Schuldenkrise in Greichenland

Deutsche Finanzbeamte wollen Steuern eintreiben

Mehr als 160 deutsche Finanzbeamte stehen bereit, um in Griechenland eine moderne Finanzverwaltung aufzubauen. Vor allem Steuersündern soll es dann verschärft an den Kragen gehen.

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Deutsche Finanzbeamte sollen dem Euro-Krisenland Griechenland beim Aufbau einer modernen Finanzverwaltung helfen. Dazu stünden bereits über 160 Freiwillige aus deutschen Finanzbehörden bereit, sagte Staatssekretär Hans Bernhard Beus aus dem Bundesfinanzministerium dem Magazin „Wirtschaftswoche“. Für die Aufbauhelfer seien englische Sprachkenntnisse Voraussetzung, ein Dutzend spreche auch griechisch.

Griechenland hat große Probleme mit seiner Finanzverwaltung sowie beim Eintreiben seiner Steuern. Im Januar hatte die Regierung in Athen eine 170 Seiten lange Liste mit den Namen von 4000 Steuersündern veröffentlicht. Sie schulden dem griechischen Staat den Angaben zufolge insgesamt knapp 15 Milliarden Euro. Die Regierung unter Ministerpräsident Lucas Papademos hatte angekündigt, hart gegen Steuersünder vorzugehen

Wie das Magazin unter Berufung auf ein vertrauliches Dossier der Generaldirektion Steuern der EU-Kommission berichtete, gibt es sogar Forderungen des griechischen Staates gegenüber den größten Steuerschuldnern in Höhe von 63 Milliarden Euro.

75 Prozent der qualifizierten Selbstständigen wie Ärzte, Notare und Ingenieure würden Einkünfte unterhalb des steuerlichen Existenzminimums erklären, die 1000 größten Steuerzahler mit 50 Prozent des Steueraufkommens würden kaum überprüft. 15 bis 20 Milliarden Euro Steuern würden jährlich hinterzogen.

Besonders viele deutsche Finanzbeamte, die nun in Griechenland helfen sollen, kommen laut „Wirtschaftswoche“ aus Nordrhein-Westfalen. Landesfinanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) sagte dem Blatt: „Griechenland steht heute vor den Problemen, die die ehemalige DDR 1990 hatte.“ Allerdings warnte er zugleich: „Die schon erheblichen Vorbehalte mancher Ostdeutschen gegen die Wessis werden bei den Griechen gegenüber den Deutschen ungleich größer sein – auch wegen manch unpassender Töne aus Deutschland.“

Auch der hessische Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) stelle ein Kontingent für den Aufbau. Hessen habe vor rund 20 Jahren vergleichbare Aufbauarbeit in der thüringischen Landesverwaltung geleistet, sagte Schäfer der „Wirtschaftswoche“: „Wir sollten bei der Hilfe für Griechenland auch die Möglichkeit der Reaktivierung deutscher Steuerbeamter im Ruhestand in Erwägung ziehen, da hier große praktische Erfahrungen mobilisiert werden können.“