Konjunkturumfrage

Berliner Firmen rechnen mit starkem Wachstum

| Lesedauer: 5 Minuten
Hans Evert
Das Video konnte nicht gefunden werden.

Berlins Firmen optimistisch

Die Unternehmen in Berlin und Brandenburg schauen optimistisch in die Zukunft. Das ergab die Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern (IHK) in Berlin, Cottbus, Ostbrandenburg und Potsdam.

Video: BMO
Beschreibung anzeigen

Die Unternehmen erwarten in 2011gute Geschäfte, wollen investieren und neue Mitarbeiter einstellen. Es sieht so aus, als könne Berlin seinen wirtschaftlichen Rückstand gegenüber dem Rest der Republik wettmachen.

Es sind blumige Worte, die für das herhalten müssen, was gerade in den Unternehmen der Hauptstadtregion passiert. „Der Konjunkturmotor brummt gewaltig“, sagt beispielsweise Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin. Sein Kollege Wolfgang Krüger von der IHK Cottbus bezeichnet die Lage als „ausgesprochen strahlend“. Die vier Kammern aus Berlin und Brandenburg haben knapp 1500 Unternehmen zur wirtschaftlichen Lage befragt. Ergebnis: Die Firmen der Region sind so euphorisch wie selten zuvor. Diese Botschaft wollen die Kammern mit ihrem Konjunkturbericht verbreiten. „Es ist ein breiter Aufschwung, der alle Branchen erfasst hat“, sagt Eder.

Der Konjunkturklimaindex der Kammern, der aus den Einschätzungen zur aktuellen Geschäftslage und den Erwartungen gebildet wird, erreichte Anfang dieses Jahres 122 Punkte – 22 Punkte mehr als ein Jahr zuvor. Nur 2007, im Boomjahr vor der Finanzkrise, lag der Wert noch höher. Die Unternehmen in Berlin und Brandenburg sind nicht nur mit der aktuellen Lage zufrieden. 90 Prozent der Firmen gaben an, die Geschäfte liefen „gut“ oder „zufriedenstellend“. Auch für die nächsten Monate sind die Unternehmer guter Dinge. In Berlin gehen 34 Prozent der Befragten davon aus, dass die Geschäftslage sogar noch besser wird. 51 Prozent antworteten auf die entsprechende Frage mit „gleichbleibend“, und nur 15 Prozent der Unternehmen sind skeptisch.

Berliner Unternehmen sind optimistisch

Im Vergleich der vier Kammerbezirke der Region sind die Berliner Unternehmen diejenigen mit dem größten Optimismus. Rechnet man den Anteil der Firmen, die bessere Geschäfte erwarten, gegen die Skeptiker, die schrumpfende Umsätze erwarten, dann ergibt sich ein positiver Saldo von 19 Punkten. Die Zahl ist ein Maß dafür, wie dominant die Optimisten unter den Firmenlenkern sind. Für Brandenburg liegt der Wert mit 13 Punkten etwas niedriger. „Die Hauptstadtregion ist stärker und besser aus der Krise gekommen, als wir das erhofft hatten“, sagt Eder.

Demnach sieht es so aus, dass Berlin seinen wirtschaftlichen Rückstand gegenüber dem Rest der Republik weiter gutmachen kann. Seit 2005 wuchs die Hauptstadt schneller als Deutschland insgesamt. Vor allem aber schrumpfte Berlin im Krisenjahr 2009 fast nicht, während die Wirtschaftsleistung im Bundesgebiet um 4,7 Prozent zurückging. Im Jahr 2010 schließlich legte das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 3,6 Prozent zu. Berliner Zahlen liegen noch nicht vor. Die Investitionsbank Berlin (IBB) erwartet ein Plus von drei Prozent für 2010 und 2,5 Prozent in diesem Jahr.

Der Arbeitsmarkt profitiert vom Optimismus

Am besten ist laut Umfrageergebnissen der Kammern zufolge die Lage in der Industrie. Die Betriebe des verarbeitenden Gewerbes sind weitaus optimistischer als etwa Handel, Dienstleister und Bauindustrie. Für die Hauptstadtregion beträgt der Saldo aus Optimisten und Pessimisten 24 Punkte. Dabei ist gerade in Berlin die Industrie eine zarte Blüte. Knapp 100.000 Menschen in der Stadt arbeiten in entsprechenden Betrieben. Senat, Kammern und Gewerkschaft strengen sich seit zwei Jahren besonders an, um die Industrie wieder voranzubringen.

Profitieren wird vom Optimismus in den Firmen auch der Arbeitsmarkt. In der Hauptstadt gaben 25 Prozent der Befragten an, mehr Leute einstellen zu wollen. 62 Prozent wollen den Personalbestand unverändert lassen, nur 13 Prozent Stellen streichen. Eine Umfrage von Morgenpost Online unter den Großbetrieben der Hauptstadt hatte unlängst ein ähnlich gutes Bild ergeben. Von diesen Firmen will sogar jede dritte neue Leute einstellen.

Die Zuversicht schlägt sich auch in den Investitionen der Unternehmen nieder, also beispielsweise bei Neuanschaffungen von Maschinen oder bei der Erweiterung von Fertigungshallen. 27 Prozent der Berliner Unternehmen wollen mehr investieren, 46 Prozent genauso viel wie im vergangenen Jahr. Als Grund für Investitionen geben in der Hauptstadt 35 Prozent der Firmen „Erweiterung von Kapazitäten“ an. Dies tun Unternehmen in aller Regel nur, wenn sie wachsen.

Auch die vom 1. Mai an geltende Freizügigkeit für osteuropäische Arbeitnehmer bereitet den Firmen keine Sorge. Nur neun Prozent der Berliner Betriebe erwarten negative Folgen, 16 Prozent positive. Die Mehrheit der Hauptstadtfirmen – insgesamt 55 Prozent – erwägt, Arbeitgeber aus Staaten wie Polen oder Tschechien einzustellen. Mehr als jeder dritte Betrieb kann sich vorstellen, Lehrlinge beispielsweise jenseits der Oder anzuwerben. Die Wirtschaft in der Region bekommt nämlich ein Nachwuchsproblem, weil die Schülerzahlen wegen niedriger Geburtenraten sinken.

Allerdings scheinen die Pläne für die Beschäftigung von Polen oder Tschechen noch recht unkonkret. Denn gerade einmal fünf Prozent der Berliner Unternehmen haben der Umfrage zufolge überhaupt die Voraussetzungen dafür geschaffen. Sie müssen sich wohl an die neuen Zeiten noch gewöhnen.