Ende 2007 war Nicolas Sarkozy gerade frisch in Carla Bruni verknallt. Der dadurch ausgelöste Endorphinschub bewog ihn, über die Frage nachzudenken, was Menschen eigentlich glücklich macht. Wirtschaftswachstum allein jedenfalls nicht, ahnte Sarkozy und fragte sich, wie man bei der Bemessung des Reichtums eines Landes den Faktor einrechnen könne, wie zufrieden die Bewohner gerade sind.
Ein Hintergedanke dabei: Wenn das nationale Bruttoglücksprodukt vergleichsweise unabhängig von weltlichen Indikatoren wie dem Wirtschaftswachstum wäre, hätte man als Staatschef stets ein prima Argument an der Hand, um von dürftigen Leistungsbilanzen abzulenken: Wirtschaft brummt zwar nicht, aber egal – sind ja trotzdem alle glücklich.
Jetzt kann sich Sarkozy dabei auf zwölf Empfehlungen stützen, die eine „Kommission zur Bemessung von wirtschaftlicher Leistungskraft und sozialem Fortschritt“ vorgelegt hat. Ihr gehören die Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz und Amartya Sen und der französische Ökonom Jean-Paul Fitoussi an. Niemand anderes als Sarkozy hatte sich Anfang 2008 an die Experten gewandt und sie um Mitarbeit gebeten, damit sie ein neues Bemessungssystem für das Wohlbefinden der Menschheit entwickeln.
Der französische Präsident begrüßte ihren Bericht, ein Jahr nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers, mit einer schmissigen Rede in der Sorbonne. Kühn forderte er eine Abkehr von der „Religion der Zahl“. Anstatt auf das Bruttoinlandsprodukt zu starren, soll die Welt sich künftig am „Nationalen Netto-Produkt“ orientieren – einer Chiffre, die eben nicht nur quantitatives Wachstum, sondern die nachhaltigen Folgen des Wirtschaftens für das Wohlbefinden der Bevölkerung bemisst.
„Frankreich wird dafür kämpfen, dass die internationalen Organisationen ihre statistischen Systeme ändern“, kündigte Sarkozy an. Damit will er auf dem G-8-Gipfel in Pittsburgh beginnen. Unabhängig von den Ergebnissen der statistischen Revolution wissen Franzosen allerdings seit eh und je, was Glück ist: ein lauwarmes Baguette.





