McKinsey-Studie

So schafft Berlin den Quantensprung

Die Unternehmensberater von McKinsey haben eine Vision für Berlin im Jahr 2020 entworfen. Innerhalb von zehn Jahren könnte die Metropole bei globalen Megatrends an der Spitze marschieren. Dabei räumen die Berater mit Mythen über Berlin auf.

Für Software-Entwickler aus dem Silicon Valley gehört es zum guten Ton, für zwei, drei Jahre in der coolen Stadt Berlin zu arbeiten. Auf dem superschnellen Glasfasernetz können sie die neuesten Anwendungen erproben. 100000 Elektroautos rollen durch Berlin, das sich zum Testmarkt für die Technologie entwickelt. Neue Konzerne fertigen leistungsstarke Batterien, die Forscher in den Labors der Universitäten ausgetüftelt haben. Aus der ganzen Welt streben Studenten an die Charité Medical School, um für hohe Studiengebühren die beste Ausbildung im Gesundheitsmanagement zu genießen. Berlins Patienten profitieren von einem vorbildlich vernetzten Gesundheitswesen, das nicht mehr nur Leiden kuriert, sondern Krankheiten durch Prävention verhindert. Schon interessieren sich Regionen in den USA, Japan und China für die Konzepte, die in Berlin funktionieren.

Berlin 2020: Die deutsche Hauptstadt hat wirtschaftlich einen Quantensprung geschafft. In den neuen Industrien sind Zigtausende Jobs neu entstanden. Touristen strömen mit Lust in die dynamische Metropole. Mehr als zwei Millionen Arbeitsplätze werden insgesamt gezählt, fast 500000 mehr als vor zehn Jahren. Die Steuern der Bürger und Unternehmen haben den einst defizitären Etat der Stadt annähernd ausgeglichen.

Diese Vision entwerfen die Unternehmensberater von McKinsey in ihrer neuen Studie über die "Wirtschaftlichen Perspektiven durch neue Wachstumskerne". Ein Quantensprung ist machbar, so ihr Argument, wenn die Stadt es schafft, sich in den globalen Megatrends saubere Mobilität, Smart Cities durch neue Computernetze und eine neue, auf Prävention ausgerichtete Gesundheitswirtschaft an die Spitze zu setzen.

Es wird nicht reichen, so die Diagnose, nur so stark zu wachsen wie die anderen deutschen Regionen. Das hat Berlin inzwischen geschafft. Aber eine eigene wirtschaftliche Basis kann so nicht entstehen. Denn die Erwerbstätigen erwirtschaften hier nur zwei Drittel des Wertes von Hamburg. Arbeitslosigkeit und Hartz-IV-Quote sind fast doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Die neuen Jobs, die es gibt, sind meist befristet, schlecht bezahlt und unsicher.

Die McKinsey-Berater räumen in ihrer Bestandsaufnahme mit ein paar Mythen auf. So sei der Ausländeranteil in Berlin mit 14 Prozent keineswegs ungewöhnlich hoch. München hat 24 Prozent. Das Durchschnittsalter in Berlin liege aufgrund geringerer Zuwanderung mit 41,4 Jahren über dem von Hamburg (40,1) und München (39,3). Zwar brächen zu viele junge Leute die Schule ab, aber nicht wesentlich mehr als in anderen Ballungsräumen. Auch eine überbordende Verwaltung sei nicht Berlins Problem. Die Behörden seien zahlenmäßig so besetzt wie anderswo. Anders als oft angenommen hat sich die Bevölkerung nicht extrem ausgetauscht. Andere Metropolen haben sich stärker verändert. In Berlin seien zwischen 1991 und 2007 rund 60 Prozent der Bewohner zugezogen oder abgewandert. In München hat sich die Bevölkerung rechnerisch komplett ausgetauscht.