Die Lage der Berliner Wirtschaft hat sich in den vergangenen Monaten wieder zusehends verbessert. Wie die Industrie- und Handelskammer (IHK) und die Handwerkskammer der Stadt in ihrer gemeinsamen Herbstumfrage 2010 ermittelten, sind die Firmen nahezu durchgehend „optimistisch“. Die Jobsituation sei gut und das Konsumklima so vorteilhaft wie lange nicht mehr, hieß es in der am Montag veröffentlichten Erhebung. Der an 100 ausgerichtete Geschäftsklimaindex liegt dem Bericht zufolge bei „sehr guten“ 123 Punkten gegenüber zuvor 114 Punkten.
Generell schätzen die Unternehmen ihre Geschäftslage wieder als so gut ein wie vor der Krise. Insgesamt wurden 4360 Betriebe befragt. 39 Prozent beurteilten die Situation als gut, 52 Prozent als befriedigend, 9 Prozent als schlecht.
„Die Krise ist Geschichte“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Jürgen Wittke. „Die Unternehmen schauen voller Optimismus in die Zukunft.“ Allein das Handwerk erreiche mit 102 Punkten seinen besten Wert seit 1994. Bei der Berliner Industrie stieg der Index von 112 Punkten im Frühjahr 2010 auf 119 Punkte.
In der Industrie ist laut IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder die Bauwirtschaft Motor der guten Entwicklung. Die Branche profitiere vor allem vom Konjunkturpaket, blicke allerdings wegen des Auslaufens dieser Förderung verhalten nach vorn. Gleichwohl gebe es für die Jobs in diesem Bereich Stabilität.
Die beste Entwicklung im gewerblichen Bereich verzeichneten Zulieferer und das Gastgewerbe, langsame Erholung gebe es im Kfz-Gewerbe. Weniger gut sehe es im Gesundheitsgewerbe aus. Insgesamt aber sei Berlins Wirtschaft sehr robust. Krisen, wie sie Deutschland gerade erlebt habe, habe Berlin schon lange vorher überstanden. Ähnliches gelte für den Strukturwandel.
Eine Trendwende ist dem Bericht zufolge auch bei Investitionsplänen gelungen. Das Hotel- und Gastgewerbe verdoppelte seine Investitionsneigung, ebenfalls große Pläne gibt es – trotz der pessimistischen Geschäftserwartungen – im Baugewerbe.
Eder warnte, das „zarte Pflänzchen Aufschwung“ durch übereilte Zugeständnisse bei den Löhnen zunichtezumachen. Noch immer liege die Wertschöpfung von Arbeit in Berlin rund 20 Prozent unter der in München. Im Gastgewerbe, wo keine Wertschöpfung, sondern eine Dienstleistung erbracht werde, regele sowieso der Markt alles.
Wittke ergänzte, Berlin als Tourismusstandort lebe von seinem großen Angebot bei niedrigen Preisen, was viele Touristen aus Ländern mit schlechter Wirtschaftsentwicklung anlocke. Dieser Bonus dürfe nicht verspielt werden. Pauschal höhere Löhne zu fordern, sei angesichts der günstigen Lebensverhältnisse im Vergleich zu anderen Großstädten auch nicht angemessen.
Mit Blick auf jüngste Forderungen nach Lohnerhöhungen aus der Bundesregierung sagte Wittke, die Wirtschaft habe diesbezüglich „keine Nachhilfe“ aus der Politik nötig. Angesichts zunehmend fehlender Fachkräfte in vielen Branchen werde sich das Thema auch in der Wirtschaft bald allein regulieren. Immerhin sei die hohe Qualität der in Berlin geleisteten Arbeit ein wichtiger Standortfaktor.
Eine weitere Absage erteilte Eder Überlegungen zu einer City Tax für Touristen. Derzeit könne ihm kein Politiker garantieren, dass diese Abgabe in Höhe von einem bis 1,50 Euro pro Person und Übernachtung auch wieder in den touristischen Bereich fließt. Das Land Berlin sei nicht einmal in der Lage, den Geldfluss für seine Brunnen und Grünanlagen erfolgreich zu organisieren.
dapd/dpa/sei




