Familie und Beruf

Unternehmen bieten Familien keine Flexibilität

Wer heute Job und Familie unter einen Hut bringen will, macht sich lieber selbstständig, als sich auf Staat, Politik und Unternehmen zu verlassen.

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Die Deutschen gehen gern auf Nummer sicher. Sie scheuen das Risiko, auch das unternehmerische. Im internationalen Vergleich gelten sie als „Gründungsmuffel“ , sie arbeiten lieber für den Staat oder ein großes Unternehmen, als den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. Doch das Gründungsklima ist dabei, besser zu werden, ergeben neueste Umfragen. Der Grund dafür überrascht: Immer mehr junge Leute machen sich selbstständig, weil sie glauben, so Job und Familie besser unter einen Hut bringen zu können.

Dieser Befund zeigt, wie kläglich es mit der von der Politik immer wieder beschworenen Vereinbarkeit von Familie und Beruf tatsächlich bestellt ist. Der Ausbau von Betreuungsplätzen und Ganztagsschulen kommt nur schleppend voran . U m Kinder und Arbeit organisiert zu bekommen, entscheiden sich viele Mütter (und zunehmend auch mehr junge Väter) für Teilzeitjobs , wohl wissend, dass ihre Karrierechancen im Unternehmen dadurch nicht gerade steigen.

Am schlimmsten trifft es die Alleinerziehenden: Hunderttausende von alleinerziehenden Müttern sind auf Hartz IV angewiesen, weil eine Betreuung in Kindergarten oder Horten am Abend oder am Wochenende nicht vorgesehen ist.

Die Selbstständigkeit mag da als ein Ausweg erscheinen. Selbstständige arbeiten wohl kaum weniger als Festangestellte, aber sie können sich ihre Arbeitszeit flexibel einteilen. Dass viele kleine und auch große Unternehmen offensichtlich nicht in der Lage oder Willens sind, ihren Beschäftigten diese Flexibilität zu verschaffen ist ein Trauerspiel. Hier muss endlich ein Umdenken beginnen.