Wertschöpfung

Berlins Universitäten erwirtschaften 1,7 Milliarden Euro

Die vier großen Unis der Stadt sind mit 14.400 Mitarbeitern ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt. Die Wertschöpfung liegt doppelt so hoch wie der Landeszuschuss von 840 Millionen Euro.

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Die Berliner Universitäten sind nicht nur wissenschaftlich exzellent, sondern auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt. Die regionale Wertschöpfung von Humboldt-Universität, Freier Universität, Technischer Universität und der Universität der Künste summiert sich auf 1,7 Milliarden Euro und liegt damit doppelt so hoch wie der jährliche Zuschuss des Landes, der 840 Millionen Euro beträgt. „Diese Zahl sollte das Land Berlin nicht beliebig aufs Spiel setzen“, sagte TU-Präsident Jörg Steinbach, der am Dienstag gemeinsam mit den anderen Präsidenten eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung über die regionalökonomischen Effekte der Hochschulen vorstellte.

Die Warnung richtet sich an Senat und Abgeordnetenhaus, denn diese beraten derzeit über den Haushaltsplan für 2014/15. Die Hochschulen fordern für die nächsten vier Jahre eine Erhöhung des Zuschusses um insgesamt 142 Millionen Euro, von denen 100 Millionen an die vier Universitäten gehen sollten.

Der Termin war mit Bedacht gewählt. Die vier Präsidenten der Berliner Universitäten wollten in der entscheidenden Phase der Haushaltsberatungen ein Zeichen der Einigkeit setzen. Und sie wollten deutlich machen, dass ihre Forderung nach 100 Millionen Euro mehr Landeszuschuss vom Senat, den sie im Zuge der Verhandlungen über die Hochschulverträge bis 2017 erwarten, berechtigt sei. Geld für Universitäten sei eine gute Zukunftsinvestition. Diese Botschaft sollte Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) mitnehmen, wenn sie sich noch diese Woche mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zum Chefgespräch trifft.

Zum Beleg präsentierten Jörg Steinbach (TU), Jan-Hendrik Olbertz (HU), Martin Rennert (UdK) und Peter-André Alt (FU) eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), das erstmals die regionalökonomischen Effekte der vier Unis gemeinsam für Berlin aufzeigt.

Die versteuerten Einkommen bringen Berlin fast 120 Millionen Euro

Demnach übersteigt die von den Universitäten direkt und indirekt ausgelöste Wertschöpfung mit 1,7 Milliarden Euro den Landeszuschuss von 840 Millionen Euro pro Jahr um das Doppelte. Die vier Universitäten beschäftigen direkt 14.400 Mitarbeiter, weitere 10.400 Jobs entstehen nach Berechnungen der DIW-Ökonomen durch die Nachfrage der Universitäten nach Dienstleistungen und Gütern. Allein die aus diesen fast 25.000 Arbeitsplätzen versteuerten Einkommen brächten fast 120 Millionen Euro in die Landeskasse. Hinzu kommen die 96.000 Studierenden, die in Berlin leben und konsumieren. Sie gaben 2011 rund eine Milliarde Euro in der Stadt aus. „Das ist mehr als ein Taschengeld“, sagte TU-Präsident Jörg Steinbach.

Die Uni-Präsidenten räumten ein, dass ihre Forderungen an den Senat die von der Koalition aus SPD und CDU vereinbarten durchschnittlichen Steigerungen im Doppelhaushalt 2014/2015 deutlich übersteigen. Nach ihren Berechnungen benötigen sie statt derzeit 840 Millionen Euro pro Jahr im Jahr 2017 insgesamt 100 Millionen Euro mehr, um steigende Kosten für Tariflöhne oder Energie aufbringen zu können. Dazu komme der steigende Zuschuss für die Fachhochschulen.

Diese Summe sei notwendig, um das erreichte Niveau halten zu können. Sollte der Senat nicht bereit sein, diese Summe zu bezahlen, müssten die Unis Kapazitäten abbauen und die gerade mühsam mit Finanzhilfe des Bundes im Hochschulpakt aufgebauten Studienplätze streichen. Denn Abstriche der wissenschaftlichen Qualität werde es mit ihnen nicht geben, versicherten die Präsidenten unisono. FU-Präsident Alt verwies auf die „herausragende Drittmittelleistung“ der Unis, die zusammen im Jahr 2012 500 Millionen Euro bei anderen Finanziers als dem Land eingeworben hätten.

Exzellenzinitiative bringt Humboldt-Uni 360 zusätzliche Stellen

Sein HU-Kollege Olbertz sagte, allein das Geld aus der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder habe seiner Universität 360 zusätzliche Stellen eingebracht, insgesamt sei an der HU jeder dritte Mitarbeiter über Drittmittel bezahlt. Diese Erfolge seien aber gefährdet, wenn die Grundfinanzierung sinke. Auch seien die Kooperationen der Unis mit den außeruniversitären Forschungseinrichtungen bedroht, die gerade in den vergangenen Jahren viele Institute und Projekte der großen Wissenschaftsorganisationen nach Berlin gezogen hätten.

Steinbach rechnete vor, dass pro zehn Millionen Euro, den der Zuschuss unter den Bedürfnissen der Universitäten zurückbleibe, 3000 Studienplätze für Erstsemester gefährdet seien. Denn die Unis könnten kurzfristig nur die Zahl der wissenschaftlichen Mitarbeiter für die Lehre der Studienanfänger verringern.

Aus den Universitäten gehen Firmen hervor

Steinbach hob die vielen Impulse hervor, die Ausgründungen in der Berliner Wirtschaft setzten. Zwischen 2007 und 2011 seien allein vom Bund 780 Gründungsstipendien des Bundes an Absolventen der Berliner Unis gegangen. Auch jeder vierte Euro Risikokapital aus dem High-Tech-Fonds des Bundes sei an Unternehmen mit Wurzeln in den Berliner Universitäten gegangen. „Wir haben den Regelkreis geschlossen“, sagte Steinbach. Geld, das das Land investiere, fließe de facto wieder in die Kassen des Landes zurück.

UdK-Präsident Rennert betonte die Bedeutung seines Hauses für die Kreativbranche der Stadt. „70 Prozent unserer Absolventen bleiben in Berlin“, sagte Rennert.