Energie

Wie die Berliner deutlich beim Strom sparen können

In Berlin ist der Volksentscheid zum Thema Energie zwar eben erst gescheitert. Doch die Stiftung Warentest sieht in einer aktueller Studie viele Möglichkeiten für Verbraucher, um Kosten zu senken.

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Viele Verbraucher könnten bei ihrer Stromrechnung mehrere Hunderte Euro im Jahr sparen. Dafür müssten sie zu einem günstigeren Anbieter wechseln und selbst etwas weniger Strom nutzen. Der Aufwand hält sich angeblich in Grenzen. Zu dem Schluss kommt zumindest die Stiftung Warentest in einer aktuellen Studie. Für ihre Oktober-Ausgabe hat das Magazin Grundversorgungstarife in 20 Städten verglichen und den Stromverbrauch untersucht.

In Berlin ist erst vor wenigen Wochen der Versuch einer Stromrebellion gescheitert. Der Volksentscheid für die Einführung eines eigenen Öko-Stadtwerks verfehlte nur knapp die erforderlichen Stimmen. Für die Organisatoren war das natürlich eine Enttäuschung. Doch einen guten Nebeneffekt hatte die Sache. So viele Berliner Bürger wie nie zuvor haben sich ernsthaft mit Energieversorgung und der ganz grundsätzliche Frage, woher der Strom eigentlich kommen soll, auseinandergesetzt.

Wenn dieser Schwung anhält, dürfte es folglich hier auch mehr Wechselwillige geben als in anderen Städten. Zumal die Stiftung Warentest darauf hinweist, dass die Ummeldung zu einem anderen Anbieter viel einfach ist als gedacht.

Die damit verbundenen Einsparungen sind beachtlich. So könnte offenbar ein durchschnittlicher Familienhaushalt in Essen mit einem Jahresverbrauch von 5500 Kilowattstunden etwa 321 Euro sparen, wenn er vom örtlichen Versorger zu einem anderen Anbieter wechselt. In Frankfurt am Main könnte laut „Finanztest“ ein Plus von 280 Euro auf der Stromrechnung auftauchen, wenn ein Kunde vom Grundversorgungstarif zu einem anderen Anbieter geht. In Leipzig sollen immerhin noch Einsparungen von bis zu 223 Euro möglich sein. In diesen Beispielrechnungen bezogen die Kunden bislang eine Grundversorgung beim örtlichen Stromanbieter. Das bedeutet, dass diese Verbraucher noch nie den Tarif gewechselt haben.

Geringer Wechselwille bei den Kunden

Allerdings sollte dies die übrigen Stromkunden nicht davor abschrecken, ihren Tarif nochmals zu überprüfen. Denn laut der Untersuchung können auch Stromkunden, die bei den örtlichen Stadtwerken in einem günstigen Tarif sind, teils noch deutlich Geld sparen. In den eben beschriebenen Fällen wären in Essen Einsparungen von bis zu 170 Euro möglich, in Frankfurt bis zu 190 Euro.

Offenbar haben erst 17 Prozent der Haushalte überhaupt schon einmal den Anbieter gewechselt. Eine erstaunlich niedrige Zahl, wenn man bedenkt, dass Strom für Verbraucher schon seit Jahren teurer wird. Ein Grund ist die sogenannte EEG-Umlage zur Förderung der erneuerbaren Energien. Sie erhöht sich für das kommende Jahr auf 6,24 Cent pro Kilowattstunde. Für einen durchschnittlich großen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 5500 Kilowattstunden sind das zusammen mit der Mehrwertsteuer rund 400 Euro.

Dazu kommen die Netzentgelte für den Betrieb und Ausbau der Stromnetze. Sie machen etwa ein Fünftel der Stromkosten aus, dürften aber im Zuge der Energiewende weiter steigen, da in das Netz investiert werden muss. Steuern und Abgaben machen etwa 40 Prozent des Strompreises aus.

Manche Verbraucher stört, dass energieintensive Unternehmen bislang Vergünstigungen genießen. Damit sie keinen Wettbewerbsnachteil gegenüber der Konkurrenz aus dem Ausland haben, wurden sie teilweise von der EEG-Umlage und den Netzentgelten befreit.

Beim Anbieterwechsel gibt es einiges zu beachten

Dem privaten Verbraucher bleibt als stärkstes Mittel nur der Wechsel zu einem anderen Anbieter. Wenn man sich für einen neuen Energieversorger entscheidet, gibt es einige Punkte zu beachten. Die Kündigungsfristen sollten nicht länger als sechs Wochen sein. Außerdem sollte der Tarif eine Preisgarantie für mindestens zwölf Monate vorsehen. Wichtig ist auch, dass die Kunden ihre Abschläge monatlich bezahlen können. Sonst geht schnell der Überblick über die Rechnung verloren.

Mit dem Wechsel zu einem günstigeren Anbieter allein ist es jedoch nicht getan. „Finanztest“ zeigt auch, wie viel Geld jeder Haushalt sparen kann, wenn er seine Elektrogeräte sinnvoller einsetzt. So macht es durchaus einen Unterschied, wenn man nur zum Lesen der Emails ein Tablet oder Notebook verwendet, anstatt einen großen PC mit LCD-Monitor hochzufahren. Im Jahr kann die Ersparnis bei bis zu 30 Euro liegen. Ähnliche Vergleichsrechnungen gibt es für Haushaltsgeräte in der Küche.

Viele Waschmittel sind so gut, dass Wäsche schon bei 40 Grad sauber wird und nicht auf 60 Grad gewaschen werden muss. Das senkt die Stromkosten um 40 Prozent. Verwendet man bei der Spülmaschine das Sparprogramm anstatt des Kurzprogramms lässt sich der Stromverbrauch um ein Drittel mindern. Laufen Elektrogeräte im Standbymodus weiter, kann das die Stromrechnung um 30 Euro im Jahr nach oben treiben.