Fusion

Neue Riesen-Krankenkasse versichert 6,6 Millionen

DAK und BKK Gesundheit schließen sich zur drittgrößten Krankenkasse zusammen. Und das dürfte lange nicht die letzte Fusion gewesen sein.

Foto: WON / WON/Montage

Die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) und die BKK Gesundheit schließen sich zu einer neuen Mega-Kasse zusammen. Die Verwaltungsräte stimmten der Fusion zur DAK-Gesundheit zum Jahreswechsel zu, wie beide Kassen mitteilten. Mit der neuen DAK-Gesundheit, die ihren Sitz in Hamburg haben wird, entsteht eine der größten Kassen in Deutschland mit insgesamt 6,6 Millionen Versicherten.

Über die Fusion der beiden gesetzlichen Kassen wurde bereits seit längerem verhandelt. Die BKK Gesundheit ist bisher die größte Betriebskrankenkasse mit rund einer Million Versicherten. Die DAK hat rund 5,6 Millionen Versicherte und ist damit die drittgrößte Ersatzkasse. Mit dem Zusammenschluss wird die DAK-Gesundheit nach Barmer GEK und Techniker Krankenkasse (TK) die drittgrößte gesetzliche Krankenkasse in Deutschland sein.

Die DAK hatte nach der Einführung eines Zusatzbeitrags im vergangenen Jahr viele Mitglieder verloren. Laut Geschäftsbericht verlor die Kasse von 2009 auf 2010 mehr als 154.200 Mitglieder und damit einschließlich der mitversicherten Familienangehörigen insgesamt knapp 233.300 Versicherte. Dadurch war der Druck zur Fusion gestiegen. Auch die BKK Gesundheit erhebt von ihren Mitgliedern einen Zusatzbeitrag von acht Euro im Monat, weil sie mit dem Geld aus dem Gesundheitsfonds nicht auskommt.

Die beiden Partner erwarten durch die Fusion deutliche Spareffekte . Die Kassen bündeln ihr Vertragsmanagement sowie ihre Versorgungsangebote. Beide Unternehmen stellen zurzeit ihre Informationstechnik auf eine neue Software um, die ebenfalls die Verwaltungskosten reduzieren soll.

Die rund 12.000 Arbeitsplätze in den beiden Unternehmen bleiben erhalten. Das sei im Fusionsvertrag ausdrücklich festgelegt, sagte ein DAK-Sprecher in Hamburg. Dennoch seien ab 2015 Einsparungen im zweistelligen Millionenbereich zu erwarten. Die neue Kasse könne auf bundesweit rund 850 Servicezentren zurückgreifen und sei gleichzeitig in vielen großen Betrieben verankert. Damit werde sich die DAK-Gesundheit „deutlich von ihren Mitbewerbern abheben“, erklärte DAK-Chef Herbert Rebscher.

Thomas Bodmer, Vorstand der BKK Gesundheit, betonte, die neue Kasse werde im Bereich der betrieblichen Gesundheitsangebote führend sein. Der Haushalt der neuen Kasse wird sich 2012 auf rund 20 Milliarden Euro belaufen. Für die Versicherten entsteht nach Angaben der Kassen durch die Fusion kein Aufwand. Alle Krankenversicherungskarten gelten weiter, alle Behandlungen könnten ohne Einschränkungen fortgesetzt werden.

Fusionstrend unter Kassen setzt sich fort

Mit dem Zusammenschluss setzt sich der Fusionstrend unter den gesetzlichen Kassen fort. Viele kleinere Betriebskrankenkassen haben sich bereits zusammengeschlossen – auch die BKK Gesundheit ist das Ergebnis zahlreicher Fusionen. Zum Jahresbeginn 2010 schlossen sich die Barmer und die GEK zur größten Krankenkassen Deutschlands mit rund 8,6 Millionen Versicherten zusammen.

Bereits 2009 war die Techniker Krankenkasse mit der IKK-Direkt fusioniert. Die TK ist mit 7,6 Millionen Versicherten die zweitgrößte Kasse. Experten erwarten weitere Fusionen. Derzeit gibt es noch 153 gesetzliche Kassen. Anfang der 1990er Jahre waren es noch mehr als 1000. Experten erwarten weitere Zusammenschlüsse, am Ende könnten dann 50 übrig bleiben.

Fusionen bringen den Kassen nicht nur Einsparmöglichkeiten durch eine gemeinsame, straffe Verwaltung. Mit der Größe einer Kasse wächst auch deren Verhandlungsmacht gegenüber Ärzten und Pharmaherstellern. So können große Kassen etwa mit Arzneimittelanbietern Rabattverträge aushandeln und so Millionen Ausgaben für Medikamente einsparen. Es gibt aber auch Fusionen aus der Not heraus. Ein starker Anbieter schließt sich dann mit einer schwächeren, von der Schließung bedrohten Kasse zusammen. Dies hatte auch die finanzschwache BKK für Heilberufe versucht.

Sie wollte sich mit der Bochumer BKK zusammenschließen. Doch diese zog ihr Angebot zurück, da der Finanzbedarf zur Sanierung der Kasse höher ausfiel als erwartet. Der BKK für Heilberufe droht nun die Schließung wie schon der City BKK . Von dem Aus der BKK für Heilberufe wären rund 120.000 Versicherte und 150 Mitarbeiter betroffen.