Für die meisten Privatpatienten wird die Krankenversicherung von Januar an spürbar teurer. Die immer älter werdende Bevölkerung, der stete Geburtenrückgang und steigende Gesundheitskosten gehen auch an den privaten Krankenversicherungen nicht vorbei. Die Folge sind zwangsläufig steigende Prämien.
Zwar locken viele Kassen neue Beitragszahler – mit Vorliebe junge, gesunde – durch günstige Einsteigertarife, doch reichen diese Einnahmen nicht aus, die steigenden Ausgaben auszugleichen. Am härtesten soll es nun die mehr als 900.000 Kunden der DKV treffen: Einer Umfrage von „Spiegel Online“ zufolge müssen sich die Versicherten auf Prämienerhöhungen von bis zu sieben Prozent einstellen. Bereits für 2010 mussten sie um die acht Prozent mehr zahlen.
Die Debeka, mit mehr als zwei Millionen Kunden der größte Privatversicherer, bittet einen Teil ihrer Versicherten mit fünf bis zehn Prozent mehr zur Kasse. AXA-Kunden müssten im Schnitt 5,5 Prozent mehr bezahlen – nach einem Aufschlag von rund vier Prozent zu Jahresbeginn. „Spiegel Online“ befragte die 15 größten Versicherer. Die Gesellschaften haben etwa acht Millionen der insgesamt knapp neun Millionen privat Vollversicherten unter Vertrag.
Teure Neuabschlüsse
Neun Millionen Vollversicherte – das hört sich nicht schlecht an. Doch die private Krankenversicherung hat ein Problem: zu wenig neue dauerhafte Kunden. Ihr Einnahmeplus von durchschnittlich 3,5 Prozent schafft die Branche vor allem durch höhere Beiträge. „Das geringe Neugeschäft wurde mit einer auf 8,5 Prozent gestiegenen Abschlusskostenquote eingekauft“, sagt Manfred Poweleit, Chef des Branchendienstes Map-Report.
Gleichzeitig steigen die Ausgaben: Im Schnitt 4,5 Prozent mehr müssen die Kassen für die Gesundheit ihrer Kunden zahlen. Und sie sind anders als die gesetzlichen Kassen gezwungen, Geld zurücklegen. Die sogenannte Schadenquote beschreibt, in welchem Umfang die Beitragseinnahmen unmittelbar in Versicherungsleistungen und Altersrückstellungen fließen. Sie liegt bei den 15 Großen derzeit zwischen 76 und 90 Prozent.
Zu den immer älter und damit finanziell anstrengender werdenden Kunden kommen die seit zwei Jahren historisch niedrigen Zinsen, mit denen auch die privaten Krankenversicherer zu kämpfen haben. Keine 2,5 Prozent bringen zehnjährige Bundesanleihen derzeit. Und ähnlich wie auch Lebensversicherer arbeitet auch die private Krankenversicherung mit einer Art Garantiezins.
Zu 3,5 Prozent, so hat das Bundesfinanzministerium in einer Verordnung festgelegt, müssen die 46 Privatversicherer die Rückstellungen für ihre Kunden verzinsen, die sie aus den Beitragseinnahmen für den Versicherungsschutz im Alter bilden. Noch garantieren die Krankenversicherer ihren Kunden diesen Höchstsatz – die Zahlen zeigen aber, dass sie deutliche Probleme haben, ihn selbst auch zu erreichen. Deshalb wird diskutiert, diesen Wert auf drei Prozent zu senken.
Aber auch hausgemachte Probleme holen die Privatversicherer mehr und mehr ein. „Die Beiträge für junge Leute werden zu niedrig kalkuliert“, sagt Hajo Köster vom Bund der Versicherten. Die Prämien gehen, sofern sie nicht marktgerecht sind, zulasten der Altersrückstellungen und somit des Kollektivs der Privatversicherten. Die Versicherer berücksichtigen bei Abschluss der Verträge Sterbetafeln, die nicht der aktuellen Lebenserwartung entsprechen – aufgrund dieser Prophezeiungen werden jedoch Beiträge wie auch Rückstellungen berechnet.
Auch die Altersrückstellungen, zurzeit knapp 145 Milliarden Euro, gelten angesichts der enormen Kosten als zu gering. Kreative Vorstöße wie, die Privatkassen von Preisverhandlungen zwischen gesetzlichen Kassen und Pharmaproduzenten profitieren zu lassen oder die Wechselfrist für Gutverdiener zu verkürzen, sind ein erster Schritt, aber womöglich keine Lösung. „Das entlastet die Branche zwar in den kommenden Jahren, aber dann holen uns die Probleme wieder ein“, sagt Köster.
Mit ihren bestehenden Rückstellungen können Privatkassen den Ansprüchen ihrer Kunden kaum noch gerecht werden. Dazu kommt ein Teufelskreis: Steigende Versicherungsleistungen fordern Beitragserhöhungen. Steigende Beiträge wiederum könnten die Versicherten zum Wechsel in subventionierte Tarife veranlassen. Dadurch müssten die Beiträge in den anderen Tarifen erneut steigen.
Jeder, der sich für eine private Krankenkasse entscheidet, sollte sich bewusst sein, dass er nur mit hohen finanziellen Verlusten wieder herauskommt. Alternativ kann er beim Anbieter bleiben und Abstriche bei den Leistungen hinnehmen.



