Doppelter Abi-Jahrgang

IHK-Präsident glaubt an mehr Lehrstellen in Berlin

Am Montag starten 17.000 Berliner in ihr letztes Schuljahr vor dem Abitur. IHK-Präsident Eric Schweitzer erklärt, warum eine Berufsausbildung für viele eine Alternative zum Studium ist und warum Real- und Hauptschüler dadurch nicht verdrängt werden.

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Das Handwerk in Berlin und Brandenburg sieht sich im Aufwind. Der Mehrheit der Betriebe geht es derzeit besser als 2010, und für das zweite Halbjahr erwarten sie weitere Verbesserungen bei Umsatz und Aufträgen.

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Am Montag beginnen mehr als 17.000 Berliner Abiturienten ihr letztes Schuljahr. Im nächsten Jahr drängt der doppelte Jahrgang in die Unis und auf den Ausbildungsmarkt. Über die Situation am Lehrstellenmarkt sprach Hans Evert mit dem Präsidenten der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK), Eric Schweitzer.

Morgenpost Online: Herr Schweitzer, rechnen Sie im nächsten Jahr mit einem Run auf Ausbildungsplätze?

Eric Schweitzer: Wir werben dafür – bei den Abiturienten und den Unternehmen gleichermaßen. Eine Berufsausbildung ist eine echte Alternative zu einem Studium, die den Absolventen erstklassige Arbeitsmarktchancen und gute Karriereperspektiven bietet. Und für die Unternehmen gilt: Der doppelte Abiturjahrgang wird auf lange Sicht zum letzten Mal dazu führen, dass eine große Zahl gut qualifizierter Schulabgänger auf den Ausbildungsmarkt kommt.

Morgenpost Online: Werden die Berliner Unternehmen mehr Plätze zur Verfügung stellen?

Eric Schweitzer: Ich gehe davon aus. Die Unternehmen werden ihren Fachkräftenachwuchs aus den Absolventinnen und Absolventen des doppelten Abiturjahrganges rekrutieren oder versuchen, 2011 nicht besetzte Ausbildungsplätze dann nachzubesetzen. Wenn Sie heute, also kurz vor dem Beginn des Ausbildungsjahres 2011, einen Blick in die Ausbildungsplatzbörse werfen, sehen Sie nämlich, dass es den Betrieben längst nicht gelungen ist, alle ihre Ausbildungsplätze zum 1. September 2011 zu besetzen.

Morgenpost Online: Verdrängen die vielen Abiturienten nicht Haupt- und Realschüler im nächsten Jahr?

Eric Schweitzer: Nein. „Doppelter Abiturjahrgang“ bedeutet ja nicht „doppelt“ so viele Abiturienten. Der Rückgang der Schülerzahlen macht auch vor Berlin nicht halt. Während in 2009 noch rund 12.600 Absolventen mit allgemeiner Hochschulreife die allgemeinbildende Schule verlassen haben, waren es 2011 nur noch knapp 10.000. Im Jahr 2012 werden es dann einmalig wieder etwas mehr als 17.000 sein. Für Unternehmen ist dies die einmalige Gelegenheit, aus einer Vielzahl an Bewerbern den Bedarf zu decken, bevor eine lange Durststrecke kommt. Vor diesem Hintergrund stehen sowohl den Abiturienten, aber auch den Absolventen anderer Schulformen, die ausbildungswillig und -fähig sind, alle Wege offen. Für die Schulabgängerinnen und Schulabgänger des nächsten Jahres und ihre Eltern besteht also kein Anlass zur Panik. Ein Ansporn, sich frühzeitig zu kümmern, sollte es aber schon sein. Erste Angebote gibt es auch bereits. Unsere Ausbildungsplatzbörse verzeichnet derzeit schon über 500 Plätze für das Ausbildungsjahr 2012.