Der Einzelhandel in Berlin und Brandenburg hat im vergangenen Jahr ein leichtes Umsatzplus verzeichnet. Der Umsatz in Berlin habe sich gegenüber dem Vorjahr preisbereinigt um 1,1 Prozent (Brandenburg plus 0,3 Prozent) erhöht, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg (HBB), Nils Busch-Petersen. Damit lag der Zuwachs allerdings unter dem bundesweiten Durchschnitt von 1,8 Prozent.
Zufrieden sind nach Angaben von Busch-Petersen fast alle Branchen in der Region Berlin-Brandenburg, die die Wirtschaftskrise gut bewältigt hätten. So profitierten vor allem diejenigen Händler, die im Bereich Informations- und Kommunikationstechnik, Haushaltsgeräte, Textilien sowie Heimwerker- und Einrichtungsbedarf tätig seien. Diese Branchen verzeichneten ein Umsatzplus von fünf Prozent. Auch Sportbekleidung und Spielwaren verkauften sich im vergangenen Jahr gut. Dagegen ist bis weit über die Jahresmitte 2010 hinweg der Verkauf von Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren deutlich zurückgegangen (minus acht Prozent Umsatz). „Erst zum Jahresende hat sich das wieder stabilisiert“, sagte Busch-Petersen.
Der Einzelhandel in Berlin profitiert sehr stark vom Tourismus. Im vergangenen Jahr wurde ein Rekordwert von 20,8 Millionen Übernachtungen erreicht. „Dabei war das Ziel für 2010 eigentlich 15 Millionen Übernachtungen“, sagte der HBB-Hauptgeschäftsführer. Dieses sei weit übertroffen worden. „Das hat dem Handel sehr geholfen“, so Busch-Petersen. Der Umsatzanteil in- und ausländischer Touristen am Jahresumsatz des Berliner Einzelhandels – ohne Kfz-Handel, Tankstellen, Apotheken – ist nach Verbandsschätzungen auf 24,9 Prozent angewachsen.
Doch bei aller positiven Bilanz: Der Handelsverband ist unzufrieden mit der vom rot-roten Senat geplanten Stellplatzverordnung. „Wenn künftig ein Supermarkt pro 75 Quadratmeter Verkaufsfläche nur noch einen Parkplatz vorhalten darf, werden damit die Kunden wieder auf die ,grüne Wiese' vertrieben“, kritisierte Busch-Petersen. Diese Obergrenze für neue Parkplätze sei auch verfassungsrechtlich bedenklich. Außerdem forderte der Verband, Baustellen besser zu koordinieren. So sei das Nikolaiviertel in Mitte aufgrund der Bauarbeiten völlig abgeschnitten worden, die Händler dort kämpften um ihre Existenz.
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