Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sieht die Ursachen für die Mängel bei der Deutschen Bahn in den Sparzwängen des Konzerns wegen des vor Jahren geplanten Börsengangs. „Für dieses politische Ziel haben der frühere Bahnchef Hartmut Mehdorn und sein Aufsichtsratsvorsitzender Werner Müller die Bilanz der Braut fürs Börsenparkett geschmückt“, sagte Ramsauer dem Nachrichtenmagazin „Focus“. Dies habe einen Sparzwang zur Folge gehabt, „um betriebswirtschaftliche Zahlen zu erzeugen“. Der heutige Bahnvorstand um Rüdiger Grube müsse nun die Suppe auslöffeln, die von der alten Unternehmensführung eingebrockt worden sei.
Ramsauer sagte, möglicherweise sei zuviel Wartungspersonal abgebaut worden. „Dazu gibt es jedenfalls genügend Hinweise aus dem Konzern. „ Der CSU-Politiker kündigte an, in der Bahnpolitik neue Weichen stellen zu wollen. Der Börsengang sei „derzeit kein Thema“. An erster Stelle müssten bessere Qualität, Sicherheit, Sauberkeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Züge stehen.
In den vergangenen Tagen waren bei sommerlicher Hitze in einigen Fernzügen die Klimaanlagen komplett ausgefallen, weshalb die Waggons geräumt werden mussten. In einem drastischen Fall waren mehrere Fahrgäste kollabiert und mussten ärztlich versorgt werden. Nach den massiven Klimaanlagen-Problemen soll in der nächsten Woche auf einem Krisengipfel nach Lösungen gesucht werden. Ramsauer kommt dazu mit Bahnvertretern zusammen.
Der Bundesverkehrsminister sagte dem „Focus“, er habe mit der Bahn-Spitze bereits „ernste und intensive Gespräche geführt und konstruktive Antworten bekommen“. Die neue Bahnführung tue alles, um die Qualitätsprobleme schnell in den Griff zu bekommen. „Denn ich erwarte, dass die Züge bei minus 40 Grad genauso pünktlich fahren wie bei plus 40 Grad“, sagte Ramsauer.
AFP/pz




