Masterplan

Wie Berlin wieder Industriestadt werden soll

Der Berliner Senat hat einen neuen Masterplan Industrie beschlossen. Die Maßnahmen zur Förderung der Berliner Industrie sollen schon in den Schulen beginnen.

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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Berlin eine Industriemetropole mit riesigen Fabrikanlagen. Die Zeiten sind jedoch lange vorbei. Mit einem Masterplan will der Senat die Stadt als Industriestandort wieder beleben.

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Berlin soll wieder mehr Arbeitsplätze in der Industrie erhalten. „Wir wollen ein höheres Wachstum erreichen als das durchschnittliche Wachstum im Bundesgebiet. Wir wollen also einen Aufholprozess einleiten“, sagte Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) bei der Vorstellung des Masterplans Industrie, den der Senat am Dienstag verabschiedet hat. Zurzeit gibt es etwa 105.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe.

Der Masterplan sieht 34 Projekte vor, die den Industriestandort Berlin weiterentwickeln sollen. Einige Probleme und die Lösungsversuche des Senats:

Der Fachkräftemangel. Laut einer Studie des Forschungsinstituts Prognos AG können in Berlin und Brandenburg bis 2020 rund 362.000 Arbeitsplätze mangels Fachkräfte nicht besetzt werden. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen beklagen schon jetzt dieses Problem. Der Anteil der 30- bis 35-Jährigen mit Lehrausbildung liegt in Berlin bei 38 Prozent im Vergleich zum Bundesdurchschnitt von 55 Prozent.

Durch mehr Fortbildungen soll nun die naturwissenschaftliche Kompetenz an Schulen gestärkt werden. So soll beispielsweise an Gymnasien durch die Kooperation mit Industrieunternehmen frühzeitig das Interesse an mathematischen, naturwissenschaftlichen und technischen Berufen geweckt werden. In den Sekundarschulen soll das „Duale Lernen“ direkt auf die Jobs in der Industrie vorbereiten. Aber nicht nur der Senat, sondern auch Kammern und Verbände engagieren sich gegen den Fachkräftemangel. Die Industrie- und Handelskammer will mit einer Kampagne „Karriere in der Berliner Industrie“ auf Möglichkeiten des Aufstiegs aufmerksam machen.

Innovationen. „Insbesondere kleineren Unternehmen gelingt es am Standort Berlin noch zu wenig, das hohe Wissens- und Technologiepotenzial voll auszuschöpfen“, heißt es im Masterplan. Noch mangele es am leichten Zugang zu den Forschungsergebnissen an den Unis und Instituten. Viele Innovationen würde am Standort Berlin nicht wirtschaftlich genutzt. Die Zahl der Berliner Betriebe mit Produktionsinnovationen lag 2007 bei 32 Prozent. Zum Vergleich: In Hamburg waren 47 Prozent innovativ. Über Datenbanken im Internet, die leicht zugänglich sind, sollen nun die Innovationen der Wissenschaftler mit den Unternehmen verknüpft werden. Zudem soll der Wissenstransfer durch mehr Praktika von Studenten in den Unternehmen und durch den direkten Bezug von Studien- und Abschlussarbeiten für Problemlösungen in der Industrie genutzt werden. Ziel ist es auch, eine gesteigerte Anzahl an wissens- und technologiebasierten Gewerbeneugründungen zu erreichen, die direkt auf die Aktivitäten an den Berliner Hochschulen zurückzuführen sind. Beispielsweise könnten junge Doktoranden ihre wissenschaftlichen Ergebnisse in Start-up-Unternehmen vermarkten. Hier soll die Beratung intensiviert werden.

Rahmenbedingungen. Die Dienstleistungsfähigkeit der Verwaltung werde von Unternehmen als „ausbaufähig“ beschrieben, heißt es im Masterplan. Und weiter: Die Unternehmen sehen in Berlin einen „besonderen Nachholbedarf bei Bearbeitungsgeschwindigkeit, Schnittstellenkoordination und Verständnis für Unternehmen“. Wirtschaftssenator Wolf gab ein Beispiel. Wenn ein Unternehmer seine Produktionshallen erweitern wolle, die Finanzierung sei gesichert, aber ein Baum stehe im Weg, dann könnte es sein, dass sich Unternehmen und Verwaltung über die Fällung nicht einigen. „Wir wollen durch Seminare die Mitarbeiter in den Verwaltungen für die Belange der Unternehmer sensibilisieren“, sagte Wolf. Er sagte allerdings auch, dass der Mentalitätswechsel nicht durch ein Rundschreiben angeordnet werden kann.

Bessere Werbung. Der Senat will zudem die Vermarktung der Industriestadt Berlin verbessern. So soll die Werbe-Kampagne „be Berlin“ auch den Industriestandort bewerben.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) begrüßte den Masterplan, für den es im Herbst eine erste Bilanz geben soll. Entscheidend sei, dass Industriepolitik jetzt auch als Querschnittsaufgabe verstanden und umgesetzt werde, sagte der Vize-Landeschef Christian Hoßbach. Der DGB werde sich bei der Umsetzung intensiv in den Arbeitsschwerpunkten Fachkräfteentwicklung sowie Aus- und Weiterbildung engagieren.

Um den Industriestandort und den Mangel an Facharbeitskräften kümmert sich am Mittwoch auch eine Expertenrunde im Roten Rathaus. Der Steuerungskreis Industrie unter der Leitung des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) sucht nach Lösungen.