Helmut Schmidt

Für Altkanzler ist Griechen-Pleite kein Desaster

Altkanzler Helmut Schmidt hält eine mögliche vorübergehende Zahlungsunfähigkeit Griechenlands nicht für ein Desaster. Für Griechen und Europäer wäre eine solche Situation zwar "ein großes Unglück, aber kein existenziell gefährdendes Unglück".

Foto: HA / A.Laible

Altkanzler Helmut Schmidt hat an die Europäer appelliert, aus politischen Gründen einen Bankrott Griechenlands zu vermeiden. „Wenn dieser Staat vorübergehend zahlungsunfähig würde, dann wäre das für die Griechen und die Europäer ein großes Unglück, aber kein existentiell gefährdendes Unglück“, ordnete Schmidt eine solche Möglichkeit in einem Interview der Wochenzeitung „Die Zeit“ ein, wie das Blatt am Mittwoch vorab berichtete. Die politischen Folgen würden möglicherweise aber schwerer wiegen. Es könnte der Eindruck entstehen, dass es mit der Solidarität der Europäer noch viel schlechter bestellt sei als gedacht. „Das Vertrauen der Gemeinschaft der 27 Mitglieder würde weiter schwinden. Dieser politische Preis wäre zu hoch“, warnte er.

Griechenland braucht nach Einschätzung des Altkanzlers einen „durchgreifenden Gesundungsplan“, der sich nicht auf finanzielle Hilfen beschränken dürfe. Er kritisierte „Ermahnungen, Ratschläge und herablassende Belehrungen“ der anderen EU-Mitglieder, die Griechenland in eine Depression gestürzt hätten. Er scheue daher den Vorwurf an die Griechen, sie hätten nicht ganz so viel gespart wie ihnen abgefordert wurde. Das ändere nichts daran, dass dem Land bittere Jahre bevorständen.

Bezogen auf die Probleme dieser Tage in größerem Maßstab relativierte der Altkanzler: „Die Staatsverschuldung ist ein Problem unter mehreren.“ Er ergänzte: „Ein viel dickeres Problem ist die uferlose Handlungsfreiheit auf den globalen Finanzmärkten.“ Auf diesen Märkten tummelten sich „intelligente, aber einäugige Idioten“. Sie seien blind auf dem Auge, das das Gemeinwohl im Blick haben sollte. „Man muss sie zügeln“, forderte er. Den Willen dazu erkenne er aber nicht.