Förderung

Saudi-Arabien will Öl-Engpässe ausgleichen

Der weltgrößte Öl-Exporteur Saudi-Arabien erwägt wegen der Libyen-Krise eine Ausweitung seiner Ausfuhr. Die Preise bleiben weiter hoch.

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Die anhaltenden Unruhen in Libyen halten die Ölpreise weiterhin auf einem hohen Niveau. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur April-Lieferung kostete im frühen Handel 112,48 US-Dollar. Das waren 1,12 Dollar mehr als am Vortag. Am Donnerstag war der Brent-Ölpreis in der Spitze bis auf 119,79 Dollar gestiegen. Das war das höchste Niveau seit Ende August 2008. Der Preis für ein Barrel der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) legte um 40 Cent auf 97,68 Dollar zu.

Nach wie vor bestimmt laut Händlern die Sorge vor einer weiteren Eskalation der Gewalt in anderen Ländern Nordafrikas und im Nahen Osten die Entwicklung am Ölmarkt. In Libyen selbst haben die blutigen Unruhen die Ölproduktion bereits deutlich verringert. Zahlreiche internationale Konzerne zogen ihre Mitarbeiter ab. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) sind jedoch trotz der blutigen Unruhen in Libyen keine Engpässe in der Versorgung zu befürchten. Die bisherigen Produktionsausfälle machen demnach nur rund einen Prozent des täglichen globalen Verbrauchs aus.

Ausbleibende Lieferungen könnten die Mitgliedsstaaten – zu denen die USA, Deutschland, Großbritannien und Frankreich gehören – ohne weiteres durch eigene Vorräte ausgleichen. Die IEA steht eigenen Angaben zufolge außerdem in engem Kontakt mit der Organisation der Erdöl exportierenden Länder (OPEC). Dessen wichtigstes Mitglied Saudi-Arabien verhandelt Kreisen zufolge über die Ausweitung seiner Ölexporte. Damit sollen Lieferengpässe wegen der Libyen-Krise ausgeglichen werden.

Saudi-Arabien befinde sich in „aktiven Gesprächen“ mit europäischen Raffinerien, sagten führende Vertreter der saudiarabischen Ölindustrie. Das Königreich habe die Firmen gefragt, wie viel Öl sie benötigten und in welcher Qualität. Zu den Ölkonzernen, die in Libyen arbeiten, zählen die spanische Repsol und die italienische Eni. Die beiden Konzerne mussten wegen der Gewalt in dem nordafrikanischen Land ihre Produktion verringern oder stoppen.

In den vergangenen Tagen hatten Opec-Vertreter mehrmals betont, Saudi-Arabien würde bei Lieferengpässen in die Bresche springen. Analysten sind aber skeptisch, ob das Land schnell genug auf Ausfälle reagieren kann. Libyen ist der drittgrößte Ölförderer Afrikas. Raffinerien in Europa importieren rund 80 Prozent der libyschen Ölausführen von 1,3 Millionen Barrel am Tag. Nach Reuters-Berechnungen haben die Unruhen in Libyen bislang zu einem 25-prozentigen Einbruch der dortigen Produktion geführt. Zudem verunsichern Spekulationen auf ein mögliches Übergreifen der Proteste auf andere Ölförder-Staaten der arabischen Welt die Investoren.