Die Axel Springer AG (Morgenpost Online, „Bild“) und die Deutsche Bank wollen zeitgleich Aktien des Medienkonzerns im Wert von mehr als einer halben Milliarde Euro auf den Markt bringen. Springer selbst will noch im zweiten Quartal 2,93 Millionen Aktien aus dem eigenen Bestand bei institutionellen Investoren platzieren, teilte das Unternehmen mit. Zugleich wolle die Deutsche Bank ihr Paket von 2,75 Millionen Aktien des Berliner Verlags abgeben, hieß es.

Mit der Erweiterung des Aktienhandelsvolumens wolle man attraktiver für Investoren werden, begründete Vorstandschef Mathias Döpfner den geplanten Schritt. Eine Kapitalaufnahme stehe dabei nicht im Vordergrund, hieß es.

Der Streubesitz würde sich mit dem Verkauf der beiden Pakete, die zusammen gut 17 Prozent des Grundkapitals von Springer ausmachen, auf mehr als 40 Prozent erhöhen. Bislang waren nur 23 Prozent verfügbar. Auf der Hauptversammlung in Berlin wollte sich der Vorstand von den Aktionären die Ermächtigung für die Platzierung einholen.

Insgesamt zeigten sich die Aktionärsvertreter sehr zufrieden mit den Konzernergebnissen und -aussichten, die Vorstandschef Döpfner anlässlich der Hauptversammlung präsentierte.

Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre lobte, der Konzern könne vor dem Hintergrund der Krise mit „fulminanten Zahlen und interessanten Perspektiven“ auftrumpfen. Als Aktionärsvertreter lobe man ja eigentlich nicht, sagte Labryga, aber er müsse zugeben: „Sie haben uns mit Ihren Zahlen überrascht.“

In der Wirtschaftskrise hat sich der Medienkonzern vergleichsweise gut geschlagen. Zwar ging der Umsatz 2009 um 4,3 Prozent auf 2,61 Milliarden Euro zurück, während der Jahresüberschuss um 45 Prozent auf 313,8 Millionen Euro einbrach.

Vor allem mit Blick auf die Ebitda-Rendite von 12,8 Prozent zeigte sich Döpfner dennoch zufrieden mit der Bilanz: „Bislang hat mir keiner ein vergleichbares Medienunternehmen zeigen können, das so erfolgreich durch die Krise gesteuert ist wie wir“, sagt der Konzernchef. Den Aktionären will Döpfner daher wie schon im Vorjahr eine Dividende von 4,40 Euro pro Aktie zahlen.

Auch der Start ins neue Jahr verlief für Axel Springer außerordentlich gut: Erst Anfang der Woche hatte der Konzern für die ersten drei Monate einen Anstieg der Konzernerlöse (Ebitda) von 48,9 Prozent gemeldet. Angesichts dessen rechne man nun damit, dass das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen im Gesamtjahr um deutlich mehr als die bislang prognostizierten zehn Prozent steige.

Der Axel-Springer-Chef betonte erneut, dass für seinen Konzern die Internationalisierung und die Digitalisierung die entscheidenden Zukunftsfragen seien. Obwohl man plane, die Onlinegeschäfte, die bereits 21 Prozent Umsatzanteil haben, weiter auszubauen, sei ein Abgesang auf das Print-Geschäft fahrlässig. Die Print-Titel hätten weiter eine hohe Ertragskraft.

Zeitschriften-Vorstand Andreas Wiele bestätigte, dass der frühere „Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust der Axel Springer AG eine Beteiligung an einem neuen Nachrichtenmagazin unter dem Projektnamen „Woche“ angeboten habe. Eine Entscheidung über eine „klar umrissene“ und „finanziell vertretbare“ Investition solle bald fallen. Entscheidend sei dabei das erwartete Anzeigenaufkommen für das neue Magazin.

DW