In Frankreich sorgt ein Fabrikbesuch von Präsident Nicolas Sarkozy für Kritik, für den wegen der geringen Körpergröße des Staatschefs extra kleine Mitarbeiter ausgewählt worden sein sollen. Der Besuch am vergangenen Donnerstag sei „eine komplette Inszenierung“ gewesen, kritisierten die oppositionellen Sozialisten. Der Elyséepalast wies die Darstellung als „albern und grotesk“ zurück.

Sarkozy hatte am Donnerstag ein Werk des Autozulieferers Faurecia im nordwestfranzösischen Caligny besucht. Der belgische Fernsehsender RTBF zeigte dann am Wochenende in einer Reportage eine Mitarbeiterin aus der Fabrik, die mit Kollegen hinter Sarkozy auf dem Podium stand. Sie gab dabei an, sie sei wegen ihrer geringen Körpergröße für den Auftritt ausgewält worden, um den Staatschef bei seiner Rede vor laufenden Fernsehkameras nicht zu überragen.

„Wir haben aus sicherer und verlässlicher Quelle, dass diese Forderung nicht dem Kopf eines Faurecia-Managers entstammt“, sagte Belegschaftsvertreter José De Sa Moreira von der Gewerkschaft CFDT am Montag der Internet-Website Rue89. „Es handelt sich tatsächlich um eine Forderung des Elyséepalastes.“ Faurecia dementierte dagegen „Gerüchte zu bestimmten Forderungen des Elyséepalastes mit Bezug auf das bei der Ansprache des Präsidenten anwesende Personal“.

Eine Fabrikarbeiterin bestätigte einem belgischen Fernsehsender, ihre geringe Körpergröße sei ausschlaggebend gewesen, um bei einem Auftritt mit dem Staatschef dabei sein zu dürfen. „Man hat mir gesagt, dass sie nach der Größe ausgesucht worden sind. Ist das richtig?“, fragte ein Journalist die Frau während einer Unternehmensbesichtigung mit Sarkozy. „Ja“, lautete ihre knappe Antwort, wie der Sender im Internet berichtete.

Ein Sprecher des Präsidenten dementierte, dass es ein „Casting“ für den Besuch des Präsidenten in der Fabrik gegeben habe. Die Informationen seien „albern“ und „grotesk“. Über die genaue Körpergröße von Sarkozy gibt es keine verlässlichen Angaben. Er soll zwischen 1,65 und 1,70 Meter groß sein.

Sozialistensprecher Benoît Hamon sagte, an dem Fabrikbesuch hätten auch nur ausgesuchte Mitarbeiter von Faurecia teilnehmen dürfen, um keine Kritik am Präsidenten aufkommen zu lassen. Teils seien sie aus anderen Werken herangekarrt worden.

AFP/dpa/dcs