Zuckerberg & Co.

Generation Internet spielt den Wohlfahrtsstaat

Mark Zuckerberg will es wie Bill Gates machen – und die Hälfte seines Vermögens spenden. Doch an der großzügigen Aktion gibt es auch Kritik.

Foto: AFP

Mark Zuckerberg hatte immer wieder ein Händchen dafür, sich bei seinen Kommilitonen nicht sonderlich beliebt zu machen. Während er noch an der Universität Harvard studierte, entwickelte er die Internetseite Facemach. Dafür besorgte er sich die Fotos seiner Kommilitonen, die diese auf den Internetseiten ihrer jeweiligen Studentenwohnhäuser gestellt hatten und sortierte sie zu Pärchen, so dass ganz Harvard darüber abstimmen konnte, ob sie die kleine Blonde besser fanden oder doch die große Brünette. Für einen grandiosen Witz hielten das nur diejenigen, die auf Facemach entweder gar nicht auftauchten oder gut abschnitten. Für alle anderen war es ein öffentlicher Schlag ins Gesicht. Kurz nachdem die Seite online ging, wurde sie von der Universitätsleitung auch schon wieder gesperrt.

Vor wenigen Wochen nun ist Zuckerberg dieses Relikt seiner Vergangenheit losgeworden. Bei einer Onlineauktion wurde Facemach für rund 30.000 Dollar versteigert. Finanziell hat sich dieses Experiment aus dem Jahr 2003 im Vergleich zu seinem heutigen Erfolg nicht ausgezahlt. Nur ein Jahr später gründete Zuckerberg Facebook und wurde kurze Zeit später der jüngste Milliardär der Welt. Und zwar im Alter von 23 Jahren.

Heute ist Zuckerberg 26 und scheint sich zumindest äußerlich weiterhin nicht viel aus seinen Milliarden zu machen. Bei Treffen mit Geschäftspartnern, Anwälten und Werbeleuten soll er nach wie vor in Jeans auftauchen. Diese dürfen sich schon geehrt fühlen, wenn er Turnschuhe anstelle von Adiletten trägt und ein Jackett statt eines Kapuzenpullis überstreift. Bis vor kurzem wohnte Zuckerberg mit seiner Freundin auch noch in einem unspektakulären Haus in Palo Alto, das der Makler in einer Anzeige nun vor allem für seinen Kamin und das große Wohnzimmer anpreist.

Ob Microsoft-Gründer Bill Gates und die Investorenlegende Warren Buffett daher lange auf Zuckerberg einreden mussten, ist nicht bekannt. Jedenfalls hat sich der Facebook-Gründer zusammen mit 17 anderen Milliardären nun dem Spendenclub „The Giving Pledge“ angeschlossen, was übersetzt „Spendenversprechen“ bedeutet. Bill Gates und Warren Buffett haben die Initiative im Juni gegründet. Wer sie unterstützt, ist bereit, entweder zu Lebzeiten oder im Todesfall mindestens die Hälfte seines Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden.

40 Wohlhabende sind schon seit dem Sommer dabei, Hunderte sollen es irgendwann werden. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg gehört ebenso dazu wie Oracle-Mitgründer Larry Ellison. Nun ist auch der Karstadt-Investor Nicolas Berggruen beigetreten. Das „Wall Street Journal“ zitiert den 48-Jährigen mit der Aussage, dass Reichtum nicht nur ein Privileg, sondern auch eine Verantwortung sei. Ihm sei wichtig, dass er mitentscheiden könne, wie sein Geld für den guten Zweck eingesetzt werde.

Genau daran haben sich in den vergangenen Monaten einige Kritiker gestört. Sie ärgert, dass die Milliardäre ihr Geld lieber selbst verteilen – anstelle es nach ihrem Tod als Erbschaftssteuer an den Staat abzuführen, der dann damit Schulen finanziert oder Straßen und Brücken baut. Sie vertrauen lieber dem Urteil einer demokratisch gewählten Regierung statt dem Menschen, der diesen Reichtum durch seine Intelligenz, Schaffenskraft und sicherlich auch ein bisschen Glück erworben hat.

Es ist daher nicht erstaunlich, dass sich Gates und Buffett schwer tun, außerhalb der USA Spender zu finden. Zwar heißt es auch im deutschen Grundgesetz, dass Eigentum verpflichtet. Doch diese Verpflichtung sieht man in Deutschland eher darin erfüllt, seine Steuern und Abgaben an den Staat abzuführen. Dieser übernimmt dann die Aufgaben, die für das Gemeinwohl wichtig sind. Wer sich darüber hinaus sozial engagiert, macht dies in der Regel lieber im Stillen und ohne großes Aufheben um seine Person oder gar die Summe.

Ganz anders dagegen Amerika. Einen Prachtbau wie das Metropolitan Museum in New York etwa gibt es nur, weil ihn der Bankier J.P. Morgan mit aller Kraft unterstützt hat und einen Großteil seiner Sammlung an Büchern und Gemälden zur Verfügung stellte. In der Eingangshalle erinnert eine Plakette an den besonderen Wunsch einer mittlerweile verstorbenen Dame. Sie gab ihr Geld dem Museum unter der Bedingung, dass damit regelmäßig frische Blumen gekauft werden. Ist sie deshalb nun egoistisch? Sollte ihr Geld nicht besser für Polizisten oder Kindergärtner ausgegeben werden? Würde das Museum nicht auch ohne ihre Spende selbst die Vasen im Eingang regelmäßig füllen, aber dies dann ganz nach den Vorgaben des Budgets? Die Antwort hängt stark von dem Grad an Freiheit ab, den man für sich selbst und für seine Mitbürger als angemessen empfindet. Gerade im Fall von Mark Zuckerberg vermuten viele, dass er mit der Aktion seinen Ruf polieren will. Liegen sie richtig, wäre es die vermutlich teuerste Imagekampagne der Welt.

Spendenbereitschaft geht zurück

Vor einigen Wochen spendete Zuckerberg 100 Millionen Dollar an Schulen in Newark. In den USA werden die Schulen von den Steuereinnahmen der Gemeinden finanziert. Sie leiden unmittelbar darunter, wenn es der Wirtschaft schlecht geht. Die Bereitschaft für Spenden hat aber unter der Finanzkrise gelitten. 2009 wurden laut „Giving USA“ mit 304 Milliarden Dollar fast vier Prozent weniger abgegeben als im Vorjahr.

Zuckerberg dürfte sich im Laufe seiner Karriere sicher nicht immer perfekt verhalten haben. Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, ob er die Idee für Facebook geklaut hat oder nicht. Mit seiner Spendenbereitschaft hat er jedoch klar gemacht, dass es ihm um die Sache geht und das ist in seinem Fall nun mal der Erfolg von Facebook. Damit unterscheidet er sich zumindest von jenen Finanzjongleuren, deren einziges Ziel das vierte Auto und das dritte Sommerhaus ist. „Die Leute geben oft erst sehr spät in ihrer Laufbahn etwas zurück“, sagte Zuckerberg als Begründung für seine Teilnahme an „The Giving Pledge“. „Aber warum soll man so lange warten, wenn doch so viel zu tun ist?“