Kaufkraft

So viel Geld haben Berliner zur Verfügung

Eine neue Studie belegt: Berliner haben weniger Geld für den reinen Konsum zur Verfügung als der durchschnittliche Bundesbürger. Die durchschnittliche Kaufkraft eines Berliners liegt mit 16.880 Euro deutlich unter dem bundesdeutschen Schnitt. Die Dahlemer sind am wohlhabendsten.

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Die reichsten Berliner wohnen in Dahlem, die ärmsten in Kreuzberg an der Grenze zu Mitte. Das ergeben neue Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), die Morgenpost Online vorliegen. Die Statistiker untersuchten die Kaufkraft nach Postleitzahlenbezirken. Am höchsten ist sie danach in Dahlem sowie Frohnau und Hermsdorf. In den beiden reichsten Postleitzahlengebieten hat jeder Einwohner mehr als 25.000 Euro jährlich zur freien Verfügung. Am niedrigsten ist die Kaufkraft in Kreuzberg an der Grenze zu Mitte. Hier sind es nur etwas mehr als 13.000 Euro.

Unter Kaufkraft verstehen Wirtschaftsexperten das Einkommen, das ein Verbraucher für Konsum ausgeben kann. Abgezogen sind bereits alle Fixkosten, also etwa Miete, Kreditraten und Versicherungsprämien.

Insgesamt sind Mitte, Lichtenberg und Friedrichshain-Kreuzberg die Bezirke mit dem wenigsten Vermögen. Allein fünf der zehn ärmsten Postleitzahlgebiete liegen in Kreuzberg. Jeder Einwohner dort kann nur 14.543 Euro im Jahr ausgeben. In Lichtenberg beträgt die Kaufkraft im Schnitt 15.166 Euro, in Mitte sind es 15.340 Euro.

Die durchschnittliche Kaufkraft eines Berliners liegt mit 16.880 Euro deutlich unter dem bundesdeutschen Schnitt von 18.904 Euro. Für die bessere Vergleichbarkeit rechnet die GfK Geomarketing die Einkommen in Indexwerte um. Dem Bundesdurchschnitt ist der Wert 100 zugeordnet, Berlin kommt auf 89,3. Zehlendorf-Steglitz erreicht als einziger Bezirk mit 110,2 mehr als den Bundesdurchschnitt. Jeder Brandenburger hat 16.771 Euro zur Verfügung, ein Indexwert von 88,7.

Die GfK-Daten bergen auch einige Überraschungen. So gehört Steglitz-Zehlendorf zwar zu den wohlhabenden Bezirken. Jeder Einwohner hat im Schnitt 20.830 Euro jährlich zur Verfügung, weit mehr als der Berliner und der Bundesschnitt. Doch sinkt dort, wo der Bezirk an Schöneberg-Tempelhof grenzt, die Kaufkraft kräftig auf 16.000 bis 17.000 Euro – nur noch Berliner Durchschnitt.

Umgekehrt ist es in Marzahn-Hellersdorf: Während die Einwohner des Bezirks insgesamt über eine relativ durchschnittliche Kaufkraft von 16.772 Euro verfügen, zeigen sich bei genauerer Betrachtung große Unterschiede. Die Einwohner im Norden müssen mit einem sehr niedrigen Einkommen auskommen, ihre Nachbarn in den Einfamilienhaussiedlungen in Mahlsdorf, Biesdorf und Kaulsdorf verfügen dagegen über deutlich mehr Geld.

Extreme Unterschiede innerhalb der Bezirke

Für einen Einzelhändler in Berlin kann der Unterschied zwischen Goldgrube und Pleite in ein paar Straßenzügen bestehen. „Das Ergebnis zeigt, dass die allgemeinen Vorstellungen von verschiedenen Stadtteilen nicht zutreffen“, sagt Simone Baecker-Neuchl, Hauptstadtexpertin bei GfK Geomarketing. Häufig unterscheide man in der Vorstellung von arm oder reich stark nach Stadtteil – Zehlendorf-Steglitz sehr wohlhabend, Marzahn arm. Das bestätige sich angesichts der Zahlen nicht immer.

Auch für Reinickendorf ergeben sich extreme Unterschiede. Während in Frohnau und Hermsdorf am Nordrand der Stadt sehr vermögende Berliner wohnen, steht denen an der Grenze zu Wedding weniger Geld als im Durchschnitt der Hauptstadt zur Verfügung.

Ein Ergebnis der Marktforscher ist auch, dass die Kaufkraft – das zur Verfügung stehende Nettoeinkommen nach Abzug der Fixkosten – in Mitte zunimmt. Es habe eine kleine positive Veränderung gegeben, sagt Baecker-Neuchl. Weil sich die Erhebungsmethode im Vergleich zum Vorjahr verändert hat, lässt sich nur ein Trend angeben. GfK Geomarketing untersuchte auch die Kaufkraft im Berliner Speckgürtel. Sie entwickelt sich besser als in Berlin.

Wenn der bundesdeutsche Durchschnitt einem Indexwert von 100 entspricht, erreichte Berlin 89,3. Brandenburg insgesamt kommt auf 88,7.

Insgesamt bestätigt sich damit das Bild des vergangenen Jahres, die Kaufkraft schrumpft in Berlin. Und das Niveau insgesamt ist niedrig: Von den deutschen Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern hat nur noch Leipzig eine noch geringere Kaufkraft, dort liegt sie bei 15.843 Euro.

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