Vor dem Krisentreffen zu den Hitze-Pannen in ICE-Zügen ist die Bahn von mehreren Seiten unter Beschuss geraten. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) nannte den Sparkurs vor dem abgesagten Börsengang der Bahn als eine Ursache für die technischen Probleme bei Zügen. Um ein bestimmtes betriebswirtschaftliches Ergebnis zu erzielen, seien zahlreiche Kürzungen vorgenommen worden, sagte Ramsauer im Deutschlandfunk. Für den Ausfall von Klimaanlagen in ICE-Zügen vor einigen Tagen machte er das Zusammenspiel von extrem hohen Temperaturen und älteren, anfälligeren Kühlsystemen verantwortlich. Sein Ministerium und die Bahn hätten sofort Maßnahmen eingeleitet, um die Lage zu verbessern. Nun müssten langfristige Lösungen gefunden werden.

Der Grünen-Politiker Winfried Hermann forderte die Bahn auf, die Mitarbeiter besser für Notlagen wie beim Ausfall der Klimaanlagen in Zügen zu trainieren. „Die Bahn muss sich mehr Mühe geben beim Trainieren von Sonderfällen, von extremen Chaos-Situationen – dass die Zugbegleiter in Übungssituationen lernen, mit Notsituationen umzugehen“, sagte der Vorsitzende des Verkehrsausschusses des Bundestags im ARD-„Morgenmagazin“.

In Berlin beraten Ramsauer, Vertreter des Verkehrs- und Verbraucherausschusses des Bundestags mit Bahnchef Rüdiger Grube über die Pannenserie. Die Bahn hat derzeit wegen hochsommerlicher Temperaturen Probleme mit Klimaanlagen in Teilen ihrer ICE-Flotte. Die Klimaanlagen in ICE-2-Zügen sind nur für Temperaturen bis 32 Grad Celsius ausgelegt. Der Verband der Bahnindustrie zeigte sich empört über den Vorwurf von Bahnchef Grube, die Industrie habe Züge in schlechter Qualität geliefert und verwies auf mögliche Wartungsmängel.

Grube hatte im Zusammenhang mit dem Hitze-Chaos bei ICE-Zügen gesagt, die Bahn habe von der Industrie bislang „fast nie Züge geliefert bekommen, die auch das geleistet haben, wofür wir bezahlt haben“. Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Bahnindustrie, Ronald Pörner, wies dies entschieden zurück: „Die Hersteller liefern keinen Schund, keine Züge mit System-Fehlern“, sagte er der „Berliner Zeitung“. Gerade bei den jetzt beanstandeten Klimaanlagen habe die „Bahn selbst erklärt, dass kein systematischer Fehler, kein Konstruktionsfehler“ vorliege. Die Branche sei deshalb „sehr überrascht und irritiert“ über die „unberechtigten“ Anschuldigungen Grubes.

Der Bahntechnik-Verband verwies darauf, dass die Hersteller für die Züge und Komponenten nur Wartungsempfehlungen geben. „Die Wartung und Instandhaltung wird aber ausschließlich durch die Deutsche Bahn realisiert“, stellte Pörner unter Bezugnahme auf Vermutungen fest, dass der Spardruck bei der Bahn zu einer eingeschränkten Wartung geführt haben soll.

Fahrgastverband kritisiert Schmerzensgeld als unzureichend

Die Lokführergewerkschaft GDL kritiserte das Krisenmanagement von Grube. „Die Probleme wurden viel zu spät erkannt und nur zugegeben, was nicht mehr abzustreiten war“, sagte der GDL-Bundesvorsitzende Claus Weselsky der „Passauer Neuen Presse“. Es sei ärgerlich, dass Grube in der Öffentlichkeit von einem „schlechten Krisenmanagement der Mitarbeiter in den Zügen“ gesprochen habe. Die Beschäftigten seien „sehr verärgert“ darüber. „Vom letzten Glied in der Kette wird ein perfektes Krisenmanagement verlangt, während sich die Chefetage vornehm zurückhält“, sagte Weselsky.

Der Fahrgastverband Pro Bahn bezeichnete derweil auch die nachgebesserten Entschädigungen der Bahn für Opfer der Hitze in den Zügen als unzureichend. 500 Euro Schmerzensgeld für Fahrgäste, die wegen ausgefallener Klimaanlagen der Bahn schwere Gesundheitsschäden erlitten haben, sei zu wenig, sagte Pro-Bahn-Vorstandsreferent Joachim Kemnitz der „Berliner Zeitung“.„Wer deswegen im Krankenhaus behandelt werden musste, sollte sich mit 500 Euro nicht zufrieden geben. Das deckt nicht einmal die Transportkosten mit dem Krankenwagen“. Die Bahn hatte am Mittwoch angekündigt, allen ICE- Fahrgästen, die wegen Hitze im Zug ärztlich behandelt werden mussten, 500 Euro Schmerzensgeld zu zahlen. Mehr als 2200 hitzegeplagte Bahnfahrer erhielten bislang eine Entschädigung in Form von Reisegutscheinen.

AFP/dpa/cat