Trotz Sorge um den Euro: Die Ausgaben der Verbraucher steigen seit Monaten, und Ökonomen gehen davon aus, dass der private Konsum im kommenden Jahr einer der Haupttreiber der Konjunktur sein wird. Nach dem häufig beschworenen Wunder auf dem Arbeitsmarkt steht offenbar die große Konsumüberraschung bevor. Ökonomen erwarten, dass vor allem die gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und steigende Löhne den privaten Verbrauch ankurbeln werden. Das Marktforschungsinstitut GfK rechnet deshalb damit, dass die Kaufkraft der Bundesbürger im kommenden Jahr um 499 Euro steigen wird.

Im November ist die Arbeitslosigkeit im 17. Monat in Folge zurückgegangen, und Ökonomen erwarten, dass diese Entwicklung anhält: Das Ifo-Institut rechnet damit, dass die Zahl der Arbeitslosen im kommenden Jahr um 300.000 auf unter drei Millionen im Jahresschnitt sinken wird. Auch die Löhne werden 2011 steigen, nachdem die Gewerkschaften sich bei den letzten Lohnverhandlungen in der Krise zurückgehalten hatten.

Eine Billion mehr zum Shoppen

Schon im kommenden Jahr erwarten die Marktforscher von GfK-Geomarketing, dass die Menschen mehr Geld zur Verfügung haben werden. Ihren Berechnungen zufolge steigt die Kaufkraft steigt im Vergleich zu diesem Jahr um 499 Euro. Die gesamte Bevölkerung kann im kommenden Jahr mehr als eine Billion Euro ausgeben; insgesamt werden die Bundesbürger über 1610,2 Milliarden Euro verfügen – das sind pro Person durchschnittlich 19.684 Euro. Diese Zahl fasst das Nettoeinkommen nach Steuern und Sozialversicherungsabgaben zusammen. Berechnet hat sie das Marktforschungsinstitut GfK GeoMarketing.

Verantwortlich für die positive Entwicklung sind nach Ansicht der Marktforscher die Konjunkturerholung und die steigenden Löhne im kommenden Jahr. „Die Kaufkraft wird sich um 2,6 Prozent gegenüber 2010 erhöhen“, sagt Studienleiterin Simone Baecker-Neuchl. „Verantwortlich dafür sind unter anderem die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt und der prognostizierte Zuwachs der Nettolöhne und Rentenzahlungen.“

Die Prognostiker gehen allerdings davon aus, dass die steigende Inflation im kommenden Jahr einen Teil des Kaufkraftzuwachses wieder auffressen wird – die veröffentlichten Zahlen berücksichtigen die Inflation nicht. Die Bundesbank rechnet mit 1,7 Prozent Inflation im kommenden Jahr. Auch das Ifo-Institut geht in seiner aktuellen Konjunkturprognose von 1,7 Prozent Inflation aus. Auch höhere Beiträge für die Arbeitslosenversicherung und die gesetzliche Krankenversicherung werden an dem Einkommensplus nagen. Unter dem Strich werden also weniger als die knapp 500 Euro für zusätzlichen Konsum übrig bleiben.

In der Hauptstadt ist die Kaufkraft deutlich niedriger als im Bundesdurchschnitt. 2011 stehen den Berlinern 17.808 Euro zur Verfügung. Das sind immerhin 1,2 Prozent mehr als in diesem Jahr. Verglichen mit Großstädten wie München (26.863 Euro) und Hamburg (21.320 Euro) hinkt Berlin aber weit hinterher. Im Ranking der Bundesländer liegt Bayern vorn – mit einer Pro-Kopf-Kaufkraft von 21.326 liegt das Land bundesweit an der Spitze, gefolgt Hamburg, Hessen und Baden-Württemberg. Auf den hinteren Plätzen der Rangliste bleiben die ostdeutschen Bundesländer; am geringsten ist die Kaufkraft in Sachsen-Anhalt mit 16.421 Euro je Einwohner. Leicht höher sind sie in Mecklenburg-Vorpommern mit 16.456 Euro und Sachsen, wo jeder Einwohner durchschnittlich 16.457 ausgeben kann. Berlin ist mit fast 18.000 Euro unter den Ostländern am reichsten

Hochtaunus ist der Kreis der Reichsten

Die reichsten Stadt- und Landkreise befinden sich wie im Vorjahr rund um die Städte Frankfurt am Main und München – von den zehn Kreisen mit den höchsten Nettoeinkommen pro Person liegen acht in diesen Städten oder deren Speckgürtel. Der Hochtaunuskreis mit der Kreisstadt Bad Homburg führt die Liste an; dort hat jeder Einwohner im Schnitt 28.585 Euro zur Verfügung. Der Landkreis Starnberg folgt mit 28048 Euro, der Landkreis München mit 27.031 Euro. Direkt dahinter liegen der Main-Taunus-Kreis und die Stadt München. Die Unterschiede zwischen den 412 Kreisen in Deutschland sind groß: Die Einwohner des ärmsten Kreises in Deutschland, dem Landkreis Uecker-Randow, können im Schnitt nur etwas mehr als halb soviel für Konsum ausgeben wie die des reichsten Kreises.

Ein besonders positives Ergebnis der Berechnung: In den Großstädten, wo besonders viele Menschen leben, entwickelt sich die Kaufkraft klar positiv; das gilt besonders für Frankfurt am Main, Hamburg, Köln und Berlin. Die Marktforscher der GfK glauben, dass vor allem der Zuzug von Älteren die verfügbaren Einkommen in den Städten anheben: „Die Vorzüge der Großstadt ziehen möglicherweise nicht mehr nur ganz Junge wieder in die Städte“, sagt Baecker-Neuchl. Verlieren dürften hingegen mittelgroße Städte.