Euro liegt. Das liegt daran, dass die Zahl der hochproduktiven Stellen in Berlin eher gering ist. Allerdings wird in Berlin mit 2,2 Prozent die zweithöchste Veränderungsrate registriert. Das spiegelt sich auch in der Entwicklung der Kaufkraft der Berliner wieder, die eine Kennziffer für den Wohlstand ist: Sie ist in den vergangenen Jahren in Berlin nicht so schnell gestiegen wie in ganz Deutschland. In Relation zum Bundesdurchschnitt ist sie sogar gesunken: von 94 Prozent des Bundesdurchschnitts im Jahr 2000 auf 86 Prozent 2014. Zwar erlebte Berlin ein temporeiches Wachstum, wie sich an der Zahl der Firmengründungen und dem Anstieg von Arbeitsplätzen ablesen lässt, doch die Produktivität hinkt der Entwicklung hinterher.

Die Defizite bei der Produktivität der Berliner Wirtschaft zeigt auch der Vergleich von Beschäftigtenzahl und Umsatz des verarbeitenden Gewerbes: Seit 2007 stieg die Zahl der Beschäftigten von 90.221 auf 93.532. Währenddessen sank der Inlandsumsatz der Berliner Wirtschaft von 18 auf elf Milliarden Euro, während der Auslandsumsatz im gleichen Zeitraum von zehn auf zwölf Milliarden stieg – ein negativer Saldo von mehr als vier Milliarden.

Eine Region im Wachstum

Auch die Wirtschaft im Allgemeinen wächst stärker als im Rest der Republik (plus 2,2 Prozent in 2014 im Vergleich zu 1,6 Prozent bundesweit), und die Stadt ist bei Gästen beliebter denn je: Die Zahl der Übernachtungen hat sich in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt. 28,7 Millionen wurden im vergangenen Jahr gezählt, wobei die Zahl der Gäste nicht im gleichen Verhältnis gestiegen ist. Das bedeutet, dass die Berlinbesucher länger in der Stadt blieben als früher.

Der Blick auf den Luftverkehr bestätigt das Interesse an Berlin. Die Passagierzahlen haben sich (verglichen mit dem Trend auf anderen deutschen Großflughäfen) seit 2004 fast verdoppelt und erreichen den Indexwert 188 (Jahr 2004: 100). München erreichte einen Wert von 149, Hamburg 148.

Unter dem Strich ist Berlin eine prosperierende Wirtschaftsregion: Der umsatzsteuerpflichtige Umsatz in Berlin stieg zwischen 2005 und 2013 von 128 auf 194 Milliarden Euro – und dieser dürfte verstärkt im Westteil der Stadt getätigt werden, wie der Blick auf die Einkaufsmeilen zeigt: Die Zahl der potenziellen Kunden stieg an der Tauentzienstraße auf 7495 pro Stunde (2011: 5686) und am Kurfürstendamm von 4645 auf 5796. Auf der Friedrichstraße flanierten pro Stunde 3661 Passanten. 2011 waren es 3395.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.