Überhitzte Züge

SPD will Untersuchungsausschuss zum Bahn-Chaos

Die Hitze in ICE-Zügen soll im Bundestag untersucht werden. Die Klimaanlagen in mehr als 100 ICE sind nicht für heiße Sommer geeignet.

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Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Florian Pronold, hat wegen des Hitze-Chaos bei der Deutschen Bahn einen Untersuchungsausschuss gefordert.

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Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Florian Pronold, hat wegen des Hitze-Chaos bei der Deutschen Bahn einen Untersuchungsausschuss gefordert. Die Total-Ausfälle von Klimaanlagen in ICE-Zügen brauchten eine umfassende parlamentarische Untersuchung, bei der auch die Rolle des Bundes als Eigentümer geklärt werden müsse, sagte Pronold der „Bild-Zeitung“.

„Wir wollen wissen, ob die Bahn zulasten der Sicherheit gespart hat, welchen Zusammenhang es zu den Hitzeproblemen gibt und wer dafür die Verantwortung trägt“, sagte Pronold laut Vorabbericht.

Vor allem am Wochenende hatte der Ausfall von Klimaanlagen in ICE-Zügen den Einsatz von Sanitätern nötig gemacht. Die Bahn hat den Betroffenen Entschädigungen angekündigt.

Nach Recherchen von Morgenpost Online sind die Klimaanlagen des ICE 1 und ICE 2 nur für Temperaturen bis 35 Grad Celsius ausgelegt. Aus Bahnkreisen erfuhr die Redaktion, die Aggregate hätten nur eine Leistungsfähigkeit gemäß der Norm 553 des internationalen Eisenbahnverbandes UIC. Das bedeutet, dass die Klimaanlage bei einer Temperaturspanne von minus 20 bis plus 35 Grad arbeiten muss. Wenn es wärmer als 35 Grad wird, kühlt die Klimaanlage nur noch mit geringer Kraft.

Das bedeutet, dass die Klimaanlage von mehr als 100 ICE (von insgesamt 250) nicht für Temperaturen, wie sie derzeit in weiten Teilen Deutschlands herrschen, ausgelegt sind.

Der Fall eines überhitzten ICE-Zuges, in dem am Samstag mehr als 20 Menschen kollabiert waren, beschäftigt inzwischen auch die Staatsanwaltschaft. Ein Oberstaatsanwalt sagte es bestehe „ein Anfangsverdacht auf fahrlässige Körperverletzung und unterlassene Hilfeleistung“. Der Fahrer habe nicht einfach weiter fahren dürfen, nachdem er den Ausfall der Klimaanlage bemerkt hatte.

Auch das Verkehrsministerium muss sich jetzt Vorwürfe gefallen lassen. Denn die Behörde wusste offenbar seit geraumer Zeit von den Problemen. Die gesamte Bordelektronik der ICE-Eins und ICE-Zwei Züge sei empfindlich, räumte Staatssekretär Enak Ferlemann ein.

Die Vorfälle müssten nun überprüft und hinterfragt werden, auch in Hinblick auf neue Schnellzüge. Immerhin stünde man vor der Ausschreibung einer kompletten Erneuerung der Flotte. „Da sollen diese Fehler nicht wieder auftreten“, so Ferlemann.

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