Steuersünder-Hitliste

Grieche schuldet seinem Staat 952.087.781 Euro

Die griechische Regierung steht Steuersündern hilflos gegenüber. Die Nummer 1 auf der "Liste der Schande" ist ausgerechnet Steuerberater.

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Im Rahmen ihrer Kampagne gegen ein „nationales Übel“ hat die griechische Regierung eine Liste angeblicher Steuerhinterzieher veröffentlicht . Die Liste umfasst 4152 Personen, die dem Fiskus angeblich knapp 15 Milliarden Euro schulden . Seit dem Frühjahr 2010 macht das Finanzministerium damit bereits die vierte Steuersünder-Liste publik – ohne dass dadurch wesentlich mehr Geld in die Kasse gekommen wäre.

Bezeichnend ist das Schicksal der Nummer 1 auf der neuen Steuersünder-Hitliste. Nikolaos Kasimatis, Ex-Steuerberater aus Thessaloniki, schuldet dem Staat angeblich 952.087.781 Euro. Allerdings wurde er schon am 26. Februar 2010 wegen Steuerhinterziehung zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Das Geld hat der Staat aber immer noch nicht. Bezeichnenderweise wurden zusammen mit Kassimatis zwei Finanzbeamte verurteilt, die mit ihm unter einer Decke steckten. Griechenlands Steuerbehörden gelten als notorisch korrupt .

Zum ersten Mal stellte der griechische Finanzminister im Mai 2010 Steuersünder an den Pranger: Damals wurden die Namen von 57 Chirurgen, Zahnärzten und anderen Medizinern aus Athens Nobelstadtteil Kolonaki veröffentlicht, die teils Jahreseinkommen von umgerechnet 300 Euro angaben, aber Millionen Euro auf dem Konto hatten.

Gegen viele Ärzte wurden Verfahren eröffnet – nur wenige sind bis heute abgeschlossen. Steuerverfahren können in Griechenland wegen der schlecht funktionierenden Justiz bis zu einem Jahrzehnt in Anspruch nehmen.Für Schlagzeilen sorgte 2010 auch die damalige Vize-Tourismusministerin Angela Gerekou: Ihr Mann, der Schlagersänger Tolis Voskopoulos, schuldete dem Fiskus angeblich 7 Millionen Euro.

Gerekou trat im Mai 2010 zurück – das Geld soll der seine Unschuld beteuernde Sänger griechischen Medien zufolge bis heute nicht bezahlt haben. Dabei war es damals noch gar nicht erlaubt, Steuersünden öffentlich zu machen: Ein solches Gesetz erließ die Regierung erst im Frühjahr 2011.

Anfang November 2011 schickte das Finanzministerium Drohbriefe an 150.000 Steuerschuldner : Wer nicht bis Ende November 2011 zahle, dessen Name werde im Internet veröffentlicht. Genau diese Liste ließ Finanzminister Evangelos Venizelos nun ins Netz stellen. Zweifel am Erfolg sind nicht nur wegen der bereits hinter Gittern sitzenden Steuerberater angebracht. Bereits am 8. September 2011 veröffentlichte das Finanzministerium eine Liste mit 6000 Namen von Unternehmen, die angeblich Steuerschulden von insgesamt 37,1 Milliarden Euro angehäuft hatten.

Viele von ihnen waren jedoch seit Jahren bankrott – etliche andere Namen waren die von Strohfirmen. Als größter Sünder mit einer Steuerschuld von 1,26 Milliarden Euro entpuppte sich übrigens die OSE – Griechenlands staatliche Eisenbahn. Bislang wurde nicht bekannt, dass die Bahn ihre Schulden bezahlt hat.