Der Berliner Wissenschaftsverlag Springer Science+Business Media will noch vor der Sommerpause an die Börse gehen. Das geplante erstmalige öffentliche Angebot (IPO) beziehe sich auf neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung von ungefähr 760 Millionen Euro. Die Eigentümer, der schwedische Finanzinvestor EQT und der singapurische Staatsfonds GIC, machten die Börsenpläne am Mittwoch offiziell. EQT und GIC hatten das Unternehmen 2010 für 2,3 Milliarden Euro den Investoren Cinven und Candover abgekauft.

Die Aktien sollen im Prime Standard der Frankfurter Börse gelistet werden. Die Konsortialbanken können nachträglich zusätzliche Wertpapiere zum Emissionspreis ausgeben.

Springer Science+Business Media ist der weltweit zweigrößte Wissenschaftsverlag und gibt wissenschaftliche Bücher und Fachzeitschriften heraus. Dazu gehören unter anderem die Verlagstöchter Gabler und Vieweg. Künftig setzt das Unternehmen man vor allem auf digitale Inhalte und den elektronischen Vertrieb.

Mit 7000 Mitarbeitern setzte der auf das Jahr 1842 zurückgehende Verlagskonzern im vergangenen Jahr 976 Millionen Euro um, zwölf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) stieg im gleichen Maße auf 344 Millionen Euro.

Der Springer-Verlag mit der Schachfigur des Springers als Logo wurde bereits im Jahr 1842 von Julius Springer in Berlin gegründet und ist damit älter als der Namensvetter, die 1946 ins Leben gerufene Axel Springer AG (“Bild“, Berliner Morgenpost).

Springer Science will mit dem erwarteten Nettoerlös seine Schulden abbauen. Die Eigentümer sollen nach dem IPO einen Mehrheitsanteil am Grundkapital der Gesellschaft behalten.

Verkaufsprozess läuft parallel weiter

Alternativ zu den Vorbereitungen für den Börsengang läuft aber Finanzkreisen zufolge der Verkaufsprozess für Springer Science weiter. Die endgültigen Gebote sind in diesen Tagen fällig. Bisher bieten drei Finanzinvestoren Bankern zufolge bis zu 3,5 Milliarden Euro, weitere könnten noch auf den Zug aufspringen und sich zu Bietergemeinschaften zusammenschließen.

Welchen Weg EQT und GIC letztlich einschlagen, werde sich in den nächsten zwei Wochen entscheiden, bevor das Springer-Science-Management auf Werbetour für einen Börsengang gehe, sagten zwei Insider. Finanzinvestoren treiben oft Börsengänge und Verkäufe parallel voran, um den Preis nach oben zu treiben.

Erstnotiz bereits Anfang Juli

Die Erstnotiz wird in Bankenkreisen für die erste Juli-Woche erwartet – wenige Tage nach dem Gabelstapler-Hersteller Kion, der seine Börsenpläne am Montag öffentlich gemacht hatte. Bei dem IPO (Initial Public Offering) würde Springer Science mit bis zu vier Milliarden Euro bewertet – die beiden Eigentümer könnten dann aber erst nach und nach über einen längeren Zeithorizont aussteigen. EQT-Deutschland-Chef Marcus Brennecke hatte sich am Dienstag alle Optionen völlig offen gelassen: „Ich hätte auch keine Probleme damit, die Firma noch ein paar Jahre zu halten.“

Begleitet wird der Börsengang von Goldman Sachs – das US-Institut organisiert zugleich den Verkauf – und JP Morgan. Die unabhängige Investment-Boutique Lilja & Co fungiert als Berater.

rtr/dpa/gri