Kabelklau

Warum die Zahl der Kabeldiebstähle plötzlich abnimmt

Weil Rohstoffe weltweit immer weniger kosten, vergeht den Dieben die Lust auf Kabelklau. Allein bei der Bahn sanken die Fallzahlen im 1. Halbjahr um 43 Prozent. Dennoch bleibt das Problem massiv.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Der weltweite Preisverfall bei Rohstoffen raubt Kupferdieben die kriminelle Energie. Im ersten Halbjahr 2013 stahlen sie im Vergleich zum Vorjahr nur noch halb so viel Buntmetall, wie die Bundespolizei am Montag in Berlin mitteilte. „Das Thema ist abhängig vom Preis, den man damit erzielen kann“, sagte Peter-Michael Kessow, Vize-Präsident der Bundespolizei-Direktion Berlin. Die Deutsche Bahn, einer der Hauptleidtragenden des Kupferklaus, beobachtet entsprechend eine ähnliche Entwicklung: So habe es bundesweit 43 Prozent weniger Fälle als im ersten Halbjahr 2012 gegeben. Ähnliches gilt für die Verspätungsminuten für die Bahnkunden, die sie wegen fehlender Signalkabel und stillgelegter Stellwerke in Kauf nehmen mussten: Waren es im ersten Halbjahr 2012 noch insgesamt über 180 Stunden, sackte die Zahl 2013 auf gut 100 Stunden.

Zwar werden andere Metalle wie Aluminium ebenfalls gestohlen. Kabel oder Rohre aus Kupfer sind jedoch seit langem am Begehrtesten: Der Kupferpreis hatte Anfang 2011 mit über 10.000 Dollar je Tonne einen Rekordpreis erreicht. Entsprechend beschäftigten auch die Kupferdiebstähle in Deutschland und in anderen europäischen Staaten die Behörden. 2012 gingen Preis und Diebstähle bereits leicht zurück. In diesem Jahr kostete Kupfer wieder unter 7000 Dollar.

Verdeckte Ermittler und Info-Aktionen

Die Bahn gründete mit Unternehmen wie der Deutschen Telekom oder dem Stromversorger Vattenfall eine Sicherheitspartnerschaft und reagierten auf die steigenden Diebstähle. So wurde eine sogenannte künstliche DNA für Kupferkabel eingesetzt. Dies ist ein unsichtbarer Lack, der mit Speziallampen und Mikroskop der Behörden erkannt werden kann. So ist das Material etwa bei Verdächtigen oder Schrotthändlern wieder zu identifizieren. Dabei erscheint etwa unter dem Mikroskop ein Hologramm mit dem DB-Logo sowie ein Code, der damit den den Ort des Diebstahls verrät.

Die Deutsche Bahn will inzwischen auch mit verdeckten Ermittlern und Info-Aktionen gegen Metalldiebe vorgehen. Da müsse ein Dieb damit rechnen, dass jemand aus dem Gebüsch springt und ihn festnimmt, sagte Jochen Grimmelt, Leiter DB Konzernsicherheit für die Region Ost. Während andere betroffene Unternehmen wie Vattenfall mit Flugrobotern mobil machen, setzt die Bahn auf Polizeiarbeit und Vorbeugung, wie der Konzern am Montag in Berlin mitteilte. Die Bundespolizei ermittelt in Sonderaktionen verdeckt, und Metallhändler werden über Diebstähle informiert.

Ferner weitete die Polizei die Fahndung aus und setzte auch Polizeihubschrauber mit Wärmebildkameras ein. Auch dies habe Diebe abgeschreckt, erklärten Bahn und Polizei. Der Materialschaden für die Bahn betrug 2012 rund 17 Millionen Euro. Allerdings kommen dazu die Kosten für Reparaturen und Überwachung sowie Zugverspätungen und Ausfälle. Insgesamt registrierte die Bahn im ersten Halbjahr rund 820 Diebstähle. Zwischen Januar und Juni gab es rund 61.400 Verspätungsminuten wegen Metalldiebstählen.

Ostdeutschland ist Schwerpunkt bei Diebstählen

Die Täter seien meist Banden aus Rumänien oder Polen, sagte Kessow. So sei Ostdeutschland wegen der Nähe zu den Heimatländern ein Schwerpunkt bei den Diebstählen. So sei etwa am Berliner Ostbahnhof die Zahl der Diebstähle zwischen Januar und August im Vergleich zum letzten Jahr gestiegen. Ursache sind nach Angaben von Grimmelt unter anderem Täter aus Osteuropa oder viele Baustellen, von denen Materialien gestohlen werden.

Tatsächlich sei in den vergangenen Wochen wieder ein leichter Anstieg der Fälle zu verzeichnen gewesen, berichtete Kessow. Es sei aber noch zu früh, um einen Zusammenhang mit den zuletzt ebenfalls wieder gestiegenen Kupferpreis herzustellen.