Euro-Krise

IWF zieht Ankauf von Staatsanleihen in Betracht

Der Europa-Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Antonio Borges, hat den Kauf europäischer Staatsanleihen durch den IWF ins Spiel gebracht. Der IWF könnte "an der Seite" des EFSF investieren, wenn er Anleihen von Italien und Spanien kaufe.

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Der Europa-Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Antonio Borges, hat den Kauf europäischer Staatsanleihen durch den IWF ins Spiel gebracht. Borges sagte am Mittwoch in Brüssel, neben dem Rettungsfonds EFSF könnte auch der IWF am Sekundärmarkt investieren. Borges sprach sich gegen einen „gigantischen“ Rettungsfonds aus. Eine mögliche Option wäre es, den EFSF zu nutzen, um Investoren einen Schutz vor Verlusten zu bieten, sagte er.

Der Fonds könnte neben dem reformierten Euro-Rettungsschirm EFSF Anleihen etwa von Spanien oder Italien erwerben, wenn es nötig sei, um das Marktvertrauen in diese Papiere zu stärken, so Borges. Dazu könnte der IWF eine Zweckgesellschaft aufsetzen, ergänzte er. So sei schon früher in anderen Fällen verfahren worden.

Borges wandte sich erneut dagegen, den EFSF noch weiter in gigantische Höhen auszuweiten. Der Fonds sei nicht die Lösung für alle Probleme, hatte er schon früher erklärt. Ein umfassender Forderungsverzicht Griechenlands würde nach seiner Einschätzung nicht alle Schwierigkeiten beheben. Borges plädierte auch dafür, die Regeln zur Privatsektor-Beteiligung am geplanten zweiten Griechenland-Hilfspaket zu ändern. Der IWF werde sich definitiv an diesem Programm beteiligen, wenn die Experten von der Entschlossenheit des griechischen Sparkurses überzeugt seien. Borges äußerte sich zudem zuversichtlich, dass die nächste Griechenland-Tranche letztlich ausgezahlt wird. „Wir sind zuversichtlich, dass die Verhandlungen zu einem positiven Abschluss kommen“, sagte Borges. Gleichzeitig kündigte Borges an, dass das zweite Hilfspaket für Griechenland wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage und der nur langsam vorankommenden Reformen überarbeitet werden müsse. Das bedeute aber nicht unbedingt, dass die Inhaber von griechischen Anleihen mit größeren Verlusten rechnen müssten.

Die Euroländer hatten eine Entscheidung über die Auszahlung der nächsten Tranche in Höhe von acht Milliarden Euro für Griechenland am Montag zunächst aufgeschoben, weil die sogenannte Troika aus IWF, EU-Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB) mehr Zeit braucht, um die griechischen Spar- und Reformbemühungen zu überprüfen. Ihre Bewertung ist die Grundlage für eine Entscheidung über die Freigabe des Geldes. Ursprünglich sollte diese bereits im September fallen, Griechenland kommt nach eigenen Angaben aber noch bis Mitte November ohne weitere Hilfszahlungen aus dem Ausland über die Runden.

Borges sprach sich für eine Überarbeitung des erst im Juli verhandelten zweiten Hilfsprogramms für Griechenland aus. Nötig sei ein Programm, das den Schwerpunkt auf die Tragfähigkeit der Schulden des Landes und ein erneutes Wachstum der am Boden liegenden griechischen Wirtschaft lege. Griechenland hatte am Wochenende mitgeteilt, dass es in diesem und im kommenden Jahr die vereinbarten Sparziele nicht erreicht. Zudem wird die griechische Wirtschaft in diesem und dem kommenden Jahr weiter schrumpfen. Als einen Grund hatte die Regierung in Athen die vereinbarten Sparmaßnahmen genannt.

Die Eurogruppe prüft inzwischen eine größere Beteiligung der Banken an dem zweiten Hilfspaket für Griechenland, wie Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Dienstag in Luxemburg sagte. Es werde geprüft, ob die bei der Vereinbarung des Pakets im Juli angenommenen Voraussetzungen noch gegeben sind. Sei dies nicht der Fall, könne es sein, „dass wir es anpassen müssen“.

Möglich ist damit, dass die Banken einen höheren Beitrag als bislang vereinbart zur Rettung Griechenlands vor dem Bankrott leisten sollen. Im Rahmen des zweiten Hilfspakets für Griechenland war beschlossen worden, dass private Gläubiger Athens auf 21 Prozent ihrer Forderungen verzichten müssen.